16. August 2026
Susanne
Gut zu sich sein. Gut für sich sorgen. Gut auf sich achten. Was heißt das für mich und meinen Glauben? Und wann ist es richtig, für mich zu sorgen – und wann für andere?
Ich habe mich viel selbst übergangen. Immer zuerst geschaut, was alle anderen brauchen oder wollen. Habe schnell Dinge zugesagt, ohne drüber nachzudenken, ob ich das kann oder ob es zu viel ist. Musste es dann oft wieder revidieren.
So auch wieder, als ich zugesagt habe, diesen Impuls zu schreiben. Ich habe mich total darauf gefreut und darüber gefreut, dass mir das zugetraut wird. Und dann kam die Blockade. Das kenne ich von mir. Und doch ist es mir so wichtig, dass ich es mit G*ttes Hilfe geschafft habe, die Blockade zu überwinden.
Was bedeutet das für mich und meinen Glauben?
Früher habe ich gelernt, dass ich immer zuerst für alle anderen sorgen darf und muss. Wenn ich auf mich achte und für mich selbst sorge, dachte ich, ich bin total egoistisch und handle nicht im Sinne der Bibel und im Sinne G*ttes. So wurde es mir von klein auf beigebracht. Immer wenn ich das Gefühl hatte, ich mache etwas Gutes für mich, hieß es: ja, aber die und der braucht auch Hilfe. Und kümmere dich darum. Schon beim Beten als Kind mit meiner Oma habe ich immer nur für andere gebetet. Es hieß: Liebe deinen Nächsten. Der zweite Teil – wie dich selbst – wurde weggelassen.
Und ich glaube auch immer noch, dass es wichtig ist, auch die/den anderen im Blick zu haben. Aber mich selbst nicht zu vergessen.
Heute sehe ich es so: Ich bin weder weniger wichtig, noch wichtiger als die anderen. Denn nur, wenn ich gut für mich sorge, kann ich auch für andere sorgen.
Ein gesunder Mittelweg ist wichtig. Wie dieser aussieht, kann ganz unterschiedlich sein. Mal ist es wichtiger, bei mir zu sein, mal ist es wichtiger, bei den anderen zu sein. Ich weiß nicht, wie das ausgewogen sein kann. Und ich glaube nicht, dass es dafür eine feste Regel gibt. Denn oftmals merke ich auch erst hinterher, ob ich zu wenig oder zu viel auf mich geachtet habe. Aber ich glaube, dass das wichtig ist.
Ich glaube, dass Gtt möchte, dass ich für mich sorge. Ich finde es schwierig, zu erkennen, wann welcher Weg angesagt ist. Aber ich glaube daran, dass egal welchen Weg ich gehe, Gtt bei mir ist und mit mir geht. Und wenn ich mal nicht erkenne, was richtig ist – was sicher oft vorkommt – bleibt G*tt trotzdem bei mir und schickt mich nicht weg. Und das ist das Wichtigste für mich. Ich vertraue darauf.
Vor ein paar Wochen habe ich das nicht mehr nur geglaubt, sondern erlebt. Ich wurde schwer krank, musste ins Krankenhaus. Danach konnte ich nicht mehr ohne Rollator laufen, mein Kopf war neblig, mein Herz raste einfach so. Ich hatte keine Wahl mehr. Ich musste ausruhen. Ich konnte gar nicht anders, als für mich zu sorgen, weil mein Körper es so wollte.
Und die Welt hat sich trotzdem weiter gedreht. Ohne mich. Und das war okay.
Das war eine schmerzhafte, aber auch befreiende Erfahrung. Denn ich habe gemerkt: G*tt war trotzdem da. Nicht enttäuscht von mir, weil ich nichts leisten konnte. Nicht genervt, weil ich ausgefallen bin. G*tt ist mitgegangen, genau in dieser Zeit, in der ich am wenigsten für andere da sein konnte und am meisten für mich sorgen musste.
Ich glaube, das war eine Antwort auf meine Frage, wann ich für mich und wann für andere sorgen soll: Manchmal entscheide ich das gar nicht selbst. Manchmal entscheidet es der Körper, das Leben, vielleicht sogar G*tt. Und dann darf ich vertrauen, dass ich trotzdem richtig bin, so wie ich bin. Auch wenn ich nichts tue außer ausruhen.
Ich erzähle das, weil ich glaube, dass wir alle so etwas kennen: Man macht so lange weiter, weil man glaubt, man muss funktionieren , weil andere einen brauchen.
Und dann passiert auf einmal etwas, was uns zwingt, stehen zu bleiben. Das muss keine Krankheit sein Es muss keine Krankheit sein, manchmal geht einfach nichts mehr.
Ich glaube, wir dürfen einander diese Erlaubnis geben. Dass es okay ist, auch mal auszufallen. Dass es okay ist zu sagen: gerade nicht, gerade brauche ich selbst etwas. Und dass wir uns gerade dann auch gegenseitig stützen können, wenn wir gerade keine Kraft haben.
Vielleicht ist genau das ein Stück gelebte Nächstenliebe: einander den Raum zu geben, für sich zu sorgen. Und zu vertrauen, dass G*tt uns auch dann trägt und nicht fallen lässt.
G*tt ist für mich die unendliche Liebe.
Und was fordert die Liebe in solchen Situationen?
Manchmal wird die Antwort sein:
Ich muss helfen.
Manchmal:
Ich muss eine Grenze setzen.
Und manchmal:
Ich darf mich ausruhen und G*tt vertrauen, dass die Welt nicht allein von mir abhängt.
Susanne
Atmen hilft 😮💨
