[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

„Gott-ist-mit-uns“: Wie sieht das aus?

Krippenspiel MCC Köln 24. Dez. 2016
Ines-Paul Baumann

Lukas 1,26-33 & Lukas 2,1-7: Weihnachten

Josef (kramt herum, als suche er etwas): Maria, hast du unseren Handy-Stick irgendwo gesehen?

Maria (tadelnd): Josef, das ist doch jetzt unwichtig.

Josef: Unwichtig? Maria, du hast gerade Gottes Sohn geboren! Das müssen wir kundtun! Komm, ich mach schnell ein Foto von uns allen und lade das eben bei Facebook hoch.

Maria: Ich seh viel zu fertig aus für ein Foto.

Josef (guckt sie kurz prüfend und verständnisvoll an): Na gut, dann machen wir das Foto eben NUR von Jesus.

Maria (beleidigt): Bin ich dir jetzt nicht mehr schön genug oder was?

Josef: Na, DU hast doch gerade gesagt, du willst kein Foto von dir…

Maria: (schweigt)

Josef: Na komm, dann pack wenigstens kurz mit an, ja? So wie es hier aussieht, können wir das Foto unmöglich machen.

Maria: Wieso, was meinst du?

Josef: Wir müssen Jesus ein bisschen herrichten. Er ist immerhin Gottes Sohn! Das Foto muss das schon irgendwie zeigen.

Maria: Na dann schreib halt drunter: „Gottes Sohn, heute geboren.“ Für‘n Tweet kannst du eh nicht mehr Worte machen.

Josef: Das kapiert doch kein Mensch. Gottes Sohn! Und dann liegt der im Stroh!

Maria: Ja, aber er LIEGT nun mal im Stroh.

Josef (triumphierend): NOCH!

Maria (guckt Josef skeptisch an): Was hast du vor, Josef?

Josef: Also, die Menschheit soll ja schon irgendwie ERKENNEN, dass Gott jetzt da ist. „Sohn des Höchsten“! „Immanuel!“! „Gott mit uns“!

Maria: Ja, und wie soll sie erkennen, dass Gott nun mit uns ist?

Josef: Weg mit dem Stroh. Wir betten ihn auf Gold. Wir wickeln ihn in Seidentücher. Wir falten seine heiligen ehrwürdigen Händchen. Und dann photoshoppen wir noch ein bisschen und geben ihm einen Heiligenschein.

Maria: Josef, spinnst du? Seine „heiligen ehrwürdigen Händchen“! Ich habe ein ganz normales Kind geboren!

Josef: Nein, hast du nicht! (guckt ehrfurchtsvoll und andächtig zur Krippe) Das… ist… GOTT.

Maria (guckt auch zur Krippe und stellt etwas lakonisch fest): Oh ja. Im Moment pinkelt Gott.

Josef: Maria! Das ist pietätslos!

Maria (entrüstet-abwehrend): Entschuldige mal, es war nicht MEINE Idee, dass Gott Mensch wird!! (etwas besonnener; mehr in sich selbst gekehrt:) Aber wer weiß, wenn wir etwas von der Pietät loswerden, werden wir vielleicht auch etwas von der ganzen Gewalt los. Und zwang-loser,… Also… einfach: menschlicher, So wie Gott es uns gerade vormacht: einfach mal wieder menschlich werden…. (wieder zu Josef gewandt:) Aber für GOTT ist das jetzt ZU menschlich, oder wie?

Josef: Yepp. Ganz genau. VIEL zu menschlich. Wie gesagt, die Menschen müssen doch irgendwie erkennen, dass GOTT jetzt mit uns ist.

Maria (ernst): Und woran ERKENNEN Menschen, dass Gott mit ihnen ist?

Josef: (schweigt grübelnd)

Maria: (schweigt grübelnd)

Josef: Vielleicht daran, dass Frieden ist? Dass Gerechtigkeit herrscht? Keine Armut mehr, kein Hunger, keine Kriege, keine Ausgrenzung, sowas?

Maria: Guck dich doch mal um. Von Frieden und Gerechtigkeit kann ja wohl weit und breit keine Rede sein. Da kannst du Jesus auf Gold betten, so viel du willst.

Josef: Ja und woran sollen die Menschen DANN erkennen, dass Gott mit ihnen ist???

Maria: Ich weiß es doch auch nicht.

Josef: Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland gab gestern einen Rekordumsatz für den Handel bekannt. Vielleicht denken manche, dass DAS ein Zeichen für ein gutes und richtiges Leben ist?

Maria (aufgebracht): Naja! Der Hauptgeschäftsführer hat auch gesagt: „Das Zeitalter der Grünen Wiese ist vorbei, die braucht keiner mehr.“ (wird leiser und traurig) Wenn überall nur noch Geschäfte wären, hätten wir nicht mal diesen Platz gefunden. Vielleicht hätten wir bei den Geflüchteten in der Turnhalle noch unterkommen können? Guck dich doch mal um. Da sitzen wir hier. Abseits vom normalen Leben. Als hätte Gott JETZT SCHON keinen Platz im Leben der Menschen.

Josef: (aufmunternd) Ja, aber auf dem Foto muss das ja nicht zu sehen sein! Komm, wir arrangieren das einfach so, dass das Bild die Wahrheit zeigt. Muss doch niemand wissen, wie es hier in echt aussieht. Die Menschen WOLLEN das doch gar nicht sehen. Sie wollen einen Gott, den sie anbeten können. Vor dem sie niederknien können. Zu dem sie aufsehen können. Geben wir ihnen den Gott, den sie sich wünschen!

Maria: Das können wir nicht machen, Josef.

Josef: Doch, das können wir! Damit HELFEN wir Gott, glaube mir! Gottes Botschaft soll doch sein: „Ich bin bei euch. Habt Hoffnung.“ Diese Hoffnung geben wir ihnen!

Maria (guckt wieder zur Krippe): Aber er ist doch nur ein Kind. Was kann er schon tun? Hoffnung, du hast gut reden. Wie soll aus diesem Kind überhaupt etwas werden? Unehelich gezeugt. In schlechten Verhältnissen geboren. Dabei ist der Start doch so entscheidend! Und sein Name! „Gott mit uns“ – damit bekommt er NIE einen guten Job.

Josef (sanft): Sorge dich nicht, Maria. Er wird ein großer Meister werden! Ein König! Er wird auf einem goldenen Thron sitzen! Er wird die Welt umkrempeln! Er wird die Bösen aus dem Land jagen! Die Menschen werden von ihrem bösen Tun ablassen, sie werden umkehren und Buße tun, sie werden in Frieden leben – und sie werden Jesus anbeten. Alle! Verstehst du? Aber das werden sie garantiert nicht tun, wenn wir jetzt ein Foto posten von einem kreischenden Kleinkind, das nicht mal ein Bett hat!

Maria: Und du meinst, wenn wir jetzt so tun, als wäre hier alles hoch und heilig, dann werden sie uns glauben, dass hier Gottes Sohn liegt?

Josef: Das ist doch das Einzige, worauf es ankommt – dass sie es GLAUBEN.

Maria: Also blenden wir alles aus, was den schönen Schein trügen könnte?

Josef: Nur für das Foto. In einer Stunde bin ich fertig. Gib mir diese eine Stunde. Hauptsache, die Menschen bekommen ein tolles Bild von einem tollen Jesus zu sehen. Nur damit sie an ihn glauben können. Und danach kann alles wieder so sein, wie es in echt ist, ok?

Maria: Glaubst du, Gott kann nicht bei uns sein, wenn alles so ist, wie es in echt ist?

Josef: Wo ist denn Gott in unserem Alltag? Glaubst du, da draußen auf den lauten Straßen spüren die Menschen, dass Gott bei ihnen ist? Glaubst du, da draußen in der Hektik auf dem Marktplatz spüren die Menschen, dass Gott bei ihnen ist? Glaubst du, da draußen bei den Zöllnern und Aussätzigen und Kranken und Behinderten und Sexarbeiterinnen spüren die Menschen, dass Gott bei ihnen ist? Vergiss es.

Maria (skeptisch): Und wo sollen die Menschen denn dann überhaupt „spüren“, dass Gott bei ihnen ist?

Josef: Sag ich doch, wir müssen alles ein bisschen hübsch machen. Wir müssen den Menschen die Möglichkeit geben, Frieden zu spüren. Raus aus der Hektik der Welt. Tief durchatmen. Sich was SCHÖNES vor Augen halten. Dann SPÜREN sie vielleicht etwas.

Maria (vorsichtig): Josef, ich glaube nicht, dass Gott was von „Spüren“ und „Durchatmen“ und „an-was-Schönes-denken“ gesagt hat.

Josef: Glaubst du, Gott kann tatsächlich einfach bei uns sein? So, wie wir sind? Mit allem, was hier wirklich los ist? Tag für Tag? Mitten in unserem Leben? Egal, wie es uns geht?

Maria: Genau das glaube ich. So wahrhaftig, wie Jesus hier liegt. Der liegt da ja nicht nur, wenn wir uns gerade gut fühlen. Glaube mir, ICH fühle mich gerade ganz und gar nicht gut, Josef. Ich fühle mich schwach und ausgelaugt. Und trotzdem ist Jesus jetzt da. Wie anders würden Menschen handeln, wenn sie DAS einfach mal voraussetzen würden!

Josef: Na gut, dann mach ich das Foto halt MIT all dem Gerümpel und der Unordnung und dem Chaos in diesem Stall. Aber ein bisschen aufgeräumter könnte es schon sein – wo IST denn jetzt dieser blöde Handystick??? (wird wieder ganz hektisch) Und hoffentlich habe ich hier wenigstens Internet! Was nützt es, dass Gott da ist, wenn das Internet weg ist??? Oh Gottogott…

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.