[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Von Eva (der biblischen Barbiepuppe) und Lilith über Jesus zur Heiligen Ruah: Eine Predigt über die göttlich-weibliche Kraft.

Predigt MCC Köln, 14. Jan. 2018
Madeleine Eisfeld

1. Korinther 2,1-10: „Von der Weisheit Gottes“

Ich bitte vorab all jene um Vergebung, die ich durch meine radikalen Ansichten womöglich vor den Kopf stoße.
Die meisten von euch kennen meinen Lebensweg, meinen persönlichen Kreuzweg. Wer als Transfrau auf so perfide Art durch den Glutofen der Zwangsvermännlichung getrimmt wird, hat nur zwei Möglichkeiten, mit diesem Trauma fertig zu werden: entweder gleich daran kaputt gehen, oder zur radikalen Feministin werden. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Mit dem Kaputtgehen möchte ich mir noch Zeit lassen, auch wenn mir bewusst ist, dass meine Kräfte schwinden und mir nicht mehr all zu viel davon zur Verfügung steht.

Ich danke dir, Ines-Paul, für deine einleitenden Worte.
Da stehe ich nun und weiß nicht, wie ich beginnen soll. Mein Manuskript habe ich selbstverständlich zu Hause auf meinem Schreibtisch liegen lassen. Auf dem Weg hierher in der S-Bahn gelang es mir, stichwortartig ein paar Notizen in mein Notizbuch zu kritzeln. Ich hoffe, dass es mir weiterhilft.

Somit bin ich gezwungen, frei zu sprechen. Ich fühle mich in der Lage, trotzdem kann ich nicht für eine gute Qualität der Predigt garantieren.
Meine letzte Predigt hielt ich vor 28 Jahren im Rahmen meiner theologischen Ausbildung, die ich – wie bereits bekannt – nie mit einem Examen abschließen konnte.
Nun bin ich quasi durch die Hintertür zurückgekehrt. Nie hätte ich mir träumen lassen, doch noch einmal als Predigerin zu fungieren. Stellt also nicht zu hohe Ansprüche an das, was gleich über meine Lippen kommt.

Kommen wir zum Predigttext. Ausgerechnet ich muss über einen Text des Apostel Paulus reden. Der Typ ist überhaupt nicht mein Freund. Seine sexistischen Ausfälle gegen Frauen, Homosexualität und alles, was mit Sinnlichkeit und Erotik zu tun hat, schmerzen tief in meiner Seele. Mit Jesus hatte das alles nur sehr wenig zu tun. Wie aus dem Text hervorgeht, sieht sich Paulus als Botschafter des Kreuzes. Der gekreuzigte Christus ist für ihn ausschlaggebend. Die Person Jesus als Mensch, die alldem zugrunde liegt, scheinen ihn nicht im Geringsten zu interessieren. Der Jesus der Bergpredigt interessiert ihn nicht – Jesus der Heiler, dessen sanfte Hände den Menschen Gesundheit und die Rückkehr ins Leben brachten: uninteressant.

Jesus, der Befreier der Frauen und aller, die mühselig und beladen sind: keine Betrachtung wert. Paulus sieht nur den Gekreuzigten. Nur ein toter Jesus ist ein guter Jesus. Paulus konstruiert sich seinen Christus, so wie er ihn sieht, stülpt dieses Konstrukt der tatsächlichen Person über, deren Antlitz darunter vollständig verloren geht, und legt ihm Worte in den Mund, die er nie gesprochen hat. Das, was Jesus tatsächlich sagte, ist für Paulus ohne Bedeutung. Kein Wunder also, dass uns 2000 Jahre Kirchengeschichte immer weiter weg von jener Botschaft führten, die uns der Zimmermann aus Nazareth lehren wollte.

Doch der Text hat noch mehr zu bieten. Dort ist immer wieder vom heiligen Geist die Rede oder der heiligen Weisheit. Merkwürdig, das ausgerechnet von Paulus zu hören. Der Frauenverächter schlechthin verherrlicht hier in den buntesten Farben ein Prinzip, das von Anbeginn der Zeiten durch und durch weiblich ist.

Zu Beginn des Gottesdienstes, als Ines-Paul die drei Altarkerzen anzündete, da sprach er bei der dritten (die den heiligen Geist symbolisiert) von der heiligen Ruah. Der Begriff Ruah kommt aus dem Hebräischen und bedeutet sinngemäß übersetzt „Geist“. Doch in dieser Sprache ist der Begriff verweiblicht. Wir haben es beim Heiligen Geist also mit einer weiblichen Person zu tun.

Versucht das, was ich euch von nun an sage, aus dieser Perspektive zu betrachten – und es tun sich völlig neue Erkenntnisse vor euch auf.
Betrachten wir zunächst das Bild an der Wand. (Per Beamer wird ein Bild an die Leinwand projiziert. Es zeigt ein Fresco mit einer uralten Darstellung der Trinität, der Dreifaltigkeit Gottes. Drei Personen sind zu sehen. Links und rechts zwei männliche Personen, in etwas hervorgehobener Stellung in der Mitte jedoch ein unzweifelhaft weibliches Wesen, die heilige Ruah, die Geistin, flankiert von Gott Vater und dem Sohn. Die Person in der Mitte zieht die Blicke auf sich, sie ist die dominierende Gestalt und degradiert die beiden Männer zu Randobjekten.)

Man höre und staune. Bei diesem Fresco handelt es sich um eine Abbildung aus dem 9. Jahrhundert. Zu sehen in der romanischen Kirche Urschalling bei Prien am Chiemsee in Bayern.
Daran erkennen wir, wie weit die Menschen schon einmal waren. In jenen Zeiten gab es noch keine „Heilige“ Inquisition, die ihr unsägliches Gift der Intoleranz auf brutalstmögliche Art und Weise in die Köpfe der Menschen brannte.

Wer im traditionell christlichen Glauben erzogen wurde, ist mit dem Gedanken groß geworden, dass die Welt von einem männlichen Gott im Alleingang aus dem Nichts erschaffen wurde. So können wir es zumindest in der Bibel nachlesen. Doch das stimmt nicht ganz, denn bevor das göttliche Wort gesprochen wurde, erfahren wir von einer weiblichen Kraft, von der Ruah, die über dem Wasser schwebt (Genesis 1,1).

Wasser oder Untiefen und die Ruah scheinen so etwas wie Grundgegebenes der Schöpfung zu sein. Die Urwasser gelten in allen Kulturen als weibliches Urbild in allen Möglichkeiten der unterschiedlichsten Lebensformen.
Ohne Wasser kein Leben. Nur in seinem flüssigen Aggregatzustand kann Leben gedeihen.
Wie sich das gesamte Leben auf der Erde dem Wasser verdankt, so ist auch unser aller Leben aus dem Fruchtwasser des Mutterschoßes hervorgegangen.

So war auch das Göttliche ursprünglich rein weiblich. Eine der ältesten Göttinnendarstellungen ist die berühmte Venus von Willendorf – 1908 bei Ausgrabungen in der Wachau in Österreich entdeckt, nur etwa 11 cm groß. Sie ist schätzungsweise 25000-30000 Jahre alt. Von einem Vatergott wusste damals niemand etwas.

Frauen galten aufgrund ihrer Gebärfähigkeit als Inkarnation der Göttin. Da es Männern aus bekannten Gründen unmöglich ist, Kinder zu gebären, nahmen sie eine nachgeordnete (keinesfalls aber untergeordnete) Rolle in der Gesellschaft ein.
Mit der Erkenntnis, dass es einen Zusammenhang zwischen Sexualität und Fortpflanzung gab, begann die Bedeutung der Männer zu wachsen. Dies äußert sich auch in der Spiritualität.
Der Göttin wurde nun ein männlicher Gott zur Seite gestellt. Gleichberechtigt, aber nach wie vor nicht so bedeutungsvoll, da der männliche Gott sterblich war und im Laufe der Jahreszeit immer wieder neu geboren werden musste, zum Mann reifte, die Göttin ehelichte, alterte und schließlich erneut starb, um auf seine Reinkarnation zu warten. Er wurde von der Göttin geboren, war also gleichsam ihr Sohn als auch ihr Mann (somit entstanden Gott Vater und Gott Sohn). Die Göttin hingegen war unsterblicher Geist und stets präsent. Eben die Ruah, die heilige Weisheit, Schechina, Sophia, Chochma, Malkut oder wie ihre Bezeichnungen auch immer lauteten.

Mit dem Aufkommen des Patriarchats änderte sich alles grundlegend. Der männliche Gott war mit seiner Rolle nicht mehr zufrieden, beanspruchte das Monopol auf Anerkennung, sah sich als Alleinherrscher des Universums und degradierte alle weiteren Götter zu Götzen. Das traf besonders für die Göttin zu. Die wurde entmachtet, nicht selten sogar ermordet.
Besonders anschaulich wird das im babylonischen Schöpfungsmythos „enuma elish“.
Die Göttin Tiamat wird von ihrem Sohn Marduk ermordet. Der erste Göttinnenmord der Geschichte. Marduk – der „Kinderfresser“: kleine Kinder wurden ihm als Opfergaben dargebracht. Die Göttin, die Leben schenkt, bedarf hingegen keiner blutigen Opferrituale.

Das sind natürlich nur Metaphern für die Art, wie die Menschen begannen, miteinander umzugehen. In der Gesellschaft bahnten sich weitreichende soziale, politische und kulturelle Umwälzungen mit verheerenden Folgen für die Zukunft an.

Das Patriarchat beendete die egalitäre Ordnung. Es entstand die Spaltung in soziale Klassen und die Installierung einer strengen Hierarchie. Das Militär wurde geschaffen und Kriege überzogen bald die Welt. Die Frauen wurden zu Menschen zweiter Klasse und aus dem öffentlichen Leben verbannt, so wie die Göttin aus dem transzendenten.

Somit konnte sie aber auch keinen Gott mehr gebären, der doch eigentlich sterblich war.
Die Lösung liegt auf der Hand: Die patriarchalen männlichen Götter erlangten die Gebärfähigkeit. Seltsame, geradezu hanebüchene Schöpfungsmythen entstanden. In der griechischen Mythologie etwa gebiert Gott Vater Zeus seine Tochter Athene. Wie gelang ihm das, da ihm doch, ähnlich seinen männlichen Geschlechtsgenossen unter den Menschen, das nötige Werkzeug dazu fehlte? Zeus gebiert Athene aus seinem Kopf.
Wo mag sie entstiegen sein? Aus den Ohren, der Nase, dem Mund? Uns liegen keine detaillierten Berichte vor.
All dieser Unfug diente allein einem Zweck: Frauen zu diskriminieren. Göttlich und Weiblich? Das schloss fortan einander aus.
Allein der Mann galt als Abbild des Göttlichen.

Sehr anschaulich begegnet uns diese Ungeheuerlichkeit im jüdisch-christlichen Schöpfungsmythos.
Dabei sollten wir bedenken, dass es zwei unterschiedliche Varianten gibt.

Variante Nr 1: Gottvater nimmt etwas Ton, formt daraus ein Menschenpaar, haucht ihm seinen Atem ein. Ihr habt richtig gehört. Zwei Menschen, Mann und Frau in allem gleichgestellt. Adam und – ?

Frage in die Runde: Wer kennt den Namen von Adams erster Frau?
(Schweigen, dann die zaghafte Antwort: Lilith.)
Richtig! Adam und Lilith sind das erste Menschenpaar.
Lilith, stolz und in allem unabhängig, selbstbestimmt lebend und entscheidend, wild und verwegen, eine kämpfende Amazone.
Nun waren sie also auf der Welt. Wie verhielten sich die beiden zu einander?
Ich höre Liliths Stimme: „Adam, komm mal her, hör mal zu! Nun sind wir also auf der Welt und müssen miteinander auskommen. Lass uns unser Ding gemeinsam machen. Gleichberechtigt und auf Augenhöhe. Dann könnte es funktionieren. Aber (!) glaube nicht, dass du mich herumkommandieren kannst, mir befehlen, dich von mir bedienen lassen. So läuft die Sache nicht! Nicht mit mir! Wenn du so denkst, ist es besser, wir gehen gleich getrennte Wege.“

So etwas konnte der gestrenge GottVater niemals durchgehen lassen. Er verurteilt Lilith für ihre Aufmüpfigkeit und verstößt sie aus seinem Reich. So sollen Frauen nicht sein. In der Mythologie mutiert Lilith von nun an zur Dämonin, zum blutrünstigen Nachtgespenst, das kleine Kinder anknabbert und ihnen das Blut aussaugt.
Adam bleibt verweist zurück. Ob er Lilith eine Träne nachweint?
Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei!

Betrachten wir die zweite Variante, die offiziell anerkannte: Gott Vater versetzt Adam in den Tiefschlaf, öffnet dessen Brust und entnimmt ihm eine Rippe. Aus dieser nun formt er eine menschenähnliche Gestalt, die Frau mit Namen Eva.
Nun sind sie also wieder zu zweit. Der Mensch und die Frau. Ja richtig gehört. Die Frau gilt seit jenem zweifelhaften Akt nicht mehr als Mensch, sondern nur noch menschenähnlich.
Eva ist dafür geradezu prädestiniert. Eva, jene biblische Barbiepuppe, devot und unterwürfig, schwach, manipulierbar und dem Anschein nach ohne Verstand.
Warum sollte sie sonst einen solchen Appetit auf die Früchte des Baumes der Erkenntnis spüren?
Die Geschichte mit der Frucht diskriminiert die Frau gleich zweimal. Einmal in Form von Eva als dummem blondem Blödchen. Zum anderen in der Form der Schlange als Verführerin. Die Schlage, ein altes Symbol der Göttin und ihrer Kraft.
Nein, Lilith brauchte vom Baum der Erkenntnis gar nicht zu essen, sie hatte die Erkenntnis seit Anbeginn in sich, den Geist, die Ruah, die Weisheit, Sophia.

Also, ihr Frauen, vergesst Eva, ihr seid nicht ihre Töchter. Verbannt sie aus euren Gedanken, Eva hat nie existiert. Lilith ist eure Mutter. Folgt ihr ihren Spuren, tun sich Türen vor euch auf, die den Weg zur Erkenntnis frei machen.

Nach diesem Ausflug in das Reich der Mythologie wollen wir den Bogen wieder zu Jesus schlagen. Welche geschichtliche Rolle sollte ihm zukommen? Keine Geringere als die Überwindung des Patriarchats sowie all seiner negativen Begleiterscheinungen.

Jesus der Erfüller, der Überbringer einer neuen, aber zugleich uralten Botschaft. Jesus der Erneuerer, ausgestattet mit der Kraft der heiligen Ruah.

Blicken wir auf das Markusevangelium. Das älteste der vier. Jesus betritt als erwachsener Mann die Bühne der Weltgeschichte. Er geht zum Jordan, um sich von Johannes dem Täufer taufen zu lassen.
Johannes erkennt ihn und er spricht die prophetischen Worte: „Ich taufe nur mit Wasser, er aber, der nach mir kommt, tauft mit Feuer und dem Heiligen Geist.“ Will sagen mit der heiligen Ruah. Hier begegnen sich Welten. Johannes, der letzte patriarchale Prophet. Ihm ist bewusst, dass seine Zeit vorüber ist. Das Alte muss vergehen Das Neue steht bereit. Jesus verkündet das Reich Gottes, auch dieser Begriff ist nur eine andere Metapher für die heilige Ruah. Das Reich der in neuer Strahlkraft erscheinenden göttlich-weiblichen Kraft kommt mit Jesus als seinem Verkünder.

Zum Reich Gottes hat das Alte, das Patriarchale keinen Zugang.
Wie sehr Jesus die Verkündigung des göttlich-weiblichen am Herzen lag, wird im Markusevangelium deutlich.
Wahrlich, ich sage euch! Alle Sünden werden den Menschen vergeben, auch die Gotteslästerung (also jene gegen GottVater). Wer aber den heiligen Geist (also die heilige Ruah) lästert, hat keine Vergebung zu erwarten ewiglich.“ (Markus 3,28f)

Wir haben es hier mit der radikalsten Aussage Jesu zu tun, indem er klare Grenzen zieht zwischen GottVater und der heiligen Ruah.
Wer sich gegen die heilige Ruah versündigt, also das göttlich-weibliche diskriminiert, hat also derart schwere Schuld auf sich geladen, dass Vergebung nicht gewährt werden kann. Arme alte Männer im Vatikan, da habt ihr im Endgericht einiges zu erwarten. Wir wollen der Fairness halber darauf hinweisen, dass es auch in vielen anderen christlichen Konfessionen die Versündigung gegen die heilige Weisheit gibt. Ich denke hier nur an die zahlreichen protestantischen Bibelfundamentalisten.

Wenn wir uns mit den Aussagen Jesu genauer auseinandersetzen, werden wir feststellen, dass er seine Ermahnungsreden ausschließlich an Männer richtet. Das tut er nicht etwa deshalb, weil er die Frauen gering schätzt, sondern vielmehr aus dem Grund, dass sie seiner Ermahnung offensichtlich nicht bedürfen. Wer von der Gesellschaft ausgegrenzt und diskriminiert ist, darf nicht noch zusätzlich durch moralische Schuldzuweisungen gedemütigt werden. Das gilt für alle Unterdrückten und Ausgegrenzten.

Ferner haben die Frauen die heilige Weisheit bereits in sich. Männern muss durch eine Erneuerung ihres Bewusstseins der Zugang erst erschlossen werden. Jesus selbst ist durch diese Erneuerung gegangen. Er wurde zum ersten erneuerten Mann der Weltgeschichte, frei von patriarchalen Machtansprüchen, sein Herz öffnend für Sanftmut, Empathie, Mitgefühl, Toleranz und Vergebungsbereitschaft.

Das wird deutlich wenn wir das Lukasevangelium betrachten. Weihnachten konnten wir es wieder in allen Kirchen vernehmen. Diesmal wird Jesus schon während seiner Geburt, nein besser schon bei seiner Zeugung berufen.
Der Engel der heiligen Ruah überbrachte Maria die Botschaft: Die heilige Weisheit wird über sie kommen und sie empfängt ein Kind. Wiederum ohne dass es eines GottVater bedarf.
Eine eindeutige Aussage, auch wenn wir uns natürlich als aufgeklärte Menschen des 21. Jahrhunderts der Tatsache bewusst sind, dass es keine Jungfrauengeburt gibt. Es handelt sich um eine Metapher dafür, dass die Erneuerung, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist.

Ich möchte, ich muss langsam zum Ende kommen. Es gäbe noch vieles zu sagen, aber heute ist nicht alle Tage.

Um auf Paulus zurück zu kommen. Ich kann wie schon erwähnt mit seiner Theologie nur wenig anfangen. Jesus wurde nicht für, sondern wegen unserer Sünden ermordet. Er war den Menschen im Weg; seine Botschaft von der heiligen Ruah war ein Ärgernis ohne Gleichen.

Etwas Ungeheuerliches, das Göttlich–Männliche überhaupt nur in Frage zu stellen.
Die irisch-amerikanische Theologien Mary Daly hat ein beeindruckendes Zitat hinterlassen. Sie meint: „Wenn Gott männlich ist, dann ist das Männliche Gott!“ Etwas anders formuliert könnte man auch sagen: Ist Gott männlich, oder ist nicht vielmehr das Männliche Gott?
Paulus hat sein übersteigertes androzentrisches Weltbild zum Maß aller Dinge erhoben.

Ich selbst habe mich dafür entschieden, nicht an Jesus, sondern mit Jesus zu glauben. Damit komme ich ihm bedeutend näher. Jesus ist nicht mein Herr, er ist mein Bruder im Geiste. Ich glaube mit ihm an die Kraft der Erneuerung durch die göttlich-weibliche Energie.

Ich habe kein Interesse, Evas Tochter zu sein. Ich folge Lilith, sie ist mir das weibliche Vorbild, dem ich nacheifere – mit allen Konsequenzen, wenn es sein muss auch bis ans bittere Ende.

Mein männlicher Körper machte mich nur zu Liliths Stiefkind. Er brachte mir Verdruss und Leid ein Leben lang. Nur als Frau hätte ich das Potential, das in mir verborgen liegt, zur vollen Entfaltung bringen können.
Ich kann allen Frauen versichern, es gibt nicht einen Grund auf Männer neidisch zu sein.
Ich vertraue auf die Kraft der Geistin. Sophia hat mich getragen auch in den allerschlimmsten Stunden. Ich vertraue darauf, dass sie es auch in Zukunft tun wird. In ihrem weichen Schoß fühle ich mich sicher und geborgen.

Eine kleine Hoffnung bleibt.
Zum Glück weht die heilige Ruah noch immer dort, wo sie will, und nicht da, wo sie die vatikanische Glaubenskongregation oder evangelikale Bibelfundamentalisten gerne sehen möchten.

Amen.

 

 

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