Impuls MCC Köln, 25. Mai 2025
Ines-Paul Baumann
Lukasevangelium 11,5-13
Ja, diese Verse zerschellen an der Realität. Viel zu oft erfahren Bittende, dass ihnen NICHT gegeben wird. Klopfende, dass ihnen NICHT geöffnet wird.
Manch Glaubensreise ist an diesen Versen gescheitert.
Aber die Erfahrung ist nicht nur Gott gegenüber manchmal eine andere. Insbesondere manchen Verfechter*innen des „christlichen Abendlandes“ möchte mensch zurufen: GEBT, wenn Bittende sich an uns wenden! ÖFFNET, wenn Hilfesuchende anklopfen! Wie passt eure Asyl- und Menschenrechtspolitik zum Evangelium Jesu??
Um so spannender finde ich, wie das Lukasevangelium diese Verse einbettet. Im Matthäusevangelium finden sich diese Verse nämlich auch. Dort heißt es, Gott wird insgesamt „Gutes geben denen, die ihn bitten“ (Mt 7,11). Bei Lukas hingegen wird Gott ‚nur noch‘ „den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten“ (Lk 11,13).
Sonst ist es oft umgekehrt: Wo in anderen Evangelien (nur) das geistlich-Immatierelle benannt wird, benennt das Lukasevangelium (umfassend) sozial-Materielles. Hier aber verengt Lukas das insgesamt „Gute“ bei Matthäus spezifiziert auf den Heiligen Geist.
Umgekehrt findet sich bei Matthäus nicht die Vorgeschichte von dem Freund, der eines unerwarteten Gastes wegen um Brote bittet (Lk 11,5-8).
Beides (die Spezifizierung und die Vorgeschichte) haben Konsequenzen:
- Wenn Gott alle, die darum bitten, Anteil am Heiligen Geist gibt: Dann gibt es nicht mehr auf der einen Seite diejenigen, die eingeschlossen sind, und auf der anderen Seite diejenigen, die ausgeschlossen sind. Dann geht es nicht mehr um die Frage, wer Anteil haben darf und wer nicht: Wer glaubt „gut genug, wer betet „gut genug“, wer lebt „gut genug“? Der Fokus rückt weg vom „Verdienst“. Stattdessen könnte die Frage dann lauten: Welchen Unterschied macht es dann, im Anteil am Geist Gottes zu leben? Was ändert sich dadurch? Woran zeigt sich das?
- Hier kommt die Vorgeschichte des überrumpelten, unvorbereiteten und um Unterstützung bittenden Freundes ins Spiel: Vielleicht ist dieser Umgang des Gebens und Nehmens beispielhaft dafür, wo Gottes Wille erfahrbar wird. Wo sich Heiliger Geist ereignet. Nämlich im Miteinander von Bedarfen, Ressourcen und Gegenwärtigem.
Hier würde sich dann an einem konkreten Beispiel zeigen, worin sich Heiliger Geist zeigt.
Inhaltlich: Der Brauchende, der Bittende und der Gebende sind auf Augenhöhe. Ihr Umgang miteinander (und somit auch das Geben) ist nicht geprägt von Gnade, sondern von Güte. Gnade beinhaltet ein Machtgefälle; Gnade kommt von oben herab. Güte aber ist eine Haltung, eine Lebensweise, ein Miteinander.
Übertragen: Gott „ist“ nicht eine der drei Figuren in der Vorgeschichte. Gott „ist“ die Vernetzung, das Miteinander, das einander zumuten, einander aushalten und einander unterstützen.
Mit diesen Vorgedanken sind mir drei Impulsfragen in den Sinn gekommen. Vielleicht zeigen sich bei dir ganz andere Aspekte; denn gehe gerne dem nach, was stattdessen in dir auftaucht. Wichtig finde ich in allen Fällen nicht nur die inhaltliche Ebene, sondern auch die emotionale: Was löst das aus bei mir?
- Kann ich mich anderen gegenüber zeigen mit dem, was ich brauche, um meinen Mitmenschen gerecht werden zu können? Mit dem, was mir fehlt, um gemeinsame Bedarfe adressieren zu können? Oder meine ich, alles alleine lösen zu müssen?
- (Die Vorgeschichte ereignet sich um Mitternacht – kein besonders passender Zeitpunkt, um woanders an die Tür zu klopfen.) Gibt es aus meiner Sicht unpassende Zeitpunkte, mich an Gott zu wenden?
- Passen schädliche, potentiell vergiftende „Gaben“ als Antworten auf Gebete in mein Gottesbild? Dass ich um etwas bitte, was ich brauche oder mir wünsche, und es halt „annehmen“ muss, wenn die Antwort fies ist? In seinem Fazit beschreibt der Jesus des Lukas, dass Schlangen und Skorpione keine angemessenen Antworten sind, wenn um Fisch oder Eier gebeten wird (schon unter Menschen nicht, geschweige denn im Gottesbild)!
Literatur:
Jürgen Ebach: „Der un-verschämte Freund“, in: „Gott ist anders. Gleichnisse neu gelesen“, hrsg. Marlene Crüsemann, Claudia Janssen, Ulrike Metternich (S. 135-146), Gütersloh 2014
