Impuls MCC Köln, 2. April 2021
Ines-Paul Baumann

Karfreitag

An Karfreitag ist unser Glaube trostlos.
Sinnlos.
Hoffnungslos.

An Karfreitag ist unser Glaube trostlos.
An Karfreitag sind alle Verheißungen und Glücksversprechen entsetzlich hohl.

Wir starren auf das Kreuz und sehen nichts als Leid. Die Folgen von Gewalt und ihren Strukturen. Trostlosigkeit. Leere.
Da ist keine Kraft, kein Licht, kein Leben.
Lebendig und kraftvoll erscheinen nur die Machthaber. Und diejenigen, die tun wie geheißen.
Und die, die zuschauen – und gleich wieder wegschauen. Und schweigen.

Es gibt nicht wenige Menschen, die im Glauben nie etwas anderes als Karfreitag sehen.

Sie starren auf die Kirchen – und sehen nichts als Leid. Die Folgen von Gewalt und ihren Strukturen. Trostlosigkeit. Leere.
In Kirchen sehen sie keine Kraft, kein Licht, keine Leben.
Lebendig und kraftvoll erscheinen ihnen nur die Machthaber. Und diejenigen, die tun wie geheißen.
Und die, die zuschauen – und gleich wieder wegschauen. Und schweigen.

An Karfreitag ist unser Glaube trostlos.
Vielleicht gibt es kaum einen Tag, an dem unser Glaube dem Unmenschlichen so nahe ist.
Vielleicht gibt es kaum einen Tag, an dem unser Glaube dem Menschlichen so nahe ist.

In Jesus ist Gott Mensch geworden.
An Karfreitag gibt es nur noch wenige, die den Glauben an so einen Gott mit-tragen wollen.
Nur wenige, die so einen Gott er-tragen können.
Nur wenige, die es aushalten, einen toten Gott zu bergen.
An Karfreitag trägt nicht Gott seine Menschen; heute tragen Menschen ihren Gott.
Es gibt sie: Die, die die Wärme geben, die dem toten Gott fehlt.
Die, deren Arme den halten, der sie nicht mehr zu halten vermag.
Die, die für den da sind, der für niemanden mehr da sein kann.
Von dem sie nichts mehr zu erwarten haben.
Der sie nicht mehr belohnt.
Der sie nicht mehr bestraft.
Ein toter Gott hört nicht mehr. Gott er-hört nicht mehr.

An Karfreitag ist der Gott, der vergelten kann, Geschichte.
An Karfreitag muss kein Gott mehr gütig gestimmt werden.
An Karfreitag sind alle Opfer und Aufopferungen sinnlos geworden.

Der allgegenwärtige Gott ist Vergangenheit. Oder Zukunft. Für den Moment der Gegenwart ist der allgegenwärtige und allmächtige Gott tot.

Als es so aussieht, als würden die Macht der Gewalt und die Macht der Gewohnheit das letzte Wort haben, wird Glaube nicht mehr durch Gewalt und Gewohnheiten gestützt.
Heute wird Glaube nicht von der Macht eines Gottes getragen, dessen Zuwendung Opfer verlangt – sondern von der Zuwendung von Menschen.

Lied: Mavis Staples – „Jesus Lay Down Beside Me“ 
https://youtu.be/XtziT_dOsbM

 

 

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An Karfreitag trägt nicht Gott seine Menschen; heute tragen Menschen ihren Gott.