[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Lebt ihr nach euren Regeln, wir tun es nach den unseren. Vor der Gottheit gibt es keine Privilegien.

Predigt MCC Köln, 15. Juli 2018
Madeleine Eisfeld

Lukas 10,25-37 „Der barmherzige Samariter“

Liebe Gemeinde!

Eine kleine Geschichte zur Einstimmung. Eine Kaserne im wilhelminischen Kaiserreich irgendwo in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Soldat Huber geht über den Kasernenhof. Dort begegnet er seinem Hauptmann.
„Na Huber, wo kommst du her?“ will der wissen.
„Ich habe gespeist, Herr Hauptmann!“
„Kerl, was quatschst du da!“ empört sich der Vorgesetzte. „Majestät speist, ich esse und du frisst, verstanden?“
Gute alte Zeit! Oder? Rangordnungen. Diese Geschichte hatte ich unwillkürlich im Kopf, als ich darin ging, die Predigt vorzubereiten.

Wir alle haben das Gleichnis vom barmherzigen Samariter sicher schon des Öfteren gehört. Es ist sehr bekannt, und es ist beliebt. Uneingeschränkte Barmherzigkeit einem Menschen gegenüber, der sich in großer Not befindet. So zumindest die offizielle Deutung. Da ist einer unter die Räuber gefallen und liegt schwer verletzt am Boden. Drei Leute werden auf ihn aufmerksam. Zwei von ihnen rühren keinen Finger und ziehen unverrichteter Dinge weiter. Der dritte jedoch hilft, ohne auf die Gefahren zu achten. denen er sich durch sein Handeln aussetzt.
Immer wenn ich diese Art der Auslegung höre, ärgert es mich gewaltig, denn es trifft nicht den Kern der Sache. Natürlich geht es um die Barmherzigkeit, die hier vorgelebt wird. Doch vordergründig interessieren uns dabei die Personen die Barmherzigkeit üben bzw. nicht üben.
Es geht um Rangordnungen, um die Stellungen, die alle drei Personen im sozialen Leben der damaligen Gesellschaft einnehmen.

Priester genossen ein ausgesprochen hohes Ansehen in der Bevölkerung. Die unangefochtene Autorität im Lande Israel. Ihnen hatte man Ehrerbietung und uneingeschränkten Gehorsam zu erweisen. Niemand hätte es gewagt, einem Priester zu widersprechen oder sich in ungebührlicher Art mit ihm anzulegen.
Ein Berufspriestertum, wie etwa heute in der katholischen Kirche, gab es damals nicht. Die Priester lebten 11 Monate des Jahres ein normales Leben mit Familie und Beruf. Meist handelte es sich dabei um Gelehrte, oder auch wohlhabende Kaufleute oder Landbesitzer. Ihr Priestertum übten sie ehrenamtlich aus, und zwar einen Monat im Jahr. Zwölf große Familienverbände stellten die Priesterschaft, nach dem Vorbild der 12 Stämme Israel. Sie wechselten einander ab, jeweils zum ersten des Monats gab es den Wechsel. Die Priester, die ihren Dienst einen Monat ausübten, gingen nach Hause zu ihren Familien, die andern traten ihren Dienst an.
Vor und während ihrer Zeit des Dienstes galten strenge Reinheitsvorschriften.
Jener Priester, der an dem unglücklichen unter die Räuber Gefallenen vorbeikam, befand sich gerade auf dem Nachhauseweg.

Bei den Leviten handelt es sich um Tempeldiener. Diese verrichteten die profanen Arbeiten im Tempel. Auch für sie gab es jene Rotation, und es galten ähnliche Reinheitsvorschriften wie für die Priester, wenn auch nicht gar so streng.

Der Samariter hingegen war ein Geächteter. Er galt als kultisch unrein und durfte den Tempel nicht einmal betreten.

Wir betrachten das gewaltige Gefälle zwischen Priester und Levit auf der einen, dem Samariter auf der anderen Seite.
Die Samariter waren Ausgestoßene, Ausgegrenzte, an den Rand der Gesellschaft Gedrängte.
Für die frommen Juden waren sie Häretiker, eben unrein und nicht dem Gesetz ergeben.
Sie waren, um es auf den Punkt zu bringen, queer.
Der Verkehr mit ihnen streng verboten.

Jesus scheint hingegen eine besondere Beziehung zu den Samaritern (bzw. Samaritanern, so ihre eigentliche Bezeichnung) gehabt zu haben. Wie ließe es sich sonst erklären, dass er sie so häufig erwähnt. Denn es gibt noch zwei weitere Gleichnisse, in denen er sich ausgesprochen positiv über diese Volksgruppe äußert.
Da wäre einmal das Gleichnis am Jakobsbrunnen (Joh. 4,7-26). Jesus begegnet dort einer samaritanischen Frau und bittet sie um Wasser. Diese kommt seinem Wunsche nach, schöpft es und gibt ihm zu trinken.
Frau und unreine Samaritanerin. Eine doppelte Ausgrenzung. Die Frau ist eine, wie wir es heute auszudrücken pflegen, Mehrfachdiskriminierte. Folglich bricht Jesus bei dieser Gelegenheit gleich zwei von der Obrigkeit verhängte Tabus.
Des Weiteren gibt es noch das Gleichnis des dankbaren Samaritaners (Lk. 17,11-19).
Jesus heilt in dieser Geschichte gleich zehn Aussätzige auf einmal; danach sendet er sie zu den Priestern, damit sie sich von diesen für rein erklären lassen, um in die Gesellschaft zurückkehren zu dürfen. Wir erkennen an diesem Beispiel, welche Macht den Priestern zukam. Herren über Leben und Tod. Ein verstoßener Aussätziger war in jenen Zeiten mehr als tot. Nur einer dieser zehn Geheilten kehrt nach seiner Wiederaufnahme ins soziale und religiöse Leben zu Jesus zurück, um sich bei diesem zu bedanken. Es ist – ein Samaritaner.

Wir müssen, um besser zu verstehen, einen kleinen Exkurs unternehmen:
Wer waren die Samariter oder Samaritaner? Weshalb galten sie als unrein und wurden von den übrigen Juden aus der Gemeinschaft ausgestoßen? Welches Vergehen lastete man ihnen an?
Es handelt sich bei ihnen um die Bewohner Samariens, einer Landschaft im Norden des heutigen Israel.
Im Jahre 722v. Chr. wurde das damalige Nordreich Israel von den Assyrern erobert und die gesamte Oberschicht – vor allem die Gebildeten, der Adel und die Priesterschaft – deportiert. Die einfachen Leute hingegen konnten in der Heimat verbleiben. Die Assyrer siedelten in dem eroberten Gebiet Völker aus dem Osten ihres Großreiches an. Die verbliebenen Bewohner vermischten sich mit den Neuankömmlingen, und es entstand ein breites Völkergemisch in Samarien.
Sie bewahrten eine altertümliche Tradition der jüdischen Religion. Während die deportierten Juden im Ausland eine neue Glaubenslehre entwarfen. Dort entstanden viele neue Schriften, wie etwa der Talmud oder eine ganze Reihe von Prophetenbüchern.
Die Samaritaner erkannten hingegen nur die 5 Bücher Mose an.
Ihre Selbstbezeichnung lautet Schamerim, was so viel wie „Bewahrer“ bedeutet. Sie sahen sich als Bewahrer der eigentlichen jüdischen Tradition.
Auch die Oberschicht des Südreiches Juda wurde ein Jahrhundert später von den Babyloniern in ihr Reich verschleppt.
Nachdem die Perser die Herrschaft über Babylonien und Assyrien erlangt hatten, durften die Exiljuden in verschiedenen Wellen nach Judäa zurückkehren.
Im Jahre 520 v. Chr. begann der Neubau des Tempels. Die Samaritaner boten ihre Hilfe an, doch wurden sie schroff zurückgewiesen. Die Rückkehrer betrachteten sie als unrein, da sie in Kontakt mit anderen Völkern gekommen waren, sich mit ihnen vermischten und sogar deren Götter akzeptierten.
So begann die Spaltung; daraufhin errichteten die Samaritaner in ihrer Heimat einen eigenen Tempel, auf dem Berg Garizim im Norden des Landes.

Etwa um 440 v. Chr. begann eine Glaubensreform in Jerusalem und Judäa, angeführt von den fundamentalistischen Eiferern Esra und Nehemia. Diese wetterten vor allem gegen die Mischehen zwischen Juden und Nichtjuden, was vor allem die Samaritaner betraf. Ferner lehnten sie die von denen eingeführte Gleichstellung von Mann und Frau ab, sowie die Duldung anderer Götter und deren Heiligtümer, vor allem den Kult um die alte Erdgöttin.
Viele Juden litten unter diesen rassistisch und sexistisch motivierten Reformen und schlossen sich den Ausgestoßenen an.

Die Anhänger der Samaritaner erwarteten ebenfalls einen Gesalbten Gottes, so wie die Juden den Messias. Allerdings keinen König, sondern einen Propheten, den so genannten Taheb.

Zurück zum Gleichnis. Es ist einfach wichtig, dass wir die Hintergründe verstehen.
Was Jesus hier tut, ist in den Augen der frommen Eiferer eine unvorstellbare Blasphemie.
Die Samaritaner waren Abschaum, die Untersten der Untersten. Und einen Vertreter dieser Ausgestoßenen und Geächteten stellt Jesus in seinem Gleichnis ins Zentrum und würdigt dessen barmherzige Tat an einem Hilfebedürftigen, während er auf der anderen Seite die Vertreter und Diener der reinen Lehre tadelt.
Mit dieser Aussage zog er sich endgültig den Hass der Jerusalemer Führungselite zu. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der Platz am Kreuz, nun war er ihm sicher.

Warum nimmt er die Priester derart ins Visier? Wusste er, was er tat?
Er hätte doch auch einen anderen Vertreter der Oberschicht auswählen können, um ihn aufs Korn zu nehmen.
Etwa einen reichen Kaufmann, der gerade des Weges kommt. Er hat gute Geschäfte gemacht und die Taschen voller Geld. Da sieht er den Schwerverletzten liegen und bekommt es mit der Angst zu tun. Verständlich! Immerhin konnten die Räuber noch in der Gegend lauern und ihn bereits im Auge haben. Also nur schnell das Weite suchen.
Nein, darum geht es nicht. Der Reichtum spielt hier, im Gegensatz zu vielen anderen Gleichnissen, nicht die entscheidende Rolle.
Hier steht die Stellung in der Gesellschaft im Vordergrund.
Einen Priester und einen Samaritaner zu vergleichen ist so, als würden wir Kardinal Woelki und Hella von Sinnen auf eine Stufe stellen. Um es einmal etwa zugespitzt zu formulieren.

Was will uns dieses Gleichnis sagen?

Erstens: Jeder Mensch ist zur Barmherzigkeit aufgefordert. Wer seinen Nächsten verletzt im Dreck liegen sieht und vorüber geht, taugt nicht für das Reich Gottes. In den Tempel gehen, in die Kirche, in die Moschee, um dort feierlichen Liturgien beizuwohnen, wortgewaltigen Predigten und Gebetszeremonien, aber kein Herz aufbringen für Notleidende? Wer das tut, hat den Sinn jedweder Religion nicht erfasst und sollte dies schleunigst nachholen.
Große Worte machen kann jeder. Allein an den Taten werden wir die wahren Jünger Jesu oder der heiligen Ruah erkennen.
Der Glaube, den Jesus zu vermitteln sucht, ist kein kompliziertes Lehrgebäude, das nur den Gebildeten zugänglich ist. Nein es ist eine Anweisung zum Handeln. Es ist eine Handreichung für alle, die sich auf der Suche nach dem Reich Gottes befinden.

Zweitens: Es kommt nicht darauf an, welcher Herkunft der Helfer / die Helferin ist. Welche Stellung sie/er in der Gesellschaft einnimmt, welchen Beruf sie/er ausübt. „Rasse“, Nationalität, Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Zuordnung sind bedeutungslos. Allein die Handlung ist entscheidend. Wer Nächstenliebe praktiziert, handelt nach den Geboten Gottes. Das ist Gottesdienst in vollem Sinne. Alles andere hat sich dem nachzuordnen. Priester und Levit verweigern sich dem, also haben sie sich selber ausgeschlossen vom Reich Gottes. Der Samariter kommt der Aufforderung nach, also ist er gerechtfertigt vor Gott. Das alleine zählt.

Drittens: Vor der Gottheit gibt es keine Privilegien. Alle sind gleich. Niemand ist ihr näher, nur weil er ein bestimmtes Amt inne hat oder über mehr Einfluss in der Gesellschaft verfügt.
Das Reich Gottes kennt keine Standesunterschiede.
All die Posten und Pöstchen, Ehrentitel und akademischen Grade, am Ende sind sie nutzlos. Wertloser Tand, von Mäusen und Ratten gefressen. Wir können sie nicht mitnehmen nach unserem Tode. Am Ende stehen wir alle im Hemd. Der Herr Kardinal ebenso wie der Jesus-Freak mit Punkerfrisur und zerfetzten Hosenbeinen. Der Theologieprofessor, der voller Hochmut seine zahlreichen Doktortitel vor sich herträgt, ebenso wie die Putzfrau, die sich ihr schmales Hartz-IV durch Schwarzarbeit aufbessert, ständig in Angst, dabei entdeckt zu werden.
Sie alle sind Kinder der einen Gottheit, Töchter und Söhne der heiligen Ruah und Brüder und Schwestern Jesu. Wann kommt die Zeit, da sie es begreifen?

Viertens: Glaubensüberzeugungen kommen und gehen, sie wandeln sich, verblassen oder reifen. Rituale und Dogmen mögen in einer bestimmten Zeitepoche ihre Berechtigung haben und einen wertvollen Dienst leisten, in einer veränderten Situation aber dem Glauben mehr behindern statt ihm zu dienen, indem sie den Blick auf das Wesentliche verdecken.

Fünftes: Die Art, wie Jesus auf die Ausgeschlossenen zugeht, ist revolutionär. Er würdigt eindeutig die Samaritaner als Träger der Wahrheit. Jesus ergreift für die Ketzer, die Häretiker, die vom wahren Glauben Abgefallenen Partei. Er verkehrt mit ihnen wie mit seinesgleichen.
Er schätzt den aufrechten Gang, den sie üben.
Sie lassen sich nicht unterkriegen, fallen nicht auf die Knie vor dem Hohepriester und betteln wie die Hunde um Einlass: „Nimm uns doch wieder auf, Hochwürdigster, wir sind auch ganz brav, streuen uns Asche aufs Haupt für unsere Freveltaten, verstoßen unsere nichtjüdischen Ehepartner, oder jene, die gleichen Geschlechtes sind. Wir verbannen die Frauen aus dem öffentlichen Leben und degradieren sie zu Menschen zweiter Klasse. Wir werden intolerant und dulden die Verehrung anderer Götterbilder nicht mehr länger.“
Nein! Wir sagen nein! Wir nehmen unser Leben selbst in die Hand! Wir machen unser eigenes Ding!
Wenn euch dass nicht passt, dann lasst es bleiben. Wir brauchen euren Tempel nicht, wir errichten einen eigenen. Lebt ihr nach euren Regeln, wir tun es nach den unseren. Wir sind offen für alle. Ihr könnt euch uns gerne anschließen, wir weisen niemanden vor die Tür. Entscheidet selbst, welche Einstellung dem göttlichen Heilplan am nahesten kommt.

1968 geschah in den USA etwas Ähnliches. Aufrechte Männer, Frauen und Non-Binary-Wesen wagten die Gründung einer eigenen Kirche. Einer Kirche, die niemandem die Türe weist. Einer Kirche, die alle Lebens- und Liebesweisen auf die gleiche Weise würdigt und einlädt, sich zu beteiligen. Auftreten statt austreten. Hier macht es tatsächlich Sinn.
Somit steht die MCC in der Tradition der Samaritaner und infolgedessen all jener, die im Laufe der Jahrhunderte eigene Wege gegangen sind. All die so genannten Ketzerbewegungen, die mit den vorgesetzten Dogmen, Doktrinen, den hohlen, sinnentleerten Ritualen nichts mehr anzufangen wussten. Beseelt von der heiligen Ruah entwickelten sie Phantasie und Kreativität, um sich auf den Weg zu machen. Einen gefahrvollen Weg, reichlich mit spitzen Dornen garniert. Sie alle hatten und haben in Jesus einen Verbündeten. So wie er damals die Samaritaner aus der Schmuddelecke holte, so tut er es heute mit uns.
So tut er es mit allen, die aufgrund ihres Denkens, ihrer Überzeugung oder ihrer Lebensweise aus den Reihen der Etablierten ausgegrenzt werden.
Nur die verfolgte Kirche ist die wahre Kirche Christi.

Rangordnungen, die als Gott gegeben betrachtet werden. Majestät pflegen zu speisen, der Hauptmann darf essen, Soldat Huber aber ist dazu verdammt zu fressen, immer und immer wieder, sein ganzes Leben hindurch, so will es die göttliche Ordnung. „Gute alte Zeit!“ War sie tatsächlich so gut? Möchten wir sie wieder haben? Nicht wenige wünschen sich in diesen Tagen solch eine paternalistische Ordnung zurück, und es werden immer mehr. Wir leben in einer rückwärtsgewandten Zeit. Rechte, reaktionäre und fundamentalistische Kreise bieten einfache Lösungen an. Sie sehnen sich nach einer vermeintlich guten alten Zeit, als alles seine Ordnung hatte. Längst überholt geglaubte Klischees und Rollenzuweisungen tauchen wieder auf und bieten sich als Problemlöser an. Dafür würden manche sogar eine politische Diktatur in Kauf nehmen, ganz gleich welcher ideologischen Ausrichtung.
Institutionen, eingespielte Regeln, nach denen es zu leben gilt. Sie geben dem Leben der Menschen einerseits Sicherheit und Halt, auf der anderen Seite aber führen sie zu Unfreiheit, Abhängigkeit, Fremdbestimmung bis in die intimsten Bereiche hinein. Sie versklaven die Menschen und machen sie zu seelenlosen Robotern.

Das hatte Jesus im Blick; er erkannte die Zeichen der Zeit. Ein radikales Umdenken dringend erforderlich. Die kultischen Regeln der Tempelzeremonie bestimmten das Leben von Priester und Levit derart, dass sie zu normalen menschlichen Regungen gar nicht mehr in der Lage waren. Zu sehr spukte das Bild des gestrengen, stets auf Bestrafung ausgerichteten Gottes in ihrem Denken.
Der Samariter hingegen ist eh ausgestoßen und hat im Prinzip nichts mehr zu verlieren.

Ausgestoßen zu werden aus der Familie, aus der Gesellschaft, aus der Religionsgemeinschaft, dem Staat oder der Nation ist sehr schlimm und lässt die Betroffenen einsam und von allem abgehängt zurück, all den Unbilden des Lebens schutzlos ausgeliefert. Doch es macht frei. Auf uns selbst geworfen ,haben wir die Wahl entweder zu resignieren oder den Versuch zu starten uns neu zu orientieren. Eine Garantie gibt es nicht. Doch was geben wir auf, wenn wir ohnehin schon alles hinter uns haben?

Die Samaritaner gibt es übrigens noch heute, mit etwa 800 Mitgliedern sind sie die kleinste Religionsgemeinschaft der Welt. Sie leben in zwei Dörfern in der Nähe von Nablus im Westjordanland. Bis heute haben sie überlebt und ihre Traditionen bewahrt. Die Rituale, die sie praktizieren, sind die gleichen wie zur Zeit Jesu. Auch das ist möglich. Gelingt es uns, Rituale immer wieder mit Leben und Sinn zu füllen, haben sie durchaus ihre Berechtigung.
Doch auch diese kleine Gemeinschaft ist gespalten, etwa die Hälfte unterstützt Israel, die andere die Palästinenser. Spielball der Politik. So war es früher, so ist es bis heute geblieben.

AMEN

 

 

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