[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Wie viel von dir wird als „wertlos“ und „unchristlich“ abgetan… (Verheißung, Teil III: „Tue ich genug?“ Was ist unser Anteil?)

Predigt MCC Köln
Ines-Paul Baumann

Das Reich der Himmel gleicht einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.
(Mt 13,44)

(In Arbeit vertieft, dreckige Handschuhe, gebückt schuftend, erblickt die Gemeinde:)
Oh, was macht ihr denn alle hier? Ihr habt doch nicht etwa was gesehen – also, ihr seid doch sicher gerade erst hier aufgetaucht, oder? Nein? Na, da habt ihr es also schon mitbekommen…
(Guckt um sich und flüstert:) *Hier ist ein Schatz verborgen!!!*

Ich habe den Schatz schnell nochmal verbuddelt. Sonst schnappen sich die anderen diesen Schatz noch. Das geht so schnell heutzutage. „Oh, da ist ein Schatz? Wir wollen ihn haben!“ Früher wurden Arbeiter wenigstens noch offensichtlich ausgebeutet. Heute wollen sie nicht nur deine Arbeitskraft, heute wollen sie auch deine Seele. Nicht nur deine Arbeitszeit, auch deine Freizeit. Du sollst dich mit deiner Arbeit identifizieren. Nach Feierabend musst du das Firmenhandy anlassen. Im Urlaub am Strand deine E-Mails abrufen. Zuerst fragen sie dich: Was sind deine Stärken? Und dann fragen sie sich: Wie können wir sie uns zunutze machen?

Aber die Drecksarbeit, die machen sie nicht. Jugendliche, Unangepasste, Depressive, Leistungsschwache, da sehen sie nur Probleme. Sehen nur die Arbeit, die die machen. Was aber alleine zählt, ist die Arbeit, die sie erledigen sollen. Gymnasium in 8 Jahren, Studium durchziehen, schon im Kindergarten chinesisch lernen, so werden die „Schätze“ heraus-gebildet.

Solche „Schätze“ sind dann auch aus anderen Ländern in Deutschland gerne gesehen. Sie erledigen Arbeit und bringen Geld ins Land. Tolle Schätze. Aber wehe, du willst nach Deutschland und MACHST den armen Deutschen Arbeit. Dabei würdest du ja gerne arbeiten. Zuerst verbieten sie dir, hier zu arbeiten, und dann beschweren sie sich, dass du gar nicht arbeitest. Du dachtest, du könntest hier Deutsch lernen? Oh nein, dafür hat die Kurdin vom Dorf zum türkischen Lehrer in der übernächsten Kleinstadt zu fahren, der auch schon eine andere Sprache spricht als sie und wo es keine Kita gibt, in der ihre Kinder solange betreut werden. Wenn du Glück hast, kommst du nicht aus einem dieser „oh, Problem!“-Länder, sondern aus einem der „Schatz-Länder“, z.B. USA, Japan oder Australien. Dann darfst du auch gerne IN Deutschland Deutsch lernen.

Oder noch besser, irgend jemand aus Deutschland sieht dich bereits als deinen Schatz an, dann kannst du heiraten und darüber dein Bleiberecht erlangen. Großartig, dass dieses Privileg nun auch homosexuellen Paaren eingeräumt ist. Aber die Homosexuellen sind ja zum Glück auch alle mittlerweile ganz normal geworden. Auch sie leben ja nun in treuen und monogamen Beziehungen und tragen normale Klamotten. Die Männer reden auch gar nicht mehr tuckig und die Lesben tragen wieder lange Haare. Oh ja, so werden auch sie als Schätze unserer Gesellschaftsordnung anerkannt.

Mit Dreck beworfen werden aber weiterhin die, die da nicht mitmachen wollen. Wehe, du entsprichst den Erwartungen nicht. Wenn du den Erwartungen nicht entsprichst, wird es schwer. Da macht es keinen Unterschied, ob wir jetzt von Firmen, vom Amt, von Familien, von Beziehungen oder von Gemeinden reden. Die wenigsten werden dich als „Schatz“ sehen, wenn du den Erwartungen nicht entsprichst.

In wie viel Dreck müssen Menschen in ihrem Leben manchmal wühlen! Eine Schicht häuft sich auf die andere. Als Kind sitzen sie nicht still genug, in der Schule sitzen sie nicht still genug, in der Ausbildung sitzen sie nicht still genug, auf der Arbeit sitzen sie nicht still genug, und dann gehen sie in eine Kirche und auch da sitzen sie nicht still genug.
Und in jeder Phase reden ihnen Leute gut zu, die sie gleichzeitig für für sich benutzen. Erwachsene benutzen Kinder. Männer benutzen Frauen. Werbung benutzt Sehnsüchte. Der Esoterikmarkt benutzt Gefühle. Kirchen benutzen Schuldgefühle.

Ich habe viel Erfahrungen damit, im Dreck zu wühlen. Es ist ja kein Zufall, dass viele ihre Schätze angesichts von Not und Gefahr lieber vergraben. Diese Schätze entdeckst du nicht, wenn du es nicht schaffst, ein Miteinander von Vertrauen und Offenheit zu ermöglichen.

Religionen und Kirchengemeinden haben sich dabei nicht immer als hilfreiche Partner erwiesen. Ausgerechnet Religionen und Kirchen sind es oft, die andere mit Dreck bewerfen – oder die Gläubigen dazu anstacheln, „die anderen“ mit Dreck zu bewerfen. Oder mit Steinen. Oder mit Bomben.

Das macht es nicht gerade leichter. Auch meine Arbeit wird dabei mit in den Dreck gezogen. Oft muss ich erst mal unerkannt bleiben, um überhaupt auf den Acker eines Menschen gelassen zu werden. Wenn ich sagen würde: „Hallo, ich bin Jesus, wollen wir gemeinsam ein bisschen in deinem Leben graben und den Schatz heben, der du in meinen Augen bist?“, würden die meisten mir nicht glauben oder mich verhöhnen oder erst mal in Schimpftiraden ausbrechen. Ich kann sie ja verstehen. Zum Glück gibt es andere, die sie durchaus an den Acker ihres Lebens heranlassen: Gute Freunde, oder Therapeutinnen. Ihnen vertrauen sie genug, um mt ihnen zusammen in ihrem Leben zu graben.

Kirchengemeinden haben sich auch hier leider oft nicht als hilfreiche Orte erwiesen. Statt in Offenheit und Vertrauen das eigene Leben beackern zu können, werden einander oft nur die besten Seiten präsentiert. Wer sein Leben wirklich mal beackert und dann eben auch mal nicht nur strahlend und glänzend in der Gemeinde erscheint, wird beäugt. „Ist wohl kein wahrer Christ!“, heißt es dann oft. Aber wenn sie immer nur an der Oberfläche bleiben dürfen, wie sollen die Menschen dann den Schatz heben, der in ihrem Leben steckt?

Ach, diese überzeugten, „wahren“ Glaubensverkünder. Manchmal verzweifel ich an ihnen. Wie oft stecken sie das, was sie für sich selbst als Schatz gefunden haben, in eine Box, schreiben „Gott“ drauf und stellen es auf einen großen Sockel. Unerreichbar und weit weg von dem, was im Acker der Einzelnen tatsächlich als Schatz schlummert.

Es ist also kein Zufall, dass Menschen so oft eher rein zufällig auf diesen Schatz stoßen. Gemeinden tun oft so, als wäre Glauben das Ergebnis einer gezielten Suche, gezielter Lehre und gezielter Einübung: „DA ist die Box, DAS ist drin und SO kommst du dahin.“

Sie ahnen gar nicht, wie oft Menschen weit ab davon auf den Schatz in ihrem Leben stoßen! Das kann ganz plötzlich geschehen oder ganz langsam. In Gottesdiensten genau so wie in Kneipen. Naja, in christlichen Kreisen vielleicht sogar oft nur begrenzt. Viele Schätze werden hier leider oft nicht als Schatz anerkannt. Ob Lebensstil oder Liebesstil oder Kultur oder Gottesbild: Wie viel unseres Daseins wird gar nicht als Schatz wahrgenomen, sondern als „wertlos“ und „unchristlich“ abgetan. Kein Wunder, dass sich Menschen so oft nicht trauen, ihren Schatz zu heben.

Außerdem widerspricht es angeblich dem christlichen Schuld- und Demuts-Gedanken, die eigenen Schätze im Leben zu heben. Da dürfen Menschen weder Schätze haben noch Schätze sein: „Du bist schuldig, du bist nichts wert, du bist falsch, durch und durch! Du bist kein Schatz, du bist nur voll Sünde!“ Und dann werde ausgerechnet ich als Beweis dafür angeführt: „Jesus musste für deine Sünden sterben!“ Hallo? Ich habe das Ganze gerade deswegen auf mich genommen, WEIL ich dich als Schatz sehe! Genau deswegen bin ich doch in dieser Welt gekommen, genau deswegen habe ich den Acker deines Lebens aufgesucht, genau deswegen möchte ich den Acker deines Lebens freikaufen von all den anderen, die ihn besetzt halten wollen!

Wer oder was erhebt nicht alles Ansprüche an euch! Welche Herren und Herrschaften dieser Welt sehen euch als ihren Besitz an! Welchen Sachzwängen und Erwartungen sollt ihr nicht alles gehorchen! Was reden sie euch nicht alles ein, was ihr tun und lassen müsst, damit euer Leben einen Wert hat:

Ihr müsst Sex haben,
ihr müsst beliebt sein,
ihr müsst das neueste Handy haben,
ihr müsst die richtigen Klamotten tragen,
ihr müsst euch mit den spannendsten Leuten umgeben,
ihr müsst die tollsten Urlaubsziele aufsuchen,
ihr müsst euren Körper fit halten,
ihr müsst leistungsfähig sein,
ihr müsst euch super fühlen,
ihr müsst positiv denken,
ihr müsst das richtige Gottesbild haben,
ihr müsst die richtige Art zu beten praktizieren,
… meine Güte, euer gesamter Acker wird vereinnahmt!

Aber das macht mir nichts. Ich sehe trotzdem den Schatz in euch. Ich sehe die Sachen in eurem Leben, die euch einzigartig und wertvoll machen. Die Sachen, die zu euch gehören, auch wenn andere sie seltsam finden. Ja, manches ist manchmal seltsam. Ist das nicht wunderbar?

Vergrabt eure Schätze nicht länger unter dem Dreck, mit dem andere über euch bestimmen wollen. Krempelt eure Werte um. Vielleicht ist das, was die anderen sagen oder wollen, gar nicht immer so wichtig. Lass es verblassen. Lass das nur Scheinbare seinen Glanz verlieren. Was wirklich glänzen soll in deinem Leben, sieht vielleicht noch gar nicht so anmutig aus. Ich habe noch keinen Schatz aus der Erde gegraben, der nicht erst mal aussah wie verlotterte Krumpelei.

Aber wenn du erst mal erkannt hast, was da in dir und deinem Leben drin steckt, werden sich die Werte umkrempeln. Wenn du erkennst, wie sehr der wahre Schatz glänzt, werden so viele angeblich so glänzende Dinge ihren Glanz verlieren. Vieles, was vorher wichtig erschien, wird dir keine Freude mehr sein, sondern sich als Last offenbaren. Du kannst es loslassen, abgeben, in meine Hände legen. Ich nehme alles, was deinen Acker besetzt hält, mit ans Kreuz. Was deine Gedanken und dein Herz besetzt gehalten hat, nehme ich dir ab. Das macht dich frei. Dein Acker wird verwandelt in ein Land der Freiheit und des Segens.

Ab nun wirst du leben von dem Schatz, der in dir steckt. Dieser Schatz wird dich nähren, dir Sicherheit geben, dich versorgen. Dafür wirst du deinen Schatz anbrechen und aufbrauchen.
Du wirst ihn einsetzen und ihn mit anderen teilen. Du wirst dein Leben teilen mit anderen Menschen.
Du wirst anderen dabei helfen, in Offenheit und Vetrauen im Acker ihres Lebens graben zu können.
Eure Gemeinde wird eine sein, in der ihr euch auch mal gemeinsam durch den Dreck wühlt.
Ihr werdet die Schätze entdecken, die ich in euch angelegt habe, auch wenn so viele andere behauptet haben, das wäre wertloses Zeug oder müsste gar aus eurem Leben verschwinden.
Ihr werdet einander nicht drängen, Dinge auszugraben, die noch verborgen bleiben möchten.
Miteinander werdet ihr lernen, den richtigen Werten Wert beizumessen.
Ihr werdet lernen, die Stimmen voneinander zu unterscheiden.
Ihr werdet einander dabei helfen, eure Schätze anzuerkennen.
Miteinander werdet ihr sie ausbuddeln, voller Staunen annehmen und mit vollen Händen austeilen.

Ich weiß, wovon ich spreche. Nichts anderes habe ich für euch getan. Ich, Jesus, wahrer Gott und wahrer Mensch, ich bin Mensch geworden, um euer Leben zusammen mit euch beackern und euch freizukaufen. Denn ihr seid meine Schätze im wunderbaren Acker der Welt.

(Truhe öffnen. Alle können einen Blick hineinwerfen: Das ist Gottes Schatz! Was sehen sie: In einem Spiegel erblicken sie sich selbst. Daneben liegen Zettel mit Namen anderer Menschen.)

Alles aber, was mit früher gewinnbringend zu sein schien, das habe ich nun um Christi willen als nachteilig erkannt. Ja, wahrlich: Ich halte das alles für ein Verlustgeschäft, weil die Erkenntnis Jesu Christi, die dazu führte, dass ich ihm mein Leben anvertraut habe, wichtiger ist als irgendetwas sonst. Um Christi willen habe ich mich um das alles bringen lassen und halte es auch weiter für einen feuchten Dreck, damit ich Cristus gewinne und als zu Christus gehörend erkannt werde. Nicht die Gerechtigkeit, die allein aus der Tora zu gewinnen ist, soll die meine sein, sondern diejenige, die durch die Treue Christi zugänglich ist und die Gott schenkt auf Grund des Glaubens. Christus möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung erfahren, an seinem Leiden möchte ich Anteil haben, und mein Leben soll von der Gestalt seines Todes mitgeprägt werden, damit ich auch zur Auferstehung der Toten gelange. Nicht dass ich es schon ergriffen hätte oder schon zum Ziel gelangt wäre, ich laufe aber auf das Ziel zu, um es zu ergreifen, weil ich selbst von Jesus ergriffen bin. Meine Schwestern und Brüder, ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eins aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt; ich laufe auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu erlangen. Das ist die Berufung zum ewigen Heil, die Gott uns schenkt, wenn wir uns auf Jesus Christus vertrauensvoll einlassen.
(Phil 3,7-14)

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