[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Schütze das Reden deiner inneren Parlamentarier vor Bösem und auch ihre Lippen, damit sie nicht Lug und Trug reden

Predigt MCC Köln, 13. Januar 2019
Manfred Koschnick

Psalm 34,11-15 (Zur Jahreslosung)

Geliebte Gemeinde, heute predige ich ausnahmsweise nur den Christen. Ich habe sonst immer so gepredigt, dass auch Atheisten die Gedanken mit vollziehen können und es aus der eigenen Lebenserfahrung heraus verstehen. Heute beziehe ich mich exklusiv auf die Botschaft an die Kinder Gottes und gebe die Botschaft in dem Sinne weiter.

„Kommt her, Kinder, höret mir zu; ich will euch die Furcht des HERRN lehren“ (Ps 34,11): „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Mt 5,9)! „Suchet den Frieden und jaget ihm nach!“ (Ps 34,15)

Wir haben am letzten Sonntag darüber nachgedacht, was uns Frieden bedeutet und was Frieden im Jahr 2019 nicht ist und was man für den Frieden tun kann. Die Beiträge zu dem Thema waren sehr unterschiedlich. Gut, dass wir diese nicht im GD diskutiert haben. Ich stellte mir vor, wir seien Politiker und sollen eine gemeinsame Erklärung zu dem Thema abgeben. Die Beiträge in der Gemeinde waren extrem unterschiedlich. Ehrlich, (unter uns gesagt,) ich sah für diesen Fall schon einen kleinen Religionskrieg voraus ;)

Und doch ist das ständige Gespräch (die Interaktion) unter uns und unter den Mächtigen so wichtig. Die Kanzlerin muss so oft wie möglich mit Herrn Putin aus Russland, Herrn Trump aus den USA, Herrn Xi Jinping aus China, Herrn Morawiecki aus Polen, Herrn Victor Orban aus Ungarn, Herrn Erdogan aus der Türkei und vielen (!) anderen reden und verhandeln. Diese Herren wiederum müssen so oft wie möglich mit allen anderen reden und verhandeln. Niemand darf man vergessen , auch nicht die Frauen Theresia May oder Aung San Suu Kyi aus Myanmar, … Es sind so viele, die Krieg und Frieden und alles andere miteinander verhandeln müssen. Wie kann man da die Übersicht behalten?

Und wie sieht es mit dem Frieden in einem Menschen aus? Welche bekannten und geheimen Mächte arbeiten da gegeneinander und miteinander? Wie kann man da den Überblick behalten? Sigmund Freud hat das System grob vereinfacht, um überhaupt erst einmal im Ansatz einen Überblick zu schaffen. Er unterschied Das Es vom Ich und vom Überich. In meiner Übersetzung unterschied er: Die Triebe von der Vernunft und vom Gewissen. Aber was erzähle ich da uns erfahrenen Neurotikern – das wissen wir doch alle. ;) Diese 3 Instanzen verhandeln ständig meist im Hintergrund. Aus Jux denke ich mir noch den Satan dazu. Gott ist keine der Instanzen, denn sie ist höher als alle Vernunft. Nur durch Versöhnung und Interaktion aller Instanzen bleibt die Persönlichkeit stabil. Das beste Persönlichkeitsmodell ist m.E. das Parlament mit Apo und einigen Terroristen.

Es gibt konkrete Methoden und Regeln zur Stabilisierung der Persönlichkeit – z. B. die 10 Gebote. Professionell arbeitende Pädagogen, Psychiater und Priester tun alles zur Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen. Genau dies tut auch der Psalm 34 für die Seele jedes Einzelnen und für die Gemeinschaft der Juden und Christen, die sich davon ansprechen lassen. Gläubige Juden und Christen finden solche Hilfen in der Bibel, um Frieden und Ordnung zu finden und zu stiften.

Z.B. Jakobus 3,17+18:
Die Weisheit von oben her ist aufs erste keusch, danach friedsam, gelinde, lässt sich sagen, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ohne Heuchelei.…

Im Lutherdeutsch Hiob 28,Vers 28:
…und sprach zu den Menschen: Siehe, die Furcht des HERRN, (der Respekt vor Gott) das ist Weisheit; und meiden das Böse, das ist Verstand. Die Furcht des HERRN hasst das Arge, die Hoffart, den Hochmut und bösen Weg; und ich bin feind dem verkehrten Mund.

Furcht des Herrn bedeutet, Gott zu lieben (Dtn 5,29; 6,2), Demut vor Gott zu haben (Spr. 15,33) und Gottes Gebote mit Respekt, in einer Haltung der Anbetung, der „Ehrfurcht“, zu befolgen. Gottesfurcht ist ein Beziehungsbegriff. Vielleicht tauscht Ihr ihn einfach aus durch die Begriffe Respekt oder Ehrfurcht. Hiob möchte klar machen: „Es gibt keine Weisheit ohne eine Beziehung zu Gott“ (Longman). Ich hingegen glaube, dass es wohl einen anderen, aber keinen keinen kürzeren Weg zur richtigen Entscheidung und weisem Handeln gibt als den Respekt vor ihm.

Ehrfurcht oder Respekt ist nicht einfach das stupide Halten von willkürlichen Geboten, sondern auch die Liebesantwort auf Gottes Handeln an uns, so wie übrigens bereits die 10 Gebote nicht mit einer Anweisung beginnen, sondern mit der Aussage: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten befreit hat“. (Stupides, eselgleich stures Halten der Gebote ist auch nicht verkehrt! Die dümmsten Bauern ernten manchmal die dicksten Kartoffeln, und die dümmsten Christen machen manchmal alles richtig.)

Gerade Gottes bedingungslos befreiendes Handeln kann in diese respektvolle, ehrenvolle und menschenwürdige Beziehung, die im AT sogenannte Gottesfurcht, führen. Das verkehrt nicht die Autorität Gottes! Moderne Theologen haben hier nicht so lange rumgedeutelt, um im Sinne des Zeitgeistes das, was nicht passt, passend zu machen. Schon Martin Luther schrieb: „‘Einen Gott zu haben‘ heißt also nichts anderes, als ihm von Herzen zu vertrauen und zu glauben; … Im ersten Gebot fordert Gott von uns nicht mehr, als dass wir alles Gute von ihm erwarten. Wird dieses Hauptgebot erfüllt, dann erfüllen sich alle anderen Gebote wie von selbst.“ (Zitat aus Martin Luthers Katechismus) Wie werden denn Menschen in 2000 Jahren den Satz aus 2019 übersetzen: „Der Mann zog trotz vieler anderer Möglichkeiten nur seinen Schwanz ein, weil er nicht die Eier hatte.“? Wird man den Mann in 2000 Jahren sprachwissenschaftlich in einem Hühnerstall verorten? Ich kann die Bibel nur verstehen, wenn ich die Schreiber der Bibel aus ihrer Zeit heraus verstehe. Das richtige Sprachverständnis ist hier so wichtig, weil ja die Gottesfurcht den Grund legt, warum Christen ggf. die 10 Gebote einhalten. Es kann aber auch sein, dass sich das Ich selbst bzw. die Vernunft, der innere Parlamentspräsident selbst zu Wort meldet und darauf verweist, dass das Innere des Menschen durch die Gottesfurcht erheblich gestärkt wird.

Die sogenannte Gottesfurcht stellt in Aussicht, das Reden der inneren Parlamentarier vor Bösem zu schützen und auch ihre Lippen, damit sie nicht Lug und Trug reden. Was wäre das für ein Parlament?! Was wäre das für ein Mensch und Christ?!

… Es gibt ihn hier unter uns., den friedliebenden, der diplomatisch dem dummen Streit aus dem Wege geht, die anderen nicht geringer schätzt als sich selbst, der nicht tratscht, nicht lügt und gerade deshalb Vertrauen und Zutrauen genießt. Denkt nach. Ihr kennt ihn. Er ist sehr bescheiden. Er ist der Beweis, dass der Verzicht auf so manches die Seele reinigt und auf dem spirituellen Weg gute Früchte bringt.
Die Gottesfürchtigen lassen vom Bösen ab und tun Gutes; sie wollen andere (Parteien) nicht „jagen“, um Deutschland zurückzugewinnen (wie Gauland das Handeln der AfD beschrieb), sondern sie suchen Frieden und „jagen“ diesem sehnsuchtsvoll nach.

Sich von Gott aus den Fängen des Bösen befreien lassen und sich dem Guten zuwenden – das wär’s schon! „Amen“ könnte ich hier sagen…

…aber ich habe mit dieser Predigt ein weiteres anderes Anliegen, dass nun zu Sprache kommt. Es gibt neben dem Zuspruch auch einen Anspruch.

Geliebte Gemeinde, wir verdanken Luther die Einsicht, dass wir allein aus Glauben an Jesus Christus – auch ohne Tantra, ohne Ablassbriefe zu bezahlen, auch ohne stundenlange Meditation, auch ohne Yoga und fromme Werke und ohne spezielle Atemübungen – von Sünden befreit und erlöst, ganz entspannt im Hier und Jetzt, ohne priesterlichen Zauber, Gott nahe sein können. Aber etwas ging dabei verloren, das wir bei der katholischen Kirche wieder lernen könnten. Es ist das persönliche Engagement des Einzelnen mit spirituellen Übungen auf dem spirituellen Weg.

Die evangelische Theologie (vor allem im 20. Jahrhundert geprägt von Karl Barth) übersah, dass auch gute Werke in Gottes Nähe führen können. Die Astrologie der Heiden führte die Weisen aus dem Morgenland zu Jesus und damit in die Nähe Gottes. Auch Tantra, stundenlange Meditation, auch Yoga und fromme Werke, die Beichte und spezielle Atemübungen und konkrete Übungen in Nächstenliebe und Selbstliebe können zu Gott führen.

Diese starken Methoden sind nicht ähnlich einer abstrakten Liebeserklärung und frommen Zusage. Sie sind eher wie ein Kuss, menschlich erfahrbar mit allen Sinnen. Der Materialismus eines Berthold Brecht könnte manchen asketischen Christen die Augen öffnen, wenn Brecht von der belebenden Wirkung des Geldes spricht, meines Erachtens das wichtigste Fundament des irdischen Friedens.

Bei der Aufarbeitung der Missbrauchsvorfälle in der katholischen Kirche merkten die Ermittler, dass die Priester vor allem an ihrem seelischen Zölibat litten, dass da keiner ist, der sie einfach in den Arm nimmt und hemmungslos körperlich erfahrbar dieses zutiefst annehmende JA zu Ihnen sagt. Sie waren grotteneinsam und sehnten sich nach einer erfahrbaren Intensität und Qualität der Liebe, die der Heilige Geist und die Jungfrau Maria nicht geben können und auch keine intelligente evangelisch gesinnte Predigt in der MCC! So schlitterten sie in den Missbrauch an Kindern. Liebe ohne Menschlichkeit kann gefährlich werden.

Am letzten Sonntag merkten wir, dass Lars Ullas perfekte Sopranstimme nicht auf der Baritonebene der Gemeinde greifen konnte und die Gemeinde daher verstummte. Die Hermeneutik, die spirituelle Erfahrung ist wie ein Schaltgetriebe. Die rein geistige Heilung des Kranken kann sozusagen mit Seelsorge-Kupplung, Politik, Technologie und Medizin in den körperlichen Bereich transponiert werden. Die Gangschaltung hat den Namen „Es gibt nichts Gutes – außer man tut es“. Es gibt die Methoden! Fragt die katholischen und buddhistischen Klöster, in hinduistischen Aschrams, bei den islamischen Sufis!

Was rät uns die Bibel? Das AT sieht die Menschheit nüchterner, ganzheitlicher und realistischer, und den Glauben weniger idealistisch als Paulus und später die Evangelisten nach ihm. Niemand fragt: „Meister, was muss ich tun, um ins Reich Gottes zu gelangen?“ Der Psalmist fragt rhetorisch: „Wer von Euch möchte gern gut leben und gute Tage sehen?“ Dann fährt er ungefähr so fort: „Dann passt mal auf. Ich werde Euch sagen, wie man das macht. Gib acht darauf, dass Du nicht lügst, andern Deine Wahrheit nicht versagst. Dazu gehören auch Deine verdrängten Gefühle und Gedanken. Das ist schon schwer genug. Aber willst Du wirklich gut leben, musst Du Dich auch noch vom Bösen lösen und Dich dem Guten zuwenden. (Schaue hin zur Sonne. Dann liegt der Schatten immer hinter Dir.) Und dann musst Du das Gute auch tun! Und immer den Frieden suchen und Dich für ihn einsetzen. Dann wirst Du schöne Tage sehen. Das garantiere ich Euch. Viele haben es schon so erlebt!“

Es folgt eine kleine freie Rede des Predigers, in der er die Gemeinde auffordert, dem Bösen zu sagen: „Tschüss, ich habe jetzt einen andern Herrn!“ und ohne Gezänk mit dem Bösen den neuen Weg zu gehen.

Viele haben es schon so erlebt. Ich selbst auch. AMEN

 

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