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Bei der Übersetzungsarbeit des Heiligen Geistes geht es um mehr als einen frühen Google Translator.

24. Mai 2026
Ines-Paul Baumann

Apostelgeschichte 2,1-18 (Pfingsten)

Das erste Wirken des Heiligen Geistes bestand im Einreißen von Bedingungen, die Menschen davon abhielten, sich von diesem Glauben und von diesem G*tt angesprochen fühlen zu können. Anstatt dass Menschen sich verändern und „so werden mussten“ wie die bereits Glaubenden, wurden die bereits Glaubenden verändert. Die bisher Augeschlossenen sollten nicht einfach beim Bestehenden „mitmachen dürfen“, sondern das Bestehende sollte sich wandeln. Das bezieht sich auf ALLES, was zu Ausschlüssen führt in der Erfahrung, sich angesprochen fühlen zu können.

Als diese Zeilen im ersten Jahrhundert nach Christus geschrieben wurden, war Jerusalem samt Tempel zerstört. Die bisher übliche Ausübung der Religion an einem zentralen Ort war nicht mehr möglich. Wo sollte Religion nun also stattdessen „passieren“? Die Erwähnung der vielen Kulturen unter den Zuhörenden in diesem Pfingsttext kann sicherlich als Vorgriff auf die einsetzende auch geografische Ausbreitung des Christentums verstanden werden. Es ging von Anfang an um mehr als um eine rein sprachliche Übersetzung.

In diesem Text geht es darum, Menschen so anzusprechen, wie sie es brauchen. Das zeigt sich insbesondere im Vergleich mit den Ausführungen zum Sprachengebet in 1. Kor. 14,6-19: Dort ist das Ausgesprochene jenseits aller Sprachen, die ein DeepL kennen könnte. Im Pfingsttext aber SIND die ausgesprochenen Sätze Teil von echten, gesprochenen Sprachen. Das Gesprochene wird ohne Umwege verstanden.

„Die Strategie des Heiligen Geistes bestand darin, jeder Person zu ermöglichen, die frohe Botschaft in ihrer eigenen Sprache zu hören – oder, genauer gesagt, so, wie sie es hören musste. (…) Gottes Botschaft der Inklusion und Ganzheit wird auf vielfältige Weise durch vielfältige Botschafter*innen verkündet werden; es ist die eine Wahrheit, die je nach den individuellen Bedürfnissen der Zuhörenden auf viele verschiedene Arten vermittelt werden kann.“ (Thomas Bohache in: „The Queer Bible Commentary“ S. 566ff)

Allerdings: Am Anfang waren es noch NICHT „vielfältige Botschafter*innen“. Hier beim Pfingstfest waren es nur Menschen aus Galiläa!

Multikulturell war beim Pfingstfest nicht die Menge der Botschafter*innen, sondern diejenigen, die „draußen“ standen – im wahrsten Sinne des Wortes, aber eben auch in übertragenem Sinne.

Deutlich wird das in dem Text dadurch, wie Petrus die Situation zu erklären versucht. In dem Text, den er zitiert, geht es genau um Menschen, die damals „darußen standen“, die ausgeschlossen waren, deren Stimme eben NICHT galt.

Petrus deutet es also so: Aus der sprachlich-kulturell einheitlichen Verkündigungsgruppe (nur Menschen aus Galiläa) macht der Heilige Geist eine vielfältige Gruppe. Ab nun sollen alle Personen eine Stimme haben – einschließlich jener Personen, die aus sprachlichen oder strukturell-gesellschaftlichen Gründen ausgschlossen waren.

„Dieses Phänomen der Spontanübersetzung beschreibt das neutestamentliche Ereignis der Ermächtigung durch den heiligen Geist (…) Viele von uns ‚Töchtern‘ und Söhnen, ‚alten Männern‘ und Frauen, die aufgrund eines Sexismus oder Ageismus, Klassismus, Rassismus oder Nationalismus nicht gehört und gesehen worden wären – kommen unter seinen Einfluss.“ (Catherne Keller in: „Über das Geheimnis – Gott erkennen im Werden der Welt“ S. 233f)

Nochmal in aller Deutlichkeit: Bevor der Heilige Geist irgendwas anderes vollzog, war als Grundlage dafür das Pfingstereignis dran! Voraussetzung für ALLES Folgende war, Menschen in der Vielfalt ihrer Lebenssituationen anzusprechen!

Von der Apostelgeschichte her gesehen steht also am Anfang jedes geistlich-kirchlichen Prozesses:
G*tt spricht dich so an, wie du es brauchst.

Wenn wir dann zusammenkommen, ist es genau die Vielfalt, mit der Gottes Liebe zum Ausdruck gebracht wird – auch wenn wir selber vielleicht manchmal gar nicht wissen, was wir gerade sagen und zum Ausdruck bringen. Pfingsten zeigt ja auch: Wir müssen nicht immer selber alles verstehen. Vielleicht verstehen wir uns manchmal selber nicht. Aber was ANKOMMT, bewirkt der Heilige Geist bis heute selbst. Und da muss eben NICHT immer ALLES für ALLE sein.

Das erste Beispiel haben die vier Evangelien gegeben. Schon hier ist zu sehen: Es geht immer um die eine Botschaft, aber sie wird angepasst an unterschiedliche Kontexte. Die Texte sind eben NICHT so gedacht, dass ALLES für ALLE gilt. Was ankommt? Siehe Heiliger Geist… :)
Bis heute ist das ein lebendiger Prozess: G*tt möchte Menschen ansprechen (gerade auch GEGEN Sexismus, Ageismus, Klassismus, Rassismus, Nationalismus, …).
Vielleicht ist es heute an der Zeit, dass G*tt sich auch ausdrücken möchte auf party-isch (s. Tim-Lahr-Kirche), auf queer-isch, auf BDSM-isch, auf depressiv-isch, auf neopronom-isch, auf aromantisch-isch, …

Ich würde sagen: Jede Person, die sich so zeigt, wie sie ist, und sich damit als von Gott gemeint versteht, IST Teil des „Übersetzungsprozesses“, den Pfingsten ausmacht.

 

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