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Predigt zu Sankt Nikolaus und Knecht Ruprecht

Predigtimpuls MCC Köln, 5. Dezember 2021
Manfred Koschnick

Wer als Eltern seiner Verantwortung für sein Kind nicht nachkommt, schadet ihm; wer es liebt, versucht es zu erziehen. Die Juden formulierten das damals ihrer Zeit gemäß brutaler und poetischer: (Sprüche Salomons Kap.13, Vers 24): „Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald“. Liebe Gemeinde, morgen kommen in einige katholische Familien der Nikolaus und der Knecht Ruprecht. In dem Gedicht „Von draus vom Walde komm ich her. Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr…“ gibt das Christkind, also Jesus, dem Knecht Ruprecht den Auftrag, die ungezogenen Kinder zu züchtigen. Der liebe Gott sieht nämlich alles.

Lobt dieser biblische Gott denn auch mal? Leider nein!, …außer nach unserm Tod, wie Paulus einmal schreibt. Gott „belohnt“ rechtschaffenes Verhalten ohne „Lob“ insofern eine Gesellschaft gerechter und friedlicher funktioniert, wenn die 10 Gebote eingehalten werden. Die politische Befriedung mehrt das Einkommen aller. Aber Gott sagt fast nie :“Das hast Du gut gemacht“! , (Ausnahme ist Hiob) . Es gilt zu differenzieren 1. Lob, 2. Belohnung, 3. Belobigung. Auch Jesus lobte nie. Als Petrus ihn als den Christus erkennt, lobt er ihn nicht sondern sagt, dass der Geist Gottes ihm diese Erkenntnis eingegeben hat.

Das Lob und die Belohnung durch Sankt Nikolaus in Form von Geschenken, geschieht ausschließlich im Auftrag „allmächtiger“ Eltern, die scheinbar auch Jesus, dem Christuskind Anweisungen geben können, das jene an Knecht Ruprecht weiterleitet. Was für eine verdrehte Welt ! Größenwahn! In 10% der Familien körperliche Misshandlung in Deutschland. * (siehe Fussnote) Andere manipulieren durch grausamen subtilen Liebesentzug oder überfordern die Kinder in endlosen Streitgesprächen, einem Machtkampf,in dem das Kind nicht mehr Kind sein darf…, es die Orientierung und Geborgenheit, letztlich seine starken Eltern und den Respekt verliert. Die Unfähigkeit, Respekt zu empfinden, schafftmanchmal traumatisierende Probleme, besonders im Berufsleben

Traumatisierte Menschen ziehen sich krankhaft aus der Realität zurück. Manchmal gibt es keine Brücke zwischen Welt und Scheinwelt. Aber hier kann die Religion helfen, denn das ist ihre Spezialität, das Reich Gottes schon in dieser Welt zu entdecken und in dieser Welt etwaszu sehen, was keine Scheinwelt ist sondern dem Christen die tatsächliche Liebe und Lebendigkeit Gottes spiegelt. Aus der gefährlichen Sackgasse von Zuckerbrot und Peitsche offenbart unser liebender Gott eine 3. Möglichkeit, einen Weg aus der Versklavung heraus. Hier geht es nicht um Jenseitsvertröstung sondern um etwas ganz anderes im Hier und Jetzt – um ewige Freiheit von irgendwelchen Bedingungen, um der Liebe Gottes gerecht zu werden! Das ist wichtig, dass Gott das letzte Wort hat u. über der Macht der Eltern steht. .. „Wir sind in der Welt – und nicht von dieser Welt“ (Paulus). Christliche Freiheit ist nicht herrschaftsfrei sondern immer rückgebunden an Gottes Liebe und Jesu Wort – für die meisten Christen (in der Opfertheologie) sogar letztlich an den Kreuzestod Jesu, der uns alle in seinem Sterben von aller Schuld befreite. Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seht, ich habe die Welt überwunden“)! „Ganz in der Welt – aber nicht von dieser Welt“ (Paulus). In der Welt suchen die mit der Rute Geschlagenen verzweifelt nach Süßigkeiten desLebens als Ersatz für Liebe und Erlösung; – und die Gedemütigten kämpfen ihr Leben lang um Anerkennung, nicht ahnend, dass JEDER Mensch Respekt verdient. Sie sitzen in der Falle.

Gott ist wirklich kein Nikolaus! Unsere wahre eigentliche Heimat jenseits von Lob und Strafe ist die Freiheit, zu der Christus uns berufen und die Paulus verkündet hat. Sie hat Konsequenzen, manchmal schmerzhafte – Jesus wurde gekreuzigt. Doch die Sucht nach Süßigkeiten und Anerkennung hat ein Ende! Für mich ist die leibliche Auferstehung Jesu eine ernstzunehmende Legende, u. damit eine der Brücken zwischen christl. Botschaft und Naturwissenschaft. Sie verkündet bildhaft, dass nichts und niemand , nicht mal der Tod uns trennen kann von der gegenwärtigen Liebe Gottes und seiner Freiheit, die er uns in Jesus Christus ganz praktisch gezeigt hat . Etwas in Jesus war nie tot. Dieses etwas war und ist Gott, sein eigentliches Selbst. Dieser Gott in uns lebt und macht frei.

Vielleicht denkt Ihr jetzt: „Soso… , ick‘ märk‘ jetze von ne Freiheit so jar nüschte?“ – oder: „O näh, un wisu märk isch von de läve Jot nu goarnix – wie iset dann möchlich?“ Gepredigte Freiheit eines Christenmenschen ist nie so kraftvoll, wie die, die Du Dir tapfer selbst mit mutig-gläubigem Gottvertrauen aktiv heraus-nimmst. „Ich bin mal so frei“, sagt der in Christus Befreite. Er meint die Freiheit und Erlöstheit (durch Christus) als den ewigen Wesenskern des Gläubigen und der Welt, – auch über den tatsächlichen irdischen Tod hinaus. Wer frei entscheidet, und Gott, dem Ewigen, der Liebe als das Eigentliche seiner Existenz demütig mehr gehorcht als den Menschen, braucht, weder Süßigkeiten noch die Rute, um sich zu entscheiden; – er glaubt… und ist frei. Ehrlich! er könnte über Knecht Ruprecht von Herzen lachen. „Liebe – und dann mach‘ doch wat De willst“ (Augustinus). Das Christentum hält, – mal angefangen vom bindenden Gehorsams- und Keuschheitsgelübte hinter Klostermauern bis hin zu kreativer, Gestaltung und Optimierung der Gnadengaben, alles für jeden bereit – mit unterschiedlichen Konsequenzen. Anstatt von Gott als seine braven Kinder gelobt, sind wir durch Christus befreit – befreit zu wählen. Sogar unsern Glauben dürfen wir frei wählen – auch den Unglauben. Es ist wie mit unterschiedlichen Kirchenfenstern, mal alt – mal modern, aber durch alle strahlt dieselbe Sonne. Also prüft wie immer alles – und das für Euch Christen Gute – das behaltet!

Nun also viel Spaß u. ein leichtes, gläubiges, lachendes Herz Euch, wenn der Nikolaus kommt!

Fußnote * Sind Lob und Strafe schädlich? Lebenssinn erfahren wir in einem ausgewogenen Verhältnis von Anspruch und Zuspruch, von Du sollst und Du darfst. Dies ordnet sinngebend das Verhalten und unser ganzes Leben. Es klärt, vereinfacht und ordnet Gefühle und Gedanken. Es gibt verlässliche Orientierung. Ist Lob grundsätzlich gut? Lob kann auch kränken, wenn dadurch eine unangemessene Bewertung ausgesprochen wird, die ein unangemessenes oder angemaßtes Machtgefälle illustriert (wenn ich Dich z.B. dafür öffentlich lobte, dass Du heute während der Predigt nicht in der Nase gebohrt hast, könnte das für Dich peinlich sein).Lob kann übertrieben sein und dadurch unglaubwürdig. Der Gelobte fühlt sich dann nicht gesehen und nicht ernst genommen. Erziehung ist also gar nicht so einfach. Immer noch verprügeln und misshandeln noch ca. 10 % der Eltern ihre Kinder.