19. April 2026
Elene & Elke
Psalm 23
Psalm 23 (NeÜ)
1 Ein Psalmlied von David. Jahwe[1] ist mein Hirt, / mir fehlt es an nichts:
2 Er bringt mich auf saftige Weiden / und führt mich zum Rastplatz am Wasser.
3 Er schenkt mir wieder neue Kraft. / Und weil sein Name dafür steht, / lenkt er mich immer in die richtige Spur.
4 Selbst auf dem Weg durch das dunkelste Tal, / fürchte ich mich nicht, / denn du bist bei mir. / Dein Wehrstock und dein Hirtenstab,[2] / sie trösten und ermutigen mich.
5 Vor den Augen meiner Feinde / deckst du mir einen Tisch, / nimmst mich herzlich in Empfang[3] / und schenkst mir den Becher voll ein.
6 Nur Güte und Liebe verfolgen mich jeden Tag, / und ich kehre für immer ins Haus Jahwes zurück.Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ)
© 2025 by Karl-Heinz Vanheiden (Textstand 2025.10)
Ein anderes Gebet zum 23. Psalm.
Von Elena.
An einen liebenden, großen Geist
möchte ich glauben.
Immer wieder muss ich lernen,
mit Mangel so umzugehen,
dass es mich nicht kaputt macht.
Zu den grünen Wiesen, zum Wasser, zu den Rastplätzen
muss ich mich selber aufmachen.
Manchmal muss ich mich dazu zwingen,
um danach festzustellen,
dass es mir gut getan hat.
Gehe ich durch das finstereTal,
überfällt mich sehr wohl die Angst.
Und deine Nähe spüre ich nicht.
Und ich gehe weiter. Schritt für Schritt,
bis ich das Tal hinter mich gebracht habe.
Und dennoch:
In so vielen Nöten bekam ich unerwartete Hilfe.
Das vergesse ich nicht
und bin dankbar dafür.
Amen
Der Herr ist mein Hirte –
Betrachtung zum 23. Psalm.
Von Elke.
Jahre war Baarack alleine in der australischen Wildnis unterwegs. Er war ausgebüxt und irrte lange in der rauen Landschaft umher. Als Schaf war Baarack kaum noch zu erkennen. 35 Kilo verfilzte Wolle trug er mit sich herum. Diese dicke Wollschicht führte zu massiven Einschränkungen beim Sehen und bei der Bewegung
Nachdem das Schaf von Wanderen entdeckt wurde, brachte man es in Sicherheit und schor es. Genug Wolle für 490 Paar Socken oder 61 Pullover.
Baarack ging es nach der Schur deutlich besser. Er konnte wieder normal laufen und sehen und verbrachte noch einige Jahre auf einem Gnadenhof.
Als Ausbrecherkönig und Wollwunder wurde Shrek bekannt. Shrek war eines von 17.000 Schafen auf einer Farm in Neuseeland. Sechs Jahre war Shrek ungeschoren davon gekommen. Er versteckte sich immer wieder in Höhlen. Bei seiner Ergreifung trug Shrek 27 Kilo Wolle mit sich herum.
Wäre Shrek nicht gesucht und gefunden worden, hätte er wohl nicht mehr sehr lange gelebt.
Jemand kümmerte sich. Jemand interessierte sich. Jemand war da. Auch wenn es lange dauerte bis Shrek gefunden wurde.
David hat ein Bild in seinem Kopf. Mit Schafen kennt er sich aus und dem Leben eines Hirten.
Grüne Auen und frisches Wasser. Kein Mangel und keine Furcht in dunklen Tälern. Sind das nicht schon fast kitschig anmutende Sehnsuchtsbilder angesichts einer rauen Wirklichkeit?
Das Hirtenleben zur Zeit Davids war alles andere als eine geruhsame Idylle. Nichts mit gechillt bei herrlichem Wetter auf einer grünen Wiese liegend, träumend den Wolken hinterherschauen und hin und wieder ein Blick zu den Schafen riskieren, ob sie noch alle da sind.
Hart ging es zu. Sengende Hitze am Tag, eisige Kälte in der Nacht. Bei jedem Wetter war der Hirte mit seinen Tieren draußen. Weideplätze mussten in der kargen Landschaft gefunden werden. Es ging durch tiefe Schluchten, über spitze Felsen. Und immer wieder wilde Tiere, die ihn oder die Schafe angreifen wollten. Es war ein Leben voller Entbehrung und Einsamkeit.
Und doch schreibt David ein Gedicht voller Vertrauen, Zuversicht, Wärme und Geborgenheit.
Einen Wohlfühlpsalm. Millionenfach gebetet. In guten Tagen. In schweren Tagen. Für viele Menschen ein Trostpsalm. Für andere ein Antispsalm, der nicht zu ihrer Lebenswirklichkeit passt.
Die allzu schönen Bilder sind enttäuschend. „Mir wird nichts mangeln“ ist einfach nicht wahr. Es mangelt an allen Ecken und Enden: Gesundheit, Geld, Kraft, Orientierung, Hoffnung, bezahlbaren Wohnraum, Freunde… Jeder, jede von uns hat ihre eigene Mängelliste. Diese kann auch nicht mit frommen Floskeln wegdiskutiert werden.
Ein Urbild der Angst, der Einsamkeit, der Todesgefahr ist das finstere Tal. Es ist eine Ort der Tränen und Trauer, der Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit. Gott greift nicht einfach von oben ein, knipst den Schalter an und das Dunkel, die Bedrohlichkeit und die Verzweiflung verschwinden und alles ist auf einmal gut.
Es gibt viele Gedanken und Auslegungen zum Psalm 23, die folgern: Wenn Du Gott vertraust, wird alles gut. Vor dem Unglück brauchst Du Dich nicht zu fürchten, weil Gott Dich bewahrt.
Ich mag den Psalm. Nicht als Dogma. Nicht als Allheilmittel.
David hat seine Glaubenserfahrung aufgeschrieben. Für ihn ist Gott der gute Hirte, der ihn auch dann nicht verlässt, wenn es brenzlig wird.
David verschweigt nicht die Wanderung durch das finstere Tal. Es ist da. Punkt. In Davids Leben. In unserem Leben. Das große lebensspendende ABER liegt in Gottes Mitgehen. Sein Stecken und Stab trösten. Sie sind Werkzeuge, die für Sicherheit sorgen:
Der Stecken dient zur Abwehr von Raubtieren oder Dieben.
Der Stab rettet die Schafe aus Gräben und lenkt sie in die richtige Richtung.
Die Kraft liegt in Gott selbst. Um seines Namens willen ist er mit uns auf dem rechten Weg. Der rechte Weg ist Dein Weg und mein Weg. Nicht der Weg von Hans und Frantz. Und dieser Hirte steht uns in unserem Leben zur Seite. Auch und besonders dann, wenn ich mich am Ende wähne, nicht mehr durchblicke, keine Kraft habe und einfach nicht weiter weiß. Gott lässt unsere Hand in Lebenskrisen nicht los.
In einer der größten Krisen meines Lebens, in der ich fast alles verlor, was mir wichtig und wertvoll war, blieb mir nur noch das Festbeißen an Gott. Ich wusste nicht, dass es im Leben so dunkel und schmerzhaft werden kann. Und krisenerprobt war ich. Aber dieser Schmerz, diese Dunkelheit toppten alles, was ich bis dahin erlebt hatte. Eines Tages würde es wieder gut sein. Das glaubte ich. Das musste ich glauben. Im bildlichen Sinne tröstete mich sein Stecken und Stab. Gott deckte mir einen Tisch im Angesicht des Schmerzes. Er schenkte mir immer wieder ein. Die Wanderung durch das finstere Tal dauerte sehr, sehr lange.
Nur fast unmerklich wurde es heller. Aber es wurde heller.
Gott schickte mich nicht ins dunkle Tal des Lebens. Das war das Leben selbst. Dinge passieren. Krankheiten kommen ins Leben. Beziehungen zerbrechen. Arbeitslosigkeit mit allen Folgen drängt in die Armut und manchmal sogar in die Obdachlosigkeit.
Glaube ist keine Lebensversicherung.
Wenn ich nichts mehr selbst vermag, überlasse ich mich Gott. Ein Gott, der mich sieht, der für mich eintritt und mir neue Kraft gibt. Das ist und bleibt ein Wagnis und ein Geheimnis zugleich. Ein Wagnis des Vertrauens. Und manchmal frage ich mich dann: Und wenn es Gott gar nicht gibt? Wie blöd wäre das denn?
Der Glaube hat die Komfortzone verlassen.
(Moment Stille)
