[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

„Wir nehmen dein Geld nur, wenn es deiner (und unserer) geistlichen Gesundheit dient!“

Predigt MCC Köln 4. Okt. 2015
Ines-Paul Baumann

2. Korinther 9,6-15

Bis heute sind oft Schuld-Gefühle am Werk, wenn es um Geld geht. Geld geben, um das schlechte Gewissen freizukaufen? Geld geben in der Hoffnung, es sich dann nicht mit Gott oder der Gemeinde zu verderben? Der römisch-katholische Ablasshandel und der protestantische Arbeits-Ethos hatten Wurzeln, die bis heute nicht ausgerissen sind.

Geld ist von seinen Anfängen her entstanden in der Bewusstwerdung der eigenen Not und Begrenztheit angesichts unberechenbarer Naturgewalten. Es waren ganz existentielle Gefühle, aus denen heraus die ersten Opferkulte für Götter entstanden. Hierin drückten sich Angst und Schuldgefühle aus. Die Gabe sollte also tatsächlich von Anfang an etwas bewirken. Einen Nutzen haben. *)

Aber das Nutzendenken von Geldspenden im geistlichen Rahmen wurde oft missbraucht.

Als MCC Köln waren wir in Geld-Fragen deswegen oft sehr verhalten. „Geld soll kein Thema sein.“ Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen, niemand soll sich unter Druck gesetzt fühlen, alles soll ganz freiwillig geschehen.

Viele Fragen bleiben deswegen unausgesprochen und werden nicht thematisiert. Genau so, wie in anderen Kirchen Homosexualität kein Thema ist („gibt es bei uns nicht“), Missbrauch kein Thema ist („gibt es bei uns nicht“), oder Frauen in Leitungspositionen kein Thema sind („das wollen die wahren Dienerinnen Gottes doch gar nicht“). Genau so verlogen wäre es zu sagen, dass Geld in der MCC kein Thema sei. Spätestens jeden Sonntag wieder, wenn wir die Kollekte einsammeln, ist es Thema.

Können wir also zu einem etwas sinnvolleren Umgang mit Geld finden als nur den, hier ein blödes Thema vermeiden zu wollen?

Paulus setzt dem Geben von Geld aus den falschen Gründen zumindest schon mal einen klaren Riegel vor:

  • Wenn du dich unter Druck gesetzt fühlst: Lass es sein!
  • Wenn du manipuliert wirst: Lass es sein!

Nur diejenigen sollen etwas geben, die das aus freien Stücken und mit gutem Gefühl tun. „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“

Aber wie können Menschen, die verinnerlicht haben, dass wir auf unser Geld achten müssen und dass wir nie genug Geld haben, zu „fröhlichen Gebern“ werden?

Hirnforscher haben festgestellt, dass bei den „fröhlichen Gebern“ dieselben Areale im Hirn aktiv sind wie bei einem Lottogewinn. Es gibt da also etwas, was diesen Gebern das Gefühl gibt, durch ihre Gabe etwas gewonnen zu haben.

Viele Kampagnen und Spendenanfragen arbeiten genau damit: Unterstütze die AIDS-Hilfe und freue dich darüber, etwas Gutes zu tun. Übernimm die Patenschaft für einen Brunnen in Afrika und freue dich darüber, etwas Gutes zu tun. Engagiere dich ehrenamtlich in der Flüchtingshilfe und freue dich darüber, etwas Gutes zu tun. Begleite Sterbende im Hospiz und freue dich darüber, etwas Gutes zu tun.

Ist daran irgendwas verwerflich? Nein!

Es ist sogar genau das Prinzip, mit dem Paulus argumentiert: Unterstütze eine Gemeinde mit finanziellen Gaben und freue dich darüber, Gutes zu tun!

Der Rest des Texes besteht eigentlich nur noch darin, dass Paulus erklärt, worin dieses Gute denn besteht:

1) In meinem Bezug zu Geld drückt sich etwas aus von meinem Bezug zu MIR.

Geben soll sich an den Gaben orientieren (2. Kor 8,12). Damit meint Paulus NICHT, dass es um die MENGE der Gaben geht. Nicht die Höhe der Geldsumme ist entscheidend. Entscheidend ist, dass wir mit dem wahrgenommen werden, was wir einbringen – und genau dafür auch geschätzt werden, unabhängig von der Menge im Vergleich mit anderen.

Es gibt so vieles, was Menschen einbringen, damit zum Beispiel dieser Gottesdienst stattfinden kann: Ein Händchen für Deko. Die Gabe, Stoffe zu nähen oder zu bemalen. Saft und Hostien für das Abendmahl. Staubsaugen, Kaffee kochen, Geschirr spülen, Leute begrüßen, Predigen, Musizieren. Gut zuhören können. Gut erzählen können. Alle bringen etwas von dem ein, was sie einbringen KÖNNEN. Was zu ihnen passt. Und so geben eben auch alle einen finanziellen Anteil, der zu ihnen passt. Manche mehr, manche weniger. Und wenn einer ganz wenig gibt, soll er dafür genau so wenig Herabschätzung erleben wie eine, die ganz viel gibt (!)

Es geht also darum, dass dieses Geld (wie alle anderen Gaben) mir und anderen die Möglichkeit geben soll, mehr von der Liebe und Nähe Gottes zu erfahren.

Wenn ich aus Zwang oder Druck gebe, erlebe ich Forderungen und Erwartungen:

  • Wenn das Einsammeln der Kollekte immer nur dazu führt, dass ich mich schlecht fühle, weil ich „immer zu wenig“ gebe – wo ist da die Liebe Gottes?
  • Wenn ich einen sehr hohen Dauerauftrag eingerichtet habe und Angst haben muss, von den anderen als reicher Miesling angesehen zu werden – wo ist da die Liebe Gottes?

Aber Geben kann auch zu heilsamen Erfahrungen führen:

  • Wenn ich erlebe: Ich kann etwas von meinem Geld weggeben und komme trotzdem über die Runden, darin kann etwas Befreiendes liegen.
  • Wenn ich mich darüber freue, dass andere mit meinem Geld etwas Gutes tun können und ich mich nicht nur um mich selber drehen muss, kann das erlösend sein.
  • Wenn ich mich erfahren lerne als Teil eines unermesslichen Kreislaufs von Geben und Nehmen – darin kann ein spiritueller Horizont aufbrechen.
  • Wenn andere Menschen und überhaupt alles, was diese Welt hergibt, nicht nur dazu da sind, mir zu dienen, sondern ich darin Bezüge im Sinn von wechselseitigen Beziehungen herstellen lerne – dann kann das der Anfang einer grundlegenden geistlichen Erneuerung sein.

In den Mitgliedschaftskursen sage ich immer: Wir alle haben Gaben. Setze deine Gaben so ein, dass sie deiner geistlichen Gesundheit dienen. Deine Gaben sollen dich nicht im Gemeindeleben auslaugen oder an den Nöten anderer zerbrechen lassen. Der Einsatz deiner Gaben soll deinem eigenen geistlichen Wachstum dienen – und dem den anderen.

Eigentlich müssten wir auch in Bezug auf Geld immer ausdrücklich dazusagen: „Wir nehmen dein Geld nur, wenn es deiner (und unserer!) spirituellen Gesundheit dient!“ **)

Prüfe also immer kurz, was deine Gabe bewirkt (bei dir und bei den Empfangenden). Und setze deine Geld dann bewusst so ein, dass es als eine Gabe wirkt, die mehr und mehr heilsame Gotteserfahrungen ermöglicht.

2) In meinem Bezug zu Geld drückt sich etwas aus von meinem Bezug zur GEMEINSCHAFT.

In einer gesunden Gemeinschaft geht es nicht nur um das Teilen von Gaben, es geht auch um das Teilen von Nöten!

Unsere Gaben und unsere Nöte müssen uns ja nicht voneinander trennen. Im Gegenteil, Nöte und Ressorcen können zueinander finden, sich ergänzen, Miteinander aufbauen. Eine gute Gemeinschaft lebt von unterschiedlichen Konstellationen, dass alle mal Gebende und mal Empfangende sein können. Beide, Gebende und Empfangende, begegnen sich auf demselben Boden: der Liebe Gottes.

3) In meinem Bezug zu Geld drückt sich etwas aus von meinem Bezug zu GOTT.

Immer noch und immer wieder sind Menschen aus ihren Erfahrungen heraus verunsichert, inwieweit ihnen die liebende Gegenwart Gottes in unserer Welt tatsächlich gilt. Als Maßstab dient dann oft die eigene Lebenssituation:
„Wenn es mir (materiell, körperlich, mental…) gut geht, dann meint Gott es gut mit mir.“
Und entsprechend:
„Wenn es mir (materiell, körperlich, mental…) NICHT gut geht, dann meint Gott es NICHT gut mit mir.“

Dieses Denken hat fatale Konsequenzen. Eine davon war und ist es, jeden Zugewinn an Gutgehen für sich behalten zu müssen – schon nur als Vergewisserung dafür, dass sich im anhaltenden Wohlstand das anhaltende Wohlwollen Gottes zeigt. („Ich darf darin natürlich nicht schwelgen, aber ich sollte es auch nicht wieder leichtfertig hergeben…!“)

Paulus weiß ebenfalls, dass es einen Bezug gibt von unserer Lebenssituation zu Gott. Aber er fasst ihn ganz anders. Paulus teilt nicht die hellenistische Auffassung, dass alle für sich selbst sorgen müssen – heute auch nach dem Motto bekannt: „Wenn jede_r an sich denkt, ist an alle gedacht.“ Damit wäre das, was ich habe, immer ausschließlich mir zu verdanken und ausschließlich zu meinem Nutzen einzusetzen.

Paulus orientiert sich stattdessen an der jüdischen Auffassung, dass wir noch-so-viel machen und noch-so-viel leisten können – in allem, was ich [nicht] zur Verfügung habe und was mir Gutes [nicht] geschieht, kann sich ein Segen Gottes verwirklichen. In den Texten der Bibel führt das oft zu einer sehr konsequenten (bis fatalistischen) Grundhaltung: „In allem, was ich erlebe, zeigt sich etwas von Gottes Interesse an mir. Im Guten wie im Schlechten möchte mir Gott etwas von ihrer Zuwendung zeigen.“

In Bezug auf Kollekten und andere Gaben steckt da aber ein sehr wertvoller Aspekt drin: Stärken unsere Gaben den geistlichen Bezug zu unseren Ressourcen (und zu unseren Nöten)?

Auch wenn ich Geld teile, soll das allen Beteiligten dazu dienen, Gottes Anteil in ihrem Leben besser wahrnehmen zu können. Es soll dazu dienen, mehr Zugang zu bekommen zur Gegenwart Gottes in unserer Gegenwart.

  • Ermöglicht meine Gabe mir als Gebende_r, etwas von der Zuwendung Gottes zu erfahren?
  • Ermöglicht meine Gabe den Empfangenden, etwas von der Zuwendung Gottes zu erfahren?

Hier sind wir wieder da, wo wir am Anfang waren: Dient meine Gabe dem geistlichen Wachstum? Der argumentative Kreis schließt sich. Der Geld-Kreislauf öffnet sich.

In Bezug auf meine Gaben UND auf meinen Mangel gilt also:

Es geht letztlich nicht um mehr oder weniger Geld.
Es geht um mehr oder weniger Möglichkeiten, Gotteserfahrungen zu machen.

 

Buchtipps:
*) Christoph Türcke: „Mehr! Philosophie des Geldes“
**) Henri Nouwen: „A Spirituality of Fundraising“

 

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