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Findest du solche G*ttesbilder einladend? („Vom großen Festmahl.“ Naja!)

Predigt MCC Köln, Ines-Paul Baumann
18. Juni 2023

Lukas 14,(12-14)15-24

Bist du schon mal von christlichen Kreisen in ihre Gemeinde eingeladen worden? Und? Vermittelt ihr Gottesbild dir das Gefühl, nur als zweite Wahl geduldet zu sein? Folgt ihr Gottesbild denselben konventionellen Logiken wie Eigentum, Lohnarbeit und Ehe? Schließt ihr Gottesbild dich aus von einer Teilhabe, solange du nicht entsprechend der Regeln der sozialen Mitte mitspielst? Warum solltest du dann ihrer Einladung folgen???

„Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf!“ (V.15) Warum sagt der Gast das zu Jesus? Sieht er sich selber eingeschlossen bei der „Auferstehung der Gerechten“? Oder findet er sich genau NICHT wieder bei der Art von Gastgebern, die Jesus gerade beschrieben hat? Ist sein Tonfall dankbar, selbstgerecht, erfreut, erleichtert, verzagt, seufzend, klagend? Ich kann es aus dem Text nicht erschließen.

Vielleicht wusste es Jesus auch nicht so genau – und bietet seinem Gegenüber mit dem Gleichnis, das er jetzt erzählt, Raum zum Abgleichen und Vergleichen, für weitere Erkenntnisse und Selbsterkenntnisse. Als würde Jesus denken: „Hm, ist dir wirklich klar, wovon du hier sprichst? Ich sitze ja jetzt schon ein paar Stunden hier mit euch am Tisch. Und so, wie ihr hier mit Einladungen und Eingeladenen umgeht, sind eben nicht automatisch alle gleichermaßen selig. Wer spricht eine Einladung aus? Und wie kommt sie bei den Eingeladenen an? Glaubst du, das spielt bei den Einladungen ins Reich Gottes keine Rolle? Sollte es denn eine Rolle spielen? Oder nicht? Wenn du gleich dieses Gleichnis hörst: Was denkst du, was geht in dir vor, was fühlst du?“

12 Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein und dir ist es vergolten. 13 Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein. 14 Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

15 Als einer der Gäste das hörte, sagte er zu Jesus: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf. 16 Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. 17 Zur Stunde des Festmahls schickte er seinen Diener aus und ließ denen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, alles ist bereit! 18 Aber alle fingen an, einer nach dem anderen, sich zu entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muss dringend gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! 19 Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, um sie zu prüfen. Bitte, entschuldige mich! 20 Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. 21 Der Diener kehrte zurück und berichtete dies seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Verkrüppelten, die Blinden und die Lahmen hierher! 22 Und der Diener meldete: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; und es ist immer noch Platz. 23 Da sagte der Herr zu dem Diener: Geh zu den Wegen und Zäunen und nötige die Leute hereinzukommen, damit mein Haus voll wird. 24 Denn ich sage euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.

Lukas 14,(12-14)15-24
Einheitsübersetzung

(1) Die Einladung hat nichts zu bieten.

Die erste Einladung in Jesu Gleichnis folgt der Logik, die Jesus am Tisch seiner Gastgeber beobachtet hat: Eingeladen werden solche, die zur selben oberen Schicht gehören wie der Gastgeber selbst (Lk 14,1). Gemessen an dem, was Jesus in den Versen zuvor beschrieben hat, führt diese Logik nicht zu Gästen, die sich gesegnet fühlen – jede Einladung ist nur damit verbunden, auch selber mal einzuladen (Lk 14,12-14).

Die Eingeladenen im Gleichnis durchbrechen diese Etikette. Sie nehmen die Einladung gar nicht erst an. Offenbar sehen sie in dieser Einladung nichts, was sie seliger machen könnte als das, was sie eh schon haben (Eigentum, Berufstätigkeit, Ehe). Ihnen geht es gut; Einladung hin oder her. Sie haben keinen Bedarf.

(Der Einladende:) Der Etikette unterworfen oder aus Rache unterwerfend.

Der einladende Hausherr reagiert auf die Absagen genau so, wie mann damals nun mal auf solche Absagen zu reagieren hatte: mit Beleidigtsein. Das zeigt entweder, dass er sich ganz den gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit verpflichtet fühlt. Oder es zeigt, dass es ihm gar nicht darum ging, den Gästen eine Freude zu machen, sondern dass diese IHM eine Freude hätten machen sollen.

Ist Gott so? Ist Gott dafür bekannt, sich den gesellschaftlichen Konventionen einer Zeit verpflichtet zu fühlen? Geht es im Glauben vor allem darum, Gott glücklich zu machen, und wenn das nicht passiert, ist Gott beleidigt und zetert herum? Ok, bei manchen Gottesbildern läuft es tatsächlich darauf hinaus. Aber ist das der Gott, den Jesus verkündet? Hat Jesus das so vorgelebt? Ist Jesus immer erst zu den oberen Schichten gegangen, und wenn die nicht wollten, hat er schmollend die Armen und Ausgestoßenen rufen und herbeibringen lassen?

Nein; der hier dargestellte Gastgeber hat mit dem Gott, den Jesus verkündet, nichts zu tun. Genau das soll auch der Gast merken, mit dem Jesus gerade redet. Mit kritischem Auge soll er prüfen, was Jesus da schildert.

(2) Die Eingeladenen sind Mittel zum Zweck.

Nun sind also die dran, die nicht ganz so gern gesehen sind. Bei der Verteilung von Besitz, Berufsarbeit und Ehe sind sie genauso wenig erste Wahl wie hier bei der Einladung. Aber um die leer gebliebenen Plätze zu füllen, sind sie gut genug. Sie sollen die Situation retten.

Auch das ist das Gegenteil von Gottes Reich, wie es Jesus verkündet: Haben die „Armen, Verkrüppelten, Lahmen und Blinden“ darin etwa nur dann einen Platz, wenn die gesellschaftlich Privilegierten vorher darauf verzichtet haben? „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“ (Mt 11,28), aber bitte erst, wenn nicht genug Unbeladene gekommen sind, um die Plätze zu füllen??

Die zweiten begegnen einem Gastgeber, für den sie zweite Wahl sind. Ersatz. Besser als gar nichts. Sie dürfen ran, weil die anderen nicht gekommen sind. Sie werden eingesetzt für einen Zweck; nicht weil sie selbst willkommen sind. Ziel für den Hausherrn ist seine eigene Seligkeit.

Das wäre ja so, als würden sich Kirchen nur angesichts zurückgehender Zahlen „dafür öffnen“, dass „auch Frauen“ und „sogar Homosexuelle und trans* Menschen“ die Plätze füllen „dürfen“!

Oder wie Fachkräftemangel als Argument für Zuwanderung…

Aber gilt nicht in beiden Fällen auch: Immerhin wissen die nun Erschienenen, warum sie sich zur Teilnahme entschieden haben – vielleicht lockte sie das sättigende Mahl. Oder es bedeutet ihnen etwas, dabei sein zu dürfen. Wenn materielle und soziale Sicherheit fehlen, wie wichtig ist es dann, ob der Zugang (und sei es nur zu zeitlich begrenzter) Teilhabe aus Rache, Eigennutz oder echter Anerkennung geöffnet wird?

(3) Die Diener greifen im Namen des Hausherrn zu nötigenden Mitteln.

Als immer noch nicht ausreicht, was da an Freiwilligen zusammenkommt, wird zu anderen Mitteln gegriffen – nun wird „genötigt“ und „gedrängt“. Die dritte Gruppe Teilnehmende ist nicht aus freien Stücken dabei. Hauptsache, die Reihen füllen sich.

An den „Wegen und Zäunen“ damals waren diejenigen zu finden, denen der Zugang in die Stadt verboten war (Sexarbeitende, Bettelnde, ausgegrenzte ethnische Gruppen). Um bei dem Gastgeber erscheinen zu können, mussten sie das Risiko eingehen, bestraft zu werden, wenn sie innerhalb der Mauern der Stadt angetroffen werden. Dann hätten sie hinterher noch weniger als zuvor schon. Sie müssen fürchten, dass der Zwangsausflug in die vermeintliche Mitte oder gar Spitze der Gesellschaft bittere Konsequenzen haben wird, bevor sie wieder in ihren Alltag zurückgeworfen sind.

Das Mahl Gottes als Ort, der Menschen noch das letzte nimmt, was sie haben? Ja, auch der Witwe mit ihrem Scherflein erging es so. Wie viele Opfer bringen Menschen angesichts eines so befehlsgewaltigen, labilen und nachtragenden Gottes wie hier mit dem Gastgeber dargestellt? Selig, wer von den Dienern dieses Hausherrn angesprochen wird? Selig, wer von so einem Gott in Ruhe gelassen wird!

Keine der drei im Gleichnis erwähnten Gruppen ist am Ende „bedingungslos selig“ teilnehmend.

Wenn es mit dem Mahl im Reich Gottes so zugeht wie in diesem Gleichnis, dann gibt es am Ende keine Eingeladenen, die bedingungslos selig sind.

Wobei es für jede dieser drei Gruppen ein gänzlich anderes Erleben ist. Wir können sie nicht über einen Kamm scheren. Jede bringt eine spezifische Perspektive mit. Und aus jeder dieser Perspektiven gibt es zumindest gute Gründe, warum es nicht zu dem großen Festmahl kommt. Mit allen drei Gruppen greift Jesus Gottesbilder auf, die seligmachenden Festmählern im Wege stehen können:

  • Wenn dein Gottesbild nicht anderen Maßstäben folgt als den alltäglichen und konventionellen Logiken von Eigentum, Lohnarbeit und Ehe.
  • Wenn dein Gottesbild dir das Gefühl vermittelt, nur als zweite Wahl geduldet zu sein (und dass das doch voll ok ist).
  • Wenn dein Gottesbild dich ausschließt von einer Teilhabe, solange du nicht entsprechend der Regeln der sozialen Mitte mitspielst.

Aber aus jeder der drei Gruppen könnte es sehr wohl auch welche geben, die der Einladung folgen und gerne dabei sind. Im Gleichnis kommt diese Freude zwar nicht auf. Aber vielleicht gibt es ein nächstes Mal. (Die Aussage, dass es nur diese eine Chance gegeben hätte, legt Jesus ja auch genau dieser Version von Hausherr in den Mund, die NICHT für seinen Gott steht.) Und wenn sich die Einladung oder der Einladende dann anders darstellen, gibt es vielleicht auch gute Gründe, der Einladung zu folgen, zum Beispiel:

  • Wenn mein Gottesbild Freude und Neugier darauf weckt, erfüllendere Erfahrungen zu machen als die Fixierung auf Eigentum, Lohnarbeit und Ehe.
  • Wenn mein Gottesbild mir das Gefühl gibt, von der Einladung wirklich gemeint und angesprochen zu sein.
  • Wenn mein Gottesbild auch die Umstände, die mich oder andere daran hindern, gleichberechtigten Zugang zu haben, mit in den Blick nimmt (ohne dass das nur meine Verantwortung ist).

Aus dem Glaubensbekenntnis des MCC-Weltbundes:

Die Metropolitan Community Church ist ein Kapitel in der Geschichte der Kirche, des Leibes Christi. Wir sind Menschen, die unterwegs sind und lernen, in unsere Spiritualität hineinzuleben und gleichzeitig unsere Körper, unsere Geschlechter und unsere Sexualitäten anzunehmen. Wir glauben nicht alle dasselbe. Und doch finden wir inmitten unserer Vielfalt als Gemeinschaft zusammen, basierend auf der Liebe Gottes für alle Menschen. Wir sind Teil eines fortwährenden Gesprächs über Glaubensleben und Glaubensfragen, historisch geprägt von der Schrift und den Bekenntnissen, und wir bauen auf denen auf, die vor uns da-gewesen sind. Unser Kapitel beginnt da, wo Gott zu uns sagt: „Kommt, schmeckt und seht.“

„Kommt, schmeckt und seht.“ Jesus Christus, Du lädst alle Menschen ein an Deinen offenen Tisch.
(…)

https://insidemcc.org/about-mcc/what-we-believe/#mcc-statement-of-faith

Danke an:
Luzia Sutter Rehmann für „Die missratene Einladung. Oder: Soziale Anerkennung ist so wichtig wie Brot“ in: „Gott ist anders. Gleichnisse neu gelesen“, hrsg. v. Marlene Crüsemann, Claudia Janssen, Ulrike Metternich, Gütersloher Verlagshaus 2014

 

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