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Glitzer-Aschermittwoch

Andacht zum Aschermittwoch 2017
vom Ältestenrat des MCC

ASH WEDNESDAY
(1 Mar 2017)
by Rev. Ines-Paul Baumann

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Have you ever thrown a fist full of glitter in the air?
Have you ever been touched so gently you had to cry?
(P!nk – „Glitter in the Air“)

May I propose a little toast?
For all the ones who hurt the most
(Regina Spector – „The Party“)

Karneval ist vorbei. Ich möchte ein Selfie von mir machen, wie ich in Sack und Asche aussehe. Was werde ich über mich lernen, wenn ich mich so sehe? Es geht mir nicht um Klickraten und Likes; vielleicht werde ich das mit niemandem teilen außer mit Gott. Ich verschließe die Tür und beginne mit den Vorbereitungen. „Gott, hier bin ich. Schau mich an. Sehe ich nicht großartig aus in meinem Kostüm?“ Ich stelle mir vor, wie Gott weise lächelt und nickt. Ich drehe mich nochmal um die eigene Achse und betrachte mein Spiegelbild. „Dann werde ich mich jetzt mal…“ – ich halte inne. Ich brauche noch etwas Zeit, bevor ich mich ausziehe. Nicht wegen meiner Schöpferin. Gott weiß, wie ich nackt aussehe! Sondern wegen mir. ICH brauche noch etwas Zeit. Im Schutz der Dunkelheit der Nacht oder eines Darkrooms ist das viel einfacher mit dem Ausziehen. Oder in den Armen einer Geliebten. Die Wärme ihres Atems auf meiner Haut, sein Hauchen – voller Begehren, oder ganz ruhig und intim. „Gott, hauche mich an!“ Ihre Hände auf meiner Haut. „Gott, berühre mich!“ Mein Kostüm fällt zu Boden. Es entbößt die Narben auf meinem Brustkorb. Seit der Operation schmücke ich die eine Seite mit einem Piercing. Das zu Boden fallende Kostüm entblößt die Behaarung an meinem Körper. Es entbößt meine Haut – empfindsam und verwundbar. Meine Verletzlichkeit. „Gott, hier bin ich. Schau mich an. Für manche bin ich ein Sünder. Für manche bin ich eine Heilige. Manche kennen meine Höhen, manche kennen meine Tiefen. Du kennst mich ganz und gar. Hilf mir, mich so zu sehen, wie du mich siehst. Im Licht deiner Wahrheit und deiner Liebe: Lehre mich bedenken, wer ich bin.

Wir beten Dich an. Hilf uns, die Schichten abzulegen, die wir über uns legen,
damit wir nun unverhüllt und nackt vor dir stehen können.
Ohne Erwartungen, ohne Furcht, ohne Kontrolle.
(Worship Resources for Lent 2017, MCC‘s Office of Church Life and Health)

Genau wie der Sack aus Leinen zeigt mein Körper einen Aspekt von Wahrheit, den ich normalerweise nicht öffentlich zeige. Mein Körper ist nicht nur mein reines Dasein (mehr oder weniger schön in meinen Augen). Mein Körper (einschließlich meiner Augen, die meinen Blick auf unsere Körper verkörpern), mein Körper verkörpert auch, was mich davon abhält, ich selbst zu sein. Unsere individuellen Körper und institutionalisierten Körperschaften verkörpern auch eine Menge, wovon wir umkehren müssen, um unsere Berufung zu erfüllen: Lookism, Rassismus, Altersdiskriminierung, Ableism und Behindertenfeindlichkeit, Sexismus, … Tut Buße! Kehrt um! Lernt, es besser zu machen. Werdet frei. Lebt ganzheitlich. Als Geheilte und Geheiligte.

Anfangs ging es bei Sack und Asche um ein öffentliches Zeichen dafür, mit einer Kirchenbuße belegt worden zu sein. Dann schlossen sich Einzelne aus Solidarität mit an. (Erst später wurde es ein Zeichen für ALLE Gläubigen.) Das Aschenkreuz konnte also entweder sagen: „Mir wurde eine Kirchenbuße auferlegt“, oder: „Ich stehe denen bei, die mit einer Kirchenbuße belegt wurden.“ (Freilich konnte auch beides der Fall sein.) Es war ein Zeichen VON und FÜR die Ausgegrenzten. Die Solidarität mit den „Anderen“ queerte jegliches Verurteilen. Wie konnte mensch sicher sein? War diejenige mit dem Aschenkreuz eine Sünderin? Oder war es eine, die sich den Sünderinnen aus Solidarität angeschlossen hatte? Auch Jesus hatte sich zu den Sündern gesellt! Der Sünder-mit-dem-Aschenkreuz-auf-der-Stirn konnte jederzeit auch ein Heiliger-mit-dem-Aschenkreuz-auf-der-Stirn sein. Was für ein Ducheinander!

Lasst uns auch heute die Stimmen um uns und in uns ein bisschen durcheinanderbringen, die immer so genau zu unterscheiden wissen zwischen Sündern und Heiligen. Lasst uns ALS und FÜR die bunte Vielfalt einstehen aus Rock‘n‘Roll-Parties, geschlechtlich vielfältigen Tunten, Kampflesben, Queers, (a-)sexuellen Major Toms, „zugedröhnt im höchsten Himmel / Auf dem Weg zu einem absoluten Tiefpunkt“ (David Bowie). „Ashes to ashes“ ist für manche von ihnen ihr Lied, und sie singen es inmitten von … Glitzer!

Lasst uns dieses Jahr GLITZER mit dazunehmen als Zeichen VON und FÜR ein bisschen Durcheinander für jedes vermeintlich klare Urteilsvermögens zwischen Sünder_innen und Heiligen!

Dieses Jahr an Aschermittwoch empfangen Menschen weltweit
– Aschenkreuze, denen eine kleine Menge Glitzer beigemischt ist,
oder
– Aschenkreuze und anschließend ein bisschen Glitzer darauf oder daneben
auf ihrer Stirn.

Gott segne dich!

Rev. Elder Ines-Paul Baumann

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