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Eine Bibelstelle zum Desinfizieren, nicht zum Zu-sich-nehmen: Gedanken zum Jakobusbrief 1,5-8

Impuls MCC Köln, Jair
11. Mai 2025

Jakobusbrief 1,5-8

Dieser Brief fängt so doof an:

5 Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht[4], und sie wird ihm gegeben werden.
6 Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird.
7 Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird,
8 ⟨ist er doch⟩ ein wankelmütiger[5] Mann, unbeständig in allen seinen Wegen.

Jakobusbrief 1,5-8 (Elberfelder)

Dieser Anfang spricht eine Wahrheit aus (Bitte Gott, und es wird dir gegeben) und ist doch gleichzeitig eine selbsterfüllende Prophezeiung, die mutlos machen lässt (wehe, du glaubst nicht) wie die berüchtigten Verwandten und Freunde, die mit ihren Ratschlägen zur Seite stehen:

„Diese Krankheit geht von alleine weg, du musst nur richtig glauben!“

Noch schlimmer ist

„Diese Neigung und Orientierung geht nicht weg, du glaubst ja gar nicht richtig“

Denen sei an den Kopf geworfen, dass Jesus, als vier Freunde einen fünften Gelähmten zu ihm brachten, den Glauben der Freunde ansah und der Gelähmte überhaupt nichts zu sagen hatte in der ganzen Geschichte. So verkommt ein Ratschlag eben auch zu einem Schlag ins Gesicht. Auf einmal muss dieser Mensch wortwörtlich auf eigenen Beinen stehen und damit zurechtkommen. Wie fand er das? Es ist nicht erwähnt.

Beim weiteren lesen des Jakobusbriefs wurde mir deutlich, dass er ein unerfüllbares Ideal beschreibt,

weg von der Sünde, weg von den Begierden, hin zu Gott, zu einem heiligen unbefleckten Gottesdienst. Nicht durch Worte allein, sondern durch eine integre Lebensweise. Nur, wenn ich mein eigenes Leben und meine Wünsche dafürhalte, wird es unerreichbar, wie die regelmäßig angestrebte Diät, in meinem Fall einfach die „gesunde Ernährung“ um ausreichend und ausgewogen zu essen.

Mir kam die Geschichte in den Sinn, in der Jesus einem Kind den Dämonen austreibt, und fragt, ob der Vater denn genug Glauben hätte. Ein weiterer Hinweis dass unser Umfeld in Krankheit und vermeintlicher Schuld das Unvertrauen bei der falschen Person sucht, denn der Vater ruft:

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24)

Als ich so über die Lehre aus dem Text nachdachte, und meinen Blick schweifen liess über die Berge der Wörter und Abschnitte, kam mir die Hilfe vom Lesezeichen, eine gezogene Losung von vor zwei Jahren.

„Sei getrost und unverzagt, und warte voll Hoffnung auf den Herrn“ Psalm 27,14

Ohne wenn und aber, ohne ein Mahnendes Wort, einfach eine klare Anweisung: Das tu.

Jetzt spielt hier meine Lebenserfahrung mit rein, denn ich habe gelernt, einen Vers im Kontext zu lesen und nicht allein für sich zu nehmen und diese Weisheit kam mir wohl von oben: „Häng dich nicht an einem Vers auf, lies im Kontext“.

Ich habe über diesen Text viel während der Arbeit nachgedacht, zu allen Schichten, in der Früh, spätabends, weit nach Mitternacht. Doch erst an meinem ersten Urlaubstag kam es mir, als ich mitten im Park saß und beim Verzehr von Donuts und Kuchen plötzlich etwas schmerzlich von der Arbeit vermisste: Desinfektionsmittel. Das gute an diesem allerersten irgendwie organisierten gemeinsamen Picknick von Cosplayern für Cosplayer: Irgendjemand hatte das nötige dabei. Kuchengabeln, Pappteller, Servietten, Sonnencreme und auch Desinfektionsmittel. So kam man mit vielen anderen schüchternen Menschen ins Gespräch und lernte neue Leute kennen.

Der Jakobusbrief beschreibt ein Ideal, das unerreichbar ist, und das selbst bei Befolgung nur so viel Reinigung bringt, wie eben ein Desinfektionsmittel: 99%.

Und dafür ist es da. Damit wir unser Leben leben können und es nicht allzu kurz wird, gibt es Seife und Desinfektionsmittel. Aber das ist nicht zum Essen und Trinken gedacht, sondern um unbesorgt Essen und Trinken verzehren zu können.

Und damit wir uns nicht in uns selbst verlieren, gibt es den Jakobusbrief.

Nicht zum trinken, sondern zum desinfizieren.

das ist Jair relevant

 

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