[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Zu schwach, wenn du so bist, wie du bist?

Predigt MCC Köln, 4. August 2019
Stefan Bauer

1. Samuel 17,32-40.48-50

Ich vermute, alle kennen diese Story. Ganz großes Kino: Hirte gegen schwer gepanzerten Elitesoldaten, Underdog gegen Champion. Der junge schmächtige Hirte David besiegt mit Gottes Hilfe den Riesenkämpfer Goliath mit einer Steinschleuder – einem Kinderspielzeug. Das Heer der Philister flieht entmutigt und wird vom Heer Israels geschlagen. Das Unmögliche wurde mit Gottes Hilfe möglich.
In der Tat gibt es mehrere Verfilmungen dieser Schilderung aus dem Alten Testament.

Wenn man sich etwas genauer mit dieser Geschichte befasst und etwas recherchiert, wird man schnell folgende Dinge herausfinden:

  • Die von David benutzte Steinschleuder ist eine tödliche Waffe. Die Steinschleuderer waren sozusagen die Scharfschützen der Antike und wurden auch von den Römern in ihren Heeren eingesetzt.
  • Um die Steinschleuder zu beherrschen, braucht es viele Jahre des Trainings. Besonders Hirten verwendeten sie. Sie hatten genug Zeit zum Üben und beschützten damit die Herde vor wilden Tieren. Solche Hirten wurden dann gerne für Armeen rekrutiert. David war Hirte und vermutlich ein Meister der Schleuder.
  • In einer Untersuchung fand man heraus, dass die Energie des Geschosses einer Steinschleuder z.B. der römischen Soldaten der einer 44er Magnum, also eines großkalibrigen Revolvers, entspricht.
  • David wählte 5 glatte Steine aus dem Bach. Glatte Steine weisen eine stabilere Flugbahn auf.

Man könnte also zu dem Schluss kommen: Goliath und David waren sich mindestens ebenbürtig. Selbst ein Treffer auf den Helm hätte zumindest eine starke Gehirnerschütterung zur Folge gehabt und den Goliath kampfunfähig gemacht.
Ein weiterer Vorteil für David war die Arroganz des Goliath: er hatte einen Schild, der ihn hätte schützen können, benutzte diesen aber nicht.

Und nun? Was soll denn die ganze Geschichte, wenn David Gott eigentlich gar nicht brauchte, um den Goliath zu besiegen?

Für mich liegt der Schlüssel in einer wenig aufregenden Stelle des Textes, die ich nochmals kurz vorlesen möchte:

[38] Und Saul legte David seine Rüstung an und setzte einen ehernen Helm auf seinen Kopf und legte ihm einen Schuppenpanzer um.
[39] Danach gürtete David sein Schwert über seine Kleider und bemühte sich zu gehen; denn er hatte es noch nicht versucht. Da sprach David zu Saul: Ich kann darin nicht gehen; denn ich bin es nicht gewohnt! Und David legte es von sich ab.
[40] Und er nahm seinen Stab in die Hand und erwählte sich fünf glatte Steine aus dem Bach und legte sie in die Hirtentasche, die er hatte, und zwar in die Schleudersteintasche, und er nahm seine Schleuder zur Hand und näherte sich dem Philister.

1. Samuel 17

David bleibt sich also treu, geht in den Kampf so wie er ist. So, wie er von Gott gewollt ist, ohne von außen aufgestülpte Zwänge, sich anders zu geben als er ist. Keine Rüstung, die ihm fremd ist. (Heute würde man vielleicht sagen: kein Businessanzug). Und gerade deshalb ist es ihm möglich, sein Talent zu entfalten und mit etwas Glück – ich würde in diesem Fall sagen: mit Gottes Hilfe – direkt beim ersten Versuch einen Volltreffer zu landen und den Goliath zu schlagen. Er hätte noch 4 von den 5 glatten Steinen in Reserve gehabt.
Die Zahl 5 soll natürlich auf Gott hinweisen: Die 10 Gebote wurden geschrieben auf 2 Steinplatten mit jeweils 5 Geboten.

Wir können also mit Gottes Zustimmung und Unterstützung rechnen, wenn wir so bleiben wie wir sind, so wie wir von ihrihm gedacht sind. Und nur wenn wir so sind, und nicht so wie andere oder die Gesellschaft uns gerne hätten (und das schließt sexuelle Präferenzen und die Geschlechtsidentität mit ein), nur dann können sich unsere Talente wirklich entfalten.

Wir haben nun noch ein paar Minuten Zeit, die Bilder zu betrachten und/oder Gedanken zu dieser Predigt kommen zu lassen.

Einige Anregungen:

  • Was sind meine Talente?
  • Welche 5 Steine habe ich im Kampf gegen innere Dämonen oder arrogante Gegenüber?
  • In Bezug auf die MCC: Wir sind ja ein David unter den Kirchen (oft heißt es sogar: „Ihr seid ja gar keine ‚richtige‘ Kirche“), verfügen aber über schlagkräftige Geschosse, ich verweise nur auf unser hochkarätiges Predigtarchiv.
    • Wen oder was empfinde ich für die MCC als bedrohliches oder arrogantes Gegenüber?
    • Welche 5 Steine kann ich bei der MCC einbringen – oder zumindest einen, der ja offenbar ausreicht?

Falls euch andere Gedanken zu diesem Thema kommen, so geht diesen nach.

Comments are currently closed.