7. Juni 2026
Jair
Für diese Predigt hatte ich im Vorfeld in die Runde gefragt, mir einmal zu sagen, worüber ich eine Andacht halten sollte. Einfach um einen Impuls aus einer anderen Richtung zu bekommen. Ein Stichwort war Alkohol. Dazu habe ich als Heilssoldat einen klaren Bezug.
Wenn man bei der Heilsarmee nicht nur Gemeindemitglied, sondern auch Soldat/in werden möchte, soll man sich unter anderem von Alkohol lossagen. Die biblische Grundlage dieser historisch gewachsenen Bedingung ist der erste Korintherbrief Kapitel 8, Vers 1 bis 13, wo Paulus schreibt, ob man nun Opferfleisch von fremden Göttern nun essen darf oder nicht.
In der Heilsarmee geht es dabei um den Umgang mit suchtkranken Personen.
Laut aktuellem Jahrbuch Sucht 2025 sterben pro Jahr fast 50.000 Menschen in Deutschland durch Alkoholkonsum. Zahlen des Robert Koch-Institut (RKI)[1] belegen außerdem, dass nahezu jede dritte erwachsene Person in Deutschland Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen konsumiert.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Anfang 2023 mitgeteilt: „Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge“. Heißt konkret: Schon kleinste Mengen Alkohol sind gesundheitsgefährdend. Bei Alkohol handelt es sich laut WHO um eine toxische, psychoaktive und süchtig machende Substanz.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt jedoch seit Oktober 2024 laut ihrem aktuellsten Positionspapier zu Alkohol, auf alkoholische Getränke zu verzichten und schließt sich damit der WHO an.
• Als risikoarm gilt eine Alkoholmenge pro Woche unter 27 Gramm Alkohol, zum Beispiel ein bis zwei kleine Gläser Wein (Alkoholgehalt von 12 % vol) oder ein bis zwei kleine Flaschen Bier (Alkoholgehalt 5 % vol).
Quelle: Apotheken Umschau. Wohlgemerkt: Es geht nicht um das eigene körperliche Empfinden, wie viel Alkohol man verträgt, bevor das Umfeld schwierig wird.
Und was sagt die Bibel dazu?
In vielen Stellen kommt vor allem Wein in Verbindung mit Maßlosigkeit vor, es wird ausdrücklich davor gewarnt, Wein zu konsumieren.
Hosea schreibt über sein verkommenes Volk: 4,11 „NeÜ“ „Geilheit und junger Wein rauben den Verstand.“
Und auch die Mutter von Lemuel, einem König von Massa, hat eine deutliche Meinung:
4 Nicht für Könige ⟨ist es angemessen⟩, Lemuël, nicht für Könige, Wein zu trinken, noch für Fürsten ⟨zu fragen⟩: Wo ist Rauschtrank?
5 Sonst trinkt einer und vergisst, was vorgeschrieben ist, und verändert den Rechtsanspruch aller Elenden[5]. –
6 Gebt Rauschtrank dem Mutlosen und Wein den Verbitterten[6]!
7 Ein solcher mag trinken und seine Armut vergessen und an seine Mühsal nicht mehr denken.
8 Öffne deinen Mund für den Stummen, für den Rechtsanspruch aller Schwachen[7]!
9 Öffne deinen Mund, richte gerecht und schaffe Recht dem Elenden und Armen!
Weise Menschen raten:
Spr 21,17
Dem Mangel verfällt, wer Festfreude liebt; wer Wein und Öl liebt, wird nicht reich.
Für bestimmte Rituale im Tempel sollen die Priester nüchtern sein.
Wein wird benutzt, um die eigenen Ziele zu erreichen und sich selbst zu entschuldigen:
Die Töchter Lots sollen ihn mit Alkohol abgefüllt haben, um ihre Zukunft zu sichern, nachdem Lot mit ihnen aus Angst vor weiterem Verlust erst aus Sodom und dann aus Zoar flieht und abgeschieden im Gebirge lebt.
Es dürfte jedoch eher anders herum gewesen sein: Nachdem Sodom und Gomorra zerstört worden waren, und Lots Frau zur Salzsäule erstarrt war, verging sich Lot an seinen Töchtern, wie vorher auch schon. Dafür spricht, dass Lot seine Töchter, obwohl unberührt, den Bewohnern von Sodom anbietet. Welcher Vater würde das tun, wenn das unberührte doch so heilig ist? Dafür spricht auch, dass Lot nach der Katastrophe mit seinen Töchtern aus Zoar weiterzieht in die Berge, denn er fürchtete sich. Vor was genau fürchtet sich ein Mann, der von Gott gerettet wurde? Die Töchter jedoch wissen ganz sicher, warum sie keinen Mann mehr erhoffen können zu dieser Zeit.
Lots Töchter bekommen von ihm Kinder, so sollen die Ammoniter und Moabiter entstanden sein. Wärend Lot aufgrund von zu viel Wein „entschuldigt“ wird, werden sie zu Stammesmüttern zweier Feinde Israels gebrandmarkt.
Aber – wer so besoffen ist, dass er nichts mehr merkt, der kann auch keine Kinder zeugen.
Alkohol dient hier als Mittel zum Zweck der Verschleierung und Schuldumkehr.
Bei allem Missbrauch, Wein, also Alkohol, hat seinen Platz im Leben.
Prediger 10,19
Um zu lachen, bereitet man ein Mahl, und Wein erheitert das Leben, und das Geld gewährt[20] das alles.
Psalm 104,14-15
14 Der Gras hervorsprossen lässt für das Vieh und Pflanzen zum Dienst des Menschen, damit er Brot hervorbringe aus der Erde
15 und Wein, der des Menschen Herz erfreut; damit er das Angesicht glänzend mache vom Öl und Brot des Menschen Herz stärke.
Überkonfessionell bekannt ist das Wunder Jesu auf der Hochzeit zu Kanaa: Wo aus Wasser Wein wurde. Wer will da nicht sein Freund sein?
Als jemand, der keinen Alkohol mehr trinkt, möchte ich sagen, Alkohol dient der Geselligkeit, an einem schönen Abend, mit Menschen, die man gern hat, eine gute Zeit zu verbringen.
Ich habe dazu ein schönes Erlebnis, relativ spät zu einer Zeit, in der ich schon abstinent gelebt habe, mit selbstgebrannten Bauernschnäpsen auf einem runden Geburtstag.
Die Bedingung, keinen Alkohol zu trinken, hat die Heilsarmee mit Paulus 1. Korintherbrief begründet, wo dieser über die Frage, geopfertes Fleisch eines anderen Gottes zu nehmen, sinnierte:
1Kor 6,12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.
Und so hat sich jeder selbst die Frage zu beantworten, mit wem trinke ich Alkohol, wo trinke ich und warum?
Wir können es natürlich auch so halten wie der Mann, der seinen Arzt fragte, ob er hundert Jahre alt werden könne.
Der Arzt zückte einen Stift und begann, eine Reihe Fragen zu stellen, die der Mann wahrheitsgemäß beantwortete:
Trinken Sie? – Nein.
Rauchen Sie? Nein.
Nehmen sie andere Drogen, nicht benötigte Medikamente? – Nein.
Wie sieht es mit ihrem Lebensstil aus? Lieben sie schnelle Autos?
Frauen? Männer? – Nein, Nein, Nein.
Der Arzt steckte den Stift wieder weg und fragte:
Guter Mann, warum wollen sie Hundert werden?
Anlässlich des Pride-Month möchte ich aber mit einem biblischen Zitat der schönsten Droge abschließen:
Es steht im Hohenlied:
GN Hl 1,2
„Komm doch und küss mich! Deine Liebe berauscht mich mehr noch als Wein.“
