[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Weiß Gott, was in denen (und in dir) steckt!

Predigt MCC Köln, 28. September 2014
Ines-Paul Baumann

Exodus 17,1-7: Wasser aus dem Felsen

„Ist Gott mit uns oder nicht?“ („Müsste es nicht viel besser laufen, wenn Gott mit uns wäre?“) Die Bibel verdrängt solche Fragen nicht:

Die ganze Gemeinde der Israeliten zog von der Wüste Sin weiter, von einem Rastplatz zum andern, wie es der Herr jeweils bestimmte. In Refidim schlugen sie ihr Lager auf. Weil das Volk kein Wasser zu trinken hatte,
geriet es mit Mose in Streit und sagte: Gebt uns Wasser zu trinken! Mose aber antwortete: Was streitet ihr mit mir? Warum stellt ihr den Herrn auf die Probe?
Das Volk dürstete dort nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen?
Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig und sie steinigen mich.
Der Herr antwortete Mose: Geh am Volk vorbei und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh!
Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.
Den Ort nannte er Massa und Meriba (Probe und Streit), weil die Israeliten Streit begonnen und den Herrn auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

Exodus 17,1-7

 

(Gemeinde:)

Wo bleibt die Belohnung für unsere Mühen?

Wir waren auf einiges gefasst.
Hatten uns auf Probleme und Schwierigkeiten eingestellt.
Aber irgendwann muss es doch genug sein.

Müsste es nicht wenigstens BESSER werden?
Aber es wird immer schlimmer.
Immer tiefer geraten wir in das Schlamassel.
Es ist anstrengend.
Uns geht es immer schlechter statt besser.

Auf diesem Weg soll Gott mit uns sein?

Freiheit war uns versprochen. Was nützt uns die Freiheit, wenn wir darin umkommen?

Wir haben uns übernommen.
Hätten wir uns doch bloß nie darauf eingelassen.

– Pause –

(Einzelne/r:)

Wo bleibt die Belohnung für meine Mühen?

Das habe ich nicht verdient.
Das habe ich einfach nicht verdient.

Ich habe so viel für sie getan.
Ich habe mich eingesetzt.
Ich habe ihnen den Arsch gerettet.
Was haben sie mir nicht alles zu verdanken.

Stattdessen nölen sie nur rum,
maulen und jammern
und machen mir Vorwürfe.

Undankbares Volk.

– Pause –

(Gemeinde:)

Was macht der denn jetzt?
Mose, vergiss es. Wir brauchen Wasser, kein Gestein.

Was willst du von dem Felsen?
Das wissen doch alle, was von einem Felsen zu erwarten ist.
Wir haben unsere Erfahrungen mit ihnen gemacht!

Sieh ihn dir doch an:
Verhärtet.
Abweisend.
Freudlos.

Davon haben wir genug.
Der ist unnütz.
Der ist zu nichts zu gebrauchen.

– Pause –

(Einzelne/r; „ging am Volk vorbei“:)

Verhärtet, abweisend, freudlos:
Ja, äußerlich sieht der so aus. Stimmt.
Aber wisst ihr, was in ihm steckt?

Ihr denkt: Was wir haben, reicht nicht.
Ihr denkt: Was wir sehen, genügt realistisch gesehen nicht.
Ihr denkt: Wir haben nicht genug, um weiter zu gehen.
Ihr habt Angst.
Eure Herzen und Hände sind leer.

Ihr sucht neue Quellen.

Sie sind bereits da.
Mitten unter euch.
Mitten in euch.

Seht unter die Oberfläche.
Rührt an, was verhärtet ist.
Berührt, was so erstarrt erscheint.

Brecht nicht den Stab übereinander.

Brecht nicht den Stab über euch selbst.

Lasst euch berühren in eurer Verschlossenheit.

Gerade da, wo ihr es am wenigsten erwartet,
werdet ihr finden, was ihr braucht.

– Pause –


Jesus,
rühr uns an
in unserer Angst.
Jesus, rühr uns an
in unserer Verhärtung.
Wir erwarten Erfolge.
Wir erwarten Dankbarkeit.
Wir sind so beschäftigt mit unserer Mangelverwaltung.

Jesus,
aus dem Felsen deines Grabes
entsprang der Quell jenes Lebens, das nicht unterzukriegen ist.

Aber auch mit dir gingen nur wenige mit, als der Erfolg ausblieb.
Dienjenigen, die es nicht gut mit dir meinten,
haben dir Gewalt angetan.
Diejenigen, die es vermeintlich gut mit dir gemeint hatten,
ließen dich im Stich.

Aber du hast an sie geglaubt.
Du hast unter ihre Oberfläche gesehen.
Hinter die Verhärtung, hinter die Angst.
Du hast sie zu Felsen und Quellen gemacht.

Gerade diejenigen, von denen niemand mehr etwas erwartete,
diejenigen, die von sich selbst nichts mehr erwarteten,
hast du berührt.
Du bist auf sie zugegangen.
Du hast dich von ihnen berühren lassen.

Du weißt, von wem wir nichts mehr erwarten.
Du weißt, wo wir von uns selbst nichts mehr erwarteten.
Berühre auch uns heute.
Öffne unsere Augen und Hände für das,
was in uns und in unserer Gemeinde steckt.
Mach auch uns heute zu Quellen
des Heils, der Heilung und der Heiligung.

So bitten wir:

für alle Menschen und alle Anteile in uns, die verhärtet sind.
Für diejenigen, die über andere oder sich selbst den Stab brechen.
Für die Erkrankten an Leib und Seele,
auch die Stigmatisierten mit HIV und Depressionen.
Für diejenigen in unseren Stadtteilen, die Hunger leiden.
Für die Flüchtlinge, die diese Woche in Köln angekommen sind.
Für alle, die noch auf der Flucht sind.
Für diejenigen, die auf der Suche sind
nach einer gesicherten Existenz,
auch mit all ihren unterschiedlichen sexuellen Orientierungen,
geschlechtlichen Identitäten
und Glaubens- und Weltanschauungen.

Wir bitten auch für alle,
die sich von ihrer eigenen Not oder der ihrer Mitmenschen berühren lassen.
Für diejenigen, die sich einsetzen für sich selbst und andere.
Die Verantwortung übernehmen für sich und andere.

Hab Dank für alle,
die sich innerhalb und außerhalb unserer Kirche berühren lasen,
die sich öffnen
und zu Quellen werden, wo Mangel Sorgen bereitet.

Schenke uns Glauben
und Vertrauen
und Stäbe, mit denen wir Berührung erfahren und austeilen
– Berührung, die uns und andere öffnet
für die Fülle deines Segens.

Amen.

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