[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Abendmahl ist kein Schlusspunkt, es ist Doppelpunkt: Ab hier geht’s los.

Andacht MCC Köln
Daniel Großer

1. Mose 18,1-14: Gott zu Gast bei Abraham

Es gibt nicht viele Dinge, die ein Baby kann. Genau gesagt kann es 5 Dinge: Es kann seine Väter und Mütter in seinen Bann ziehen, seine Windeln füllen, schlafen, schreien und essen. Und essen muss ein Baby besonders zu Beginn ständig, damit es wachsen und sich entwickeln kann. Hungrigen Menschen sagt man nach, sie seien unerträglich. Man esse morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und Abends wie ein Bettler. Du bist, was du isst. Ein leerer Bauch studiert nicht gern. Wenn ein Mensch nichts oder zu wenig ist, fühlt er sich schlaff, gereizt, antriebslos. Er oder sie ist zu nichts zu gebrauchen. Jeder Mensch benötigt Nahrung.
Wenn ein Baby älter wird, entdeckt es, dass es beim Essen nicht nur um Nahrungsaufnahme geht. Wenn eine Familie isst, kommen alle herbei und verbringen Zeit miteinander. Freunde und Freundinnen lädt man gerne zum Essen ein. Sogar Liebe geht bei manchen Menschen durch den Magen. In Gesellschaft schmeckt alles scheinbar doppelt so gut. Essen, das ist nicht nur etwas für den Bauch, oft ist das auch etwas für’s Herz. Wenn dich jemand zum Essen einlädt, dann signalisiert er oder sie dir damit, dass du sein oder ihr Freund bist. “Ich mag dich!” Beziehungen zu pflegen, das hat zu allen Zeiten in allen Kulturen einen Zusammenhang zum Essen gehabt.

Eine ganz besondere Beziehung zum Essen begegnet uns im Alten Testament:

[Lesung aus 1. Mose 18, 1-14; EÜ]

Abraham bekommt bereits vor dieser Erzählung von Gott die Verheißung, zum Stammvater eines großen Volkes zu werden. Zahllos wie die Sterne, so heißt es, sollen seine Nachkommen sein. Aber Abraham und seine Frau Sara sind beide schon recht alt und kinderlos, keine guten Aussichten. Lange Zeit geschieht nichts. Warum erfüllt sich Gottes Verheißung nicht? Wie soll ein großes Volk entstehen, wenn noch nicht einmal ein einziges Kind geboren wird? In diese Situation hinein spielt die Erzählung, die wir gehört haben. In der Mittagshitze trifft der Nomade Abraham unmittelbar vor seinem Zelt auf drei Männer. Der Erzähler der Geschichte berichtet uns, dass Abraham diese drei Männer als “den Herrn” erkennt. Zum Beginn des Gottesdienstes haben wir beim Entzünden der Kerzen den dreieinigen Gott bekannt: Gott, den Vater, der uns wie eine Mutter ist, Jesus Christus, der uns Freund und Bruder geworden ist, und die Ruach, der Heilige Geist, die uns begleitet und leitet. Direkt vor seinem Zelt hält der betagte Abraham seine Mittagspause, da begegnet ihm der dreieinige Gott. Der Gott, der ihm viel verspricht, aber wenig zu halten scheint. Aber Abraham ist hellwach, erkennt Gott, läuft auf ihn zu… und dann passiert etwas sonderbares: Abraham lädt Gott zum Essen ein, er nötigt Gott geradezu. Es ist Sitte in dieser Gesellschaft, Fremden gegenüber üppig Gastfreundschaft zu üben, und Abraham nimmt auch Gott nicht davon aus, der ihm viel versprochen hat, aber der ihn warten und zappeln lässt.
Die drei Männer halten Rast, Abraham bewirtet sie fürstlich und nutzt jede nur erdenkliche Chance, seiner Gastfreundschaft Ausdruck zu verleihen.
Nachdem das Mahl beendet ist, kommen sie wieder ins Gespräch. Hat Gott bis dahin nur wage Versprechungen über die Zukunft Abrahams gemacht, so macht er nun eine konkrete Zusage. Gerade so, als hätte die Speise Gott gnädig gestimmt, verspricht Gott Abraham einen konkreten Zeitpunkt für die Geburt des langersehnten Sohnes. Endlich kommt die Verheißung ins Rollen, die Gott längst über Abraham ausgesprochen hat. Abraham, ein alter Mann, der weiß, dass er eines Tages sterben wird. Nun hält seine Zukunft nicht mehr nur den Tod bereit, sondern in der Zuversicht auf die nahende Geburt liegt erstmals Lebenshoffnung.

Dies ist der Beginn einer langen Geschichte. Es ist die Geburtsstunde des Volkes Israel, der Anfang eines langen Weges voll von Liebe und Schmerz, vom Ringen Gottes um seine Menschen. Es ist der erste Schritt in eine Richtung, an deren Horizont Jesus Christus steht. Dass wir heute hier sitzen und miteinander diesen Gottesdienst feiern, dass wir die Gnade Gottes predigen, das alles beginnt mit Abraham und dieser einen Mahlzeit, von der wir hören.

Wenn wir nachher miteinander das Abendmahl feiern, dann können wir auch an Gottes Mahl bei Abraham gedenken. Denn es macht uns etwas deutlich: Das Abendmahl ist keineswegs der Punkt am Ende eines Satzes, den Gott zu uns spricht. Für Abraham war das Mahl des Herrn gerade erst der Beginn des wunderbaren Wirkens Gottes. Erst durch dieses Mahl und das damit verbundene Versprechen wurden Abraham und seine Frau Sara befähigt, ein Kind zu zeugen. Das Mahl ist nicht das Ende, es ist der Anfang. Abendmahl ist kein Schlusspunkt, es ist Doppelpunkt: Ab hier geht’s los! Es ist der Ausgangspunkt eines Weges, den Gott mit uns gehen will, und zu dem sie uns befähigt!

Nun glaube ich nicht, dass jeder oder jede von uns Kinder kriegen muss oder Begründer eines großen Volkes werden soll. Darum geht es nicht. (Obwohl ich es jedem von euch gönnen würde!) Gott hat uns, seine Söhne, Töchter, und alles, was es darüber hinaus gibt, dazu geschaffen, dass sie sich an uns freue! Wir sind geschaffen, um ein Lob, ein Dankeschön an Gott zu sein!

Das ist es, wozu uns das Abendmahl befähigt. Das Abendmahl befähigt uns dazu, ein Lob Gottes zu sein. Du brauchst nicht perfekt sein, du musst nicht alles unter Kontrolle haben, dir muss nicht alles von der Hand gehen, du brauchst keinem Ideal zu genügen, du musst dich nicht besonders rein oder heilig fügen. Das alles spielt keine Rolle!

Im Abendmahl versöhnt Gott uns mit sich selbst und miteinander, über Schuld, Sorgen und Grenzen hinweg. Wenn wir das Abendmahl miteinander feiern, dann lassen wir dieses Wunder aufleben. Nichts kann Gott mehr loben und preisen als dieses Wunder der Versöhnung, das wir feiern.

Wenn es in dir an manchen Stellen stockfinster ist, wenn du Schuldgefühle in dir trägst, wenn du Angst vor der Zukunft hast und nicht weißt, was kommen wird, wenn du Sorge in dir birgst, dass Gott dich nicht willkommen heißt, wenn du am Anfang eines ungewissen Weges stehst, dann darf ich dir im Namen Gottes zusprechen:

Es ist Friede zwischen mir und dir.

Ich, dein Gott, will dein Dunkel Hell machen.

Ich, dein Gott, habe ausgesprochen große Freude an dir.

AMEN.

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