[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Ohne Moos nix los!

Predigt MCC Köln, 15. Okt. 2017
Manfred Koschnick

Markus 10,17-27 „Der reiche Jüngling“

Die Skepsis der Jünger

Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgeht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingeht. Da erschraken sie noch weit mehr und sagten zueinander: ‚Ja, wer kann dann gerettet werden?

Markus 10,26526

Dass Jesus nicht grundsätzlich gegen Reichtum war wissen wir, da er sich bei dem korrupten Zöllner Zachäus einlud, es akzeptierte, wenn er sich gern kostbares Öl (das Jahresgehalt eines Tagelöhners)  kurz vor seinem Tod in das Kopfhaar einmassieren ließ, usw.

Ist das nicht merkwürdig: Keiner der Jünger war reich und dennoch erschraken sie.  Warum ist das so? Was bedeutet hier Reichtum und Geld?

Auch wir erschrecken bei Jesu Worten und vertrauen lieber dem Geld, denn es garantiert zwar nicht, aber es ermöglicht ganzen Nationen und den einzelnen Menschen das Überleben. Ja!  Ein Leben ohne Geld macht Angst. Geld zu haben heißt u. U. manchmal eben auch gekauftes Leben haben zu dürfen, gekaufte Freiheit genießen zu können und rettender Würde sich zu vergewissern – zum Beispiel beim Handel der Flüchtlinge mit teuren Schlepperbanden.

– Glaube, Liebe Hoffnung und das liebe Geld…Menschen haben das Sehnen tief in sich nach dem verschwenderischen Paradies der Reichen und eine Hoffnung auf den großen  Lottogewinn und damit auf Ansehen und Ehre und den festen Glauben an die belebende Wirkung des Geldes oder die Liebe zu teurem Schmuck, schönen Autos und Frauen oder kostbarer Markenkleidung. Dieser Glaube, diese Liebe, diese Angst und diese Hoffnung bezüglich des Reichtums, des Mammon, des Geldes zeigen, dass es im Umgang mit Geld  um sehr tiefe geistig-seelische Überzeugungen und Glaubensgrundsätze, existentielle Ängste und tiefe Sehnsüchte geht. Vielleicht Konflikte mit den Glaubensgrundsätzen der Reichen, seiner Klasse  lassen den reichen Jüngling so traurig fort von Jesus seiner eigenen Wege ziehen. Oder sind es Gewissensbisse gegenüber den Eltern, die das Geld erarbeitet haben? Oder war es seine Sorge um den Verlust der Sicherheit im Alter? Versprach ihm Geld, frei zu sein? Wir wissen es nicht. Wir wissen, dass das Geld das Zeug dazu hat, eine Art Religion zu werden.

Beschreibung einer Bankzentrale: Gehst Du ehrfürchtig durch die hohe Pforte, dreht sich wie durch Zauberhand eine dreiflügelige Tür aus schwerem Glas – eine Drehtür. Du betrittst eine überwältigende lichtdurchflutete Halle aus Stahl und Glas. Kunstschätze hängen oder stehen vielleicht  hier und da. Hinter spanischen Wänden aus Stoff kannst Du diskret Deine finanzielle Situation beichten und um Vergebung und einen Kredit bitten oder eine Umschuldung. Den Reichen ist der Banker gnädig und gewährt viel. Erfolg wird belohnt. Versager werden nicht gern gesehen. Wer Schulden hat, fühlt sich schuldig. Er ist der  Sünder in diesem sehr eigenen Universum. Nein, es ist nicht das Reich Gottes sondern das Reich des Geldes. Nein- es ist keine Kirche Jesu Christi sondern ein Tempel des Mammons in New York, London oder Frankfurt. Abgekoppelt von der Wirklichkeit, der Realwirtschaft, gibt sich der Kader der Finanzbranche verlockenden Illusionen hin. Hier scheint es keine Grenzen zu geben. Ewige Unendlichkeit ist die Qualität der Finanzbranche, dieser „Religion“.

Aber die Jünger waren nicht reich!

Warum erschraken sie?

3 Gründe:

Erstens: Ein Grund könnte sein, dass auch sie gern mehr Geld gehabt hätten, wie die meisten, die auf irgendeine Weise emotional, finanziell sozial oder körperlich benachteiligt bzw. von der Gesellschaft behindert werden. Mit sehr viel Geld kannst du Dir fast alles kaufen! Wie verlockend! Ja, wer kann dann gerettet werden?

Der 2. Grund könnte sein, dass in der jüdischen antiken Gesellschaft und der heutigen deutschen Gesellschaft die allermeisten etwas besitzen, das sie nicht unbedingt zum Leben brauchen. Das kann z.B. eine Flasche Bier sein oder ein Pfund Kaffee. Alle sind also in dem System der Ungleichheit gefangen, das fast alle zu mehr oder weniger Vermögenden macht, die Jesus folgen und ihren Überschuss mit den Armen teilen könnten, dies aber selten tun, weil sie sich mit den Reichen, den offenbar frömmeren Mamon-jüngern vergleichen. Wer über mir und wer unter mir ist, definiert meinen Status. Diese Verstrickung könnte man einen Dämonenglauben oder Götzen nennen. Der Glaube an das Geldregiert den Geist der Menschen und die Aktien  unabhängig von den Grenzen und Fakten der Realität.

Ein dritter Grund zu erschrecken könnte ein Tabubruch sein, das heimliche verschwiegene Wissen aller, dass in Wahrheit hinter den meisten Käufen und Gewinnen aller  ein kleines Verbrechen steckt bzw. versteckt ist. Wenn z.B. bei den Geiz-ist-geil-Preisen von Saturn nicht der Kunde den Normalpreis bezahlt, wer zahlt ihn dann? Wenn ein Nahrungsmittelkonzern Fisch einkauft, kauft er auf dem Markt beim Großhändler auch das, was russische Fischer vor den Augen der Westafrikaner und Ostafrikaner in deren Gewässern illegal wegfischen, so dass den Leuten nur leere Fanggründe bleiben und der Fischhandel in Mali oder im Jemen zusammenbricht. Und so bereichern wir uns mit jedem Fischstäbchen, dass wir essen mittels dieser Verbrechen.  Du erntest da, wo Du nicht selbst gesät hast, heißt es in einem Gleichnis Jesu über einen reichen Kapitalisten. Mittlerweile gilt das für Jeden. Es ist leichter, dass ein Kamel eher durch ein Nadelöhr hindurchgeht, als dass man unter den Umständen in das Reich Gottes eingeht – ist doch klar. Irgendwie haben wir das schon immer gewusst, nur nicht zugegeben, verdrängt, geleugnet, um es ungeschehen zu machen. Nun sagte Jesus das aber – und die Jünger erschraken. Was ist denn der Unterschied zwischen Gott und einem Götzen?

  1. Merkmale und Funktion des Götzen: Ein Götze, z.B. der Gott Baal ist ausschließlich dafür da, den Gläubigen etwas Gutes zu geben– reiche Ernte, die große Liebe, eine sichere Heimat – und andererseits ebenso das Schlechte abzuwehren – Krankheit – Einsamkeit- Krankheit und einen vorzeitigen Tod wie z.B. den von Jesus. Satan macht Jesus in der Wüste verlockende Angebote. Je nach der Größe des Wunsches kann dies bis zum Menschenopfer führen…auch heute noch, wenn man an die Herzinfarkte und Suizide der Workoholiker denkt.
  2. Merkmale und Funktion Gottes, wie er sich Mose und in Jesus offenbarte: Keine Heimat. Der Menschensohn hat nichts wohin er sein Haupt legen könnte, er ist heimatlos. In Nazareth gilt er nicht viel. Statt die todbringende Wüste zu verhindern oder zu umgehen, führt Gott das Volk Israel mitten hindurch. Er fordert nicht irgendwelche „Opfer als Fahrschein“ beim Durchqueren des Roten Meers  sondern Mut. „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Ich sterbe. Ich befehle meinen Geist auch in dieser Gottesferne in Deine Hände.“ Das drückt nicht den Glauben an einen Wohl fühl – Götzen aus, der Naturkräfte  durch Wunder ersetzt und eine andere angenehmere Wirklichkeit erschafft sondern eindeutig den Glauben an Gott, dessen Jenseits im Diesseits allenfalls nur kurz aufleuchtet, und daher die Realität auch der revolutionären Veränderungen  akzeptabel und erträglich macht..

Der Unterschied: Etwas zynisch könnte man sagen, wer Baal vertraut, darf  bei entsprechend großzügigen Opfern hoffen, daraufhin das ganz große Los zu ziehen. Wer hingegen Gott vertraut, hat vielleicht schon die Hoffnung  verloren, denn es bleibt ihm nur das Leben wie es nun einmal wirklich ist mit allen Chancen und Risiken und vor allem  mit dem wirkmächtigen Zufallsprinzip, das, erschaffen von Gott, durch zufällige Mutationen in der Evolution und Anpassung an die Umwelt unter anderem auch die Neandertaler und Homo-sapiens entstehen ließ – eben uns, Gottes derzeitiges Menschengeschlecht. Halleluja! Die Chance, zufällig 6 Richtige und die richtige Superzahl im Lotto zu haben ist übrigens 1 zu 140 Millionen. Ja es bleibt bei Gott das Leben so wie es ist – und niemals wird jeder 2. den Hauptgewinn bekommen.

Wie wird man seine Götzen los ? Und was bleibt übrig, wenn man von Gott nimmt, was er nicht ist? Was bleibt vom Geld übrig?

Hiob ist ein gutes Beispiel, indem er seinem jüdischen Gottesbild den immerzu gerechten Rachegötzen seiner Freunde austreibt. Die Ungerechtigkeit des Götzen ist offenbar. Er kann nicht der Erlöser sein! Es ist immer leicht zu sagen, was ein Gott und ein Götze nicht kann oder nicht ist. Hatte jemand den Lottogewinn weil oder obwohl es Gott gib? Gibt es darauf eine überzeugende Antwort? Kann dann der Lottogewinn ein Gottesbeweis sein? Kann er nicht! Man nennt das negative Theologie. Das Fällen der heiligen Eiche ohne, dass ein Blitz die frühchristlichen Missionare unter Karl dem Großen zur Strafe tötete oder die Welt unterging, erschütterte den Glauben der Germanen an ihre Götzen. Das Ausbleiben der Katastrophe war zwar kein Gottesbeweis, aber sie ließen sich doch notgedrungen taufen,  u. a. , weil sie die Angst vor Götzen verloren hatten Das könnte auch für uns Christen Vorbild und Chance sein..: „Stürze deine Götzen Mammon von seinem Thron! Spür einmal selbst, wie mächtig der Götze Geld auch in Deinem Leben wirkt…… wie sehr es Euch ängstigen würde, auf alle finanziellen Sicherheiten wie Krankenkasse oder Rentenversicherung zu verzichten. Ihr werdet die Heiden verstehen. Überall Angst. Überall Wut und Empörung bei der Schändung eines Götzenbildes!

Schaut, das ist ein 5 Euro – Schein als industrielles Produkt 7 Cent wert. Er ist ein Symbol des Glaubens an möglichen Reichtum, gewissermaßen der heilige Baum der Germanen in heutiger moderner Zeit. Lasst uns ihn fällen. Er ist vielseitig verwendbar. Man kann ihn zerreißen, wegwerfen…, anzünden und verbrennen…. Und man kann ihn zu einer Art Kaugummi zerkauen… Es ist in Wahrheit nur Papier, aber was machen Menschen daraus?! Eine Droge. Je länger und mehr man nimmt, umso schwerer fällt der Entzug.

Gewiss! Bei den Menschen gilt ein Treuebruch gegenüber dem Götzens als riskant, nicht aber bei Gott; denn bei Gott ist alles möglich.’“ (1.Mose 18,14) Das bedeutet, dass Gott die Götzen vom Thron stürzt, wenn wir das nicht können. Überlassen wir also Gott unseren Willen unser Fühlen und Denken und Tun, verlieren wir  unser Ego – (also das, was wir für unser selbstbestimmtes Selbst halten) – und

  • wir werden lieben können und
  • frei davon werden, Seligkeit festhalten zu wollen
  • und frei von der heidnischen Anbetung der Dinge und des Habens und
  • frei davon Gott Bedingungen zu stellen.

Das Geld den Armen zu geben ist nicht die Voraussetzung, in das Reich Gottes zu gelangen. Es ist eine der möglichen Konsequenzen und Ausdrucksmöglichkeiten der Freiheit, die wir Gott verdanken. Das gilt auch für den reichen Jüngling bei Jesus. So war der Vorschlag Jesu gemeint! Voraussetzung der Diakonie und Caritas sind der Glaube, die Freiheit, die Liebe. Ohne das ist es staatliche Fürsorge.

Der neue Rolls Royce – Phantom kostet  ohne weitere Extras 500.000 Euro (etwa so viel wie ein Maybach), aber ist er Euch das wert?  Ich meine der Name, die Typenbezeichnung  PHANTOM passt doch! Menschen jagen Phantomen nach, dem Geld – aber auch dann, wenn sie sich z.B. total abgehoben ohne erdende Bodenhaftung wegen Allah oder 77 Jungfrauen in die Luft sprengen.

Zu einer bürgerlichen evgl. Predigt gehört immer eine Prise D. Bonhoeffer. Dietrich Bonhoeffer hat es mal ungefähr so formuliert: „…ich möchte glauben lernen. …, dass man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens den Glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen – sei es einen Heiligen oder… einen Gerechten …dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeit zu leben, – dann erst wirft man sich Gott, dem Leben, der Wahrheit ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr nur die eigenen Leiden, sondern auch das Leiden Gottes in der Welt ernst… das ist Glaube …und so wird man ein authentischer Mensch und Christ…“ Und Bert Hellinger würde sagen: Dann ist die nahe Realität, nicht mehr der Brei um den man in der religiösen Ferne streicht.

Entzaubert das Geld oder lasst Gott das tun! Gönnt Euch die Freiheit ! Dann seid ihr dem Reich Gottes ganz nahe!  AMEN

 

 

Anmerkung zu “Ohne Moos nix los!

  • MCC Köln sagt:

    Hallo,

    zwei Lese-Tipps zum Thema Geld & Gott & Götzen:

    – „Mehr! Philosophie des Geldes“ von Christoph Türcke (C. H. Beck Verlag, München 2015 / ISBN 9783406674570)

    – „Die Vergötzung des Marktes – Über das seltsame Überleben des Gottesbeweises in der Ökonomie“ von Joseph Vogl (in: „Blätter für deutsche und internationale Politik“ 9/2017, Seite 97-108)

    Herzliche Grüße,
    Ines-Paul

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