MCC Köln: Kirche für/mit Vielfalt

Menschen – Christus – Community

Maria Lichtmess – ein Strauß von unterschiedlichsten Aspekten

Gastpredigt MCC Köln, 7. Februar 2021
Martina Brauckmann-Kleis (Maria 2.0)

Lukasevangelium 2,21-40

Einleitende Gedanken

  • Februar Maria Lichtmess
  • Ende der zwölf dunkelsten Wochen des Jahres – viele Lichterdfeste von St. Martin sechs Wochen vor Weihnachten,
    6 Kerzen 40 Tage Fasten vor Weihnachten und Maria Lichtmess sechs Wochen danach – Früher Ende der 40-tägigen Weihnachtszeit. Lichtmess bedeutet Licht bzw. Kerzenweihe.
  • Viele Lichterfeste – zeigt Eurozentrierung unserer Religion, Brasilien gerade Hochsommer.
  • Für uns passen die Lichterfeste als Hoffnung in der Dunkelheit.
  • Große Hoffnung in der Kälte: das Licht kehrt wieder – auf halbem Weg zwischen Wintersonnenwende mit Weihnachten und Frühlingstag und Nacht-Gleiche mit Ostern. Lassen Stille um uns zu verorten und zu spüren.

Besinnung

Ich entzünde die erste Altarkerze, um uns mit der Göttin in uns zu verbinden.

Ich entzünde die zweite Altarkerze, um uns mit dem Lichterbrauch zu Maria Lichtmess zu verbinden

Ich entzünde die Gemeindekerze, um uns untereinander zu verbinden.

Lesung

Lukasevangelium 2,21-40 (Bibel in gerechter Sprache)

Predigt

„Stark, voller Weisheit und die Gnade Göttin/Gottes liegt auf dir“, wer möchte nicht gerne so leben. Ein wunderbares Bild.

Für Maria war die Zeit der Reinigung vorbei. Durch die Geburt galt sie als unrein, und mein feministisches Herz möchte schreien und fluchen, dass eine Frau durch so eine heldenhafte und segensreiche Tat wie eine Geburt unrein werden soll.

Gleichzeitig erinnere ich mich, dass die Zeit des Tabus in vielen Kulturen eine Auszeit für die Frauen bedeutete. Sich zur Regelblutung zurückziehen können, der Familie für schwere Arbeiten nicht zur Verfügung stehen zu müssen, war eine große Entlastung für die Frauen. Und zeugt auch von respektvoller Furcht vor der Macht der Frauen als Lebensspenderinnen. Und gerade nach einer anstrengenden Geburt ist der Rückzug in einen Frauenraum sinnvoll.

Jesus wird zum Tempel getragen und dort erkannt. Gleich zweimal. Sowohl der Prophet Simeon als auch die Prophetin Hannah haben ihn erkannt. Warum diese Doppelung? Ich denke, die Bibel will sagen, dass er von zwei Geschlechtern erkannt wurde. Schade, dass das dritte Geschlecht verschwiegen wurde. – Wir vergessen es heute nicht. Wir wissen um die Vielfalt menschlichen Lebens und freuen uns an allen Formen des Menschseins.

Jesus wird erkannt – als Licht.

Licht für die Menschen, die nicht zum Volk Israel gehören. Und Licht und Glanz für die Menschen des Volkes.

Jesus erscheint als Licht, das leuchtet, und wir feiern Maria Lichtmess.

Er wird erkannt als rettend und herausfordernd zugleich.

Auch in den verschiedenen Traditionen dieses Festes tritt diese Erkenntnis zu Tage. Beim irischen Fest der Heiligen Brigitta spielt das Feuer eine große Rolle. Feuer ist das Element der Veränderung, der Transformation, was ins Feuer gegeben wird, verändert sich und steigt als Rauch auf. Feuer, das die Nacht erhellt. Licht, das die Dunkelheit vertreibt.

Jesus das Licht, das die Menschen erleuchtet – in Rettung und Anspruch – als Sonne der Gerechtigkeit.

Das Licht macht das Unrecht sichtbar, das im Dunkeln verborgen bleiben will. So viel Unrecht – ich denke, dass Black lives matter, dass schwarzes Leben zählt, und oft so grausam diskriminiert und zerstört wird. Ich denke an Corona-VerliererInnen. Gelder fließen für Konzerne, nicht für Menschen.

Das schreit nach Veränderung, das möge unsere Sonne der Gerechtigkeit ans Licht bringen. Auf dass wir hinsehen, darauf hinweisen, nicht weggucken.

Und ich denke an verborgene Seiten im eigenen Leben: Krankheit, Einsamkeit, Ängste, wie soll es weitergehen – auch sie sollen ans Licht gebracht werden, wo möglich mitgeteilt werden, miteinander geteilt werden, zuhören, sich stützen, nochmal anrufen, auch wenn vielleicht schon viel Zeit vergangen ist…

Jesus als Licht, das uns erleuchtet als Sonne der Gerechtigkeit, begleite uns auf unserem Weg gerade durch diese Zeit…

Stille

Kerzenprozession

So wollen wir uns auch hier im Gemeindezentrum und Zuhause, alle, die gerne mögen, auf den Weg machen. Eine Lichterprozession begehen. Zunächst mit noch nicht brennenden Kerzen, diese dann am Altar anzünden und weiter in Prozession zu Platz zurück. Dieses Ritual soll auch Raum lassen, sich die eignen Seiten anzusehen, die ans Licht kommen wollen. Dazu könnt ihr auch mit der Kerze in einer Ecke oder an der Seite innehalten und eure Gedanken und Sorgen dem Feuer anvertrauen, so dass sie gewandelt werden.

Dazu hören wir das meditative Lied „En el Jardin de la reina“ – im Garten der Königin. Es ist ein abgeschiedener Garten mit hohen Mauern – ähnlich wie in Quarantäne/Lockdown. Nur die Mauer grenzen nicht nur ein, sondern geben Schutz, um sich frei und ungestört darin zu bewegen.

Eucharistie / Abendmahl / Kommunion / Agapemahl

(Ines-Paul Baumann:)

„In der Eucharistie setzt sich das Geheimnis der Menschwerdung fort: die rettende Begegnung Gottes mit den Menschen durch Jesus Christus“ (SCHOTT, Messbuch der römisch-katholischen Kirche, zum 2. Februar).

Weder in dem Säugling im Tempel noch in dem zum Tode verurteilten Aufwiegler am Kreuz war Gott eindeutig und für alle zu erkennen. Beide waren eher allzu menschlich. Bei dem Säugling waren es ausgerechnet die Hochbetagten, die in ihm die Zuwendung Gottes zu den Menschen erkannten. Bei dem mutigen, standhaften Jesus waren es ausgerechnet feige Jünger, mit denen Jesus zu Tische saß.

In diesen menschlichen Gegensätzen waren Begegnungen möglich, die stattfanden im Rahmen von religiösen Ritualen. Die Rituale selbst waren nicht das außergewöhnliche; viele Säuglinge wurden in den Tempel gebracht, und viele Passa-Mahle wurden gefeiert.

Aber in der Anwesenheit Jesu geschah plötzlich etwas Neues. In der Mischung aus all zu menschlichem und dem religiösen Rahmen ging den Anwesenden durch die Gegenwart Jesu ein neues Licht auf – auch darüber, wer sie selber sind, wie aus ihrer Vergangenheit eine erfüllte Gegenwart wurde, und wer sie sich ab nun zu sein trauten.

Voreinander, füreinander und miteinander verkünden wir das Geheimnis und Wunder unseren Glaubens: Christus ist geboren. Christus hat gelebt. Christus ist gestorben. Christus ist auferstanden. Christus wird wiederkommen.

In der Nacht, bevor Jesus hingerichtet wurde und starb, saß er mit denen, die bei ihm waren, zu Tisch, und er aß und trank mit ihnen.

Jesus Christus, unser Bruder, nahm das Brot, dankte dafür und brach es. Er gab es denen, die bei ihm waren, und sprach: Nehmt und esst: Brot des Lebens. Das bin ich für euch. (Kreuzzeichen)

Nach dem Mahl nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihnen den, und sie tranken alle daraus. Und er sprach: Sooft ihr künftig von den Lebensgaben Gottes esst und trinkt und meiner gedenkt, bin ich in eurer Mitte. (Kreuzzeichen)

Gott, du bist der Quell und Ursprung allen Lichtes.

Christus, du hast dem Tod die Macht genommen und Leben ans Licht gebracht. Wenn wir hier nun versammelt sind, in unserem menschlichen Miteinander im Rahmen dieses religiösen Rituals, so lass auch uns heute ein Licht aufgehen. Segne unsere Brote und unsere Kelche. Erfülle uns, wenn wir sie zu uns nehmen, mit Dir – Licht aus ewigem Licht, Sonne dieser Welt und der Welt, die kommt. Stärke uns zum Leben in der Freiheit, in die Du uns gerufen hast.

Heilige Geist, segne auch, was dafür ans Licht kommen muss – in aller Wahrheit, die befreit, und mit deinem ganzen Trost.

So teilen wir nun die Gaben des Himmels für das Leben der Welt.
Das Brot des Lebens.
Der Kelch des Heils.

Segen

(Martina Brauckmann-Kleis:)

In katholischen Kirchen ist es Brauch, zum 3. Februar, dem Fest des Heiligen Blasius, einen besonderen Segen zu geben. Der Legende nach soll er durch sein Gebet ein Kind vor dem Ersticken an einer Gräte gerettet haben. Daher bezieht der Segen ganz besonders Halskrankheiten mit ein. Da Corona sich häufig im Rachen ausbreitet, möchte ich uns alle heute unter diesen besonderen Segen stellen:

Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich Göttin/Gott vor Halskrankheit und allem Bösen. Es segne dich Gott, die Mutter und der Sohn und die Heilige Geistin. Amen.

 

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