[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Verführe niemanden zu glauben, er sei kein bedingungslos geliebtes Kind seiner Mutter/seines Vaters im Himmel°!

Predigt MCC Köln, 26. März 2017
Manfred Koschnick

Lukas 16,19-31: „Vom reichen Mann und armen Lazarus““

Geliebte Gemeinde!

Geht es Euch auch manchmal so, dass Ihr Euch nicht gut konzentrieren könnt? Bei der Gymnastik sollte ich letzten Donnerstag einen Ballon mit dem Finger balancieren, während ich gleichzeitig wie ein Storch durch den Raum staksen sollte. Das waren nur 2 Aufgaben, aber schwer genug. So möchte ich Euch heute im Wesentlichen auch nur 2 Dinge lehren und mit auf den Weg in die Woche mitgeben, 2 Sätze:

  1. Einen Zuspruch: Gott liebt und hilft uns bedingungslos!
  2. gleichzeitig einen Anspruch: Dieser spirituelle Reichtum verpflichtet, andere gleichberechtigt an den Früchten dieses Glaubens teilhaben zu lassen!

Was hat das mit der Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus zu tun. Dort scheint es doch um Nahrung und Geld zu gehen?! Wie war der reiche Mann gekleidet? Das Leinen war die Kleidung jüdischer Priester. Der Purpur war die Kleidung der Könige. Der reiche Mann symbolisiert das ganze untergegangene Juda mit seiner spirituellen und politischen Kraft. In den Gleichnissen vom verlorenen Sohn bis zum reichen Kornbauern geht es Jesus nicht allein um Geld. Er richtete seine Reden an die Pharisäer und die wussten als gelehrte Theologen gleich, dass sie gemeint waren. Nur sie verkörperten symbolisch das reiche untergegangene Juda mit seinen theokratischen Königen und gotteserfahrenen Propheten, reich vor allem an religiöser Erkenntnis. Diesen Reichtum zu verkörpern und zu pflegen, sahen die Pharisäer als ihren Anspruch an. Sie waren mit dem reichen Mann gemeint. Und der Lazarus, für wen stand er damals in dem Gleichnis? Er symbolisierte das Volk, das spirituell hungerte. Aus seinen Wunden lief Eiter, das antike Symbol für Sünde. Wer waren die Hunde? Sie waren das oft zitierte Symbol für die heidnischen Völker. „Und doch essen die Hündlein, was von der Herren (der Kinder Israels) Tische fällt“ sagt die Heidin, die Jesus um Heilung ihrer Tochter bittet. Was tun die Hunde? Sie kümmern und sorgen sich um die Verletzungen, die Wunden des Lazarus (denn dem reichen Mann scheint die Gesundheit des Armen egal zu sein) und sie haben Anteil an dem, was aus den Wunden fließt. Wer sind die Brüder des reichen Mannes? Logischerweise nennt Abraham seinen Nachfahren, den reichen Mann, „Mein Kind“. Die 5 Brüder haben doch Mose und die Propheten. Es sind die 5 Brüder Judas. Die Pharisäer legten die 5 Bücher Mose im sogenannten Talmud aus. Das war eine Gesetzessammlung, die sie sich erdacht haben, um lebensnah bis in die kleinsten Details des jüdischen Alltags hinein die Treue zu Gott zu pflegen. Diese Gesetze einzuhalten, war so kompliziert und weltfremd, dass es die meisten Menschen überforderte und damit in die Reihe der treulosen Sünder stellte. So diskreditierend waren die Schriften der Thora aber nicht gemeint. In den heiligen Schriften wird bezeugt, dass Gottes Barmherzigkeit und Gnade nicht an Bedingungen geknüpft ist. Mose z.B. hatte einen Sklavenaufseher getötet. König David z.B. hatte seinen Hauptmann in einen tödlichen Kampf geschickt, um dessen Frau zu nehmen. Beide waren keine durchweg treuen und ehrbaren Leute und trotzdem waren sie die geliebten Geschöpfe Gottes, mehr noch: die Auserwählten zum Heil des Volkes. Die Pharisäer aber hielten nur sich selbst für berechtigt, auserwählt zu sein. Sie entzogen dem spirituell ausgehungerten Volk die spirituelle Nahrung, jene Gewissheit, ebenfalls von Gott geliebt und gebraucht zu sein. In dem Gleichnis sagt Jesus aber, dass die Sünder in Abrahams Schoß sitzen, dem Vorfahren Judas. Gott freut sich mehr über das bei Abraham Zuflucht nehmende Volk, das wiedergefundene Schaf, den verlorenen Sohn, als über die brave Herde oder den neidischen Bruder, der angepasst und gehorsam ohne Respekt gegenüber dem verlorenen Sohn funktioniert.

Befindet sich der Reiche in der Hölle? Nein! Zu Zeiten Jesu gab es die Vorstellung von einer Hölle noch nicht. Man kam ins „Totenreich“. Dort gab es keine Erkenntnis und keine sinnliche Wahrnehmung und keinen Körper, denn der zerfiel ganz offensichtlich zu „Staub“. Lazarus und der reiche Mann waren also nicht wirklich tot. Vielmehr zeigt das Bild ihr Verhältnis zu Gott.

Lazarus heißt vom Wortstamm her „Gott hilft“ – Er tut dies bedingungslos, weil er vorbehaltlos liebt. Diesem Glauben entspricht die hochmütige Gesinnung der Pharisäer nicht. Diesen Reichtum des Glaubens sind sie dem Volk schuldig geblieben! –

Heute fragen manche: Ist einer mit charakterlichen Mängeln würdig, z.B. das Abendmahl zu leiten? Müssen da nicht erst Bedingungen erfüllt sein? Auf moralische Leistungen die Verbindung zu Gott aufzubauen, führt nicht in die Nähe des Ursprungs von allem, z.B. in Abrahams Schoß. Mein leiblicher Vater, ein überzeugter Christ, sagte mir, weil ich danach fragte, dass auch ein geistig behinderter Mensch predigen könne und dürfe. Das war wunderbar, und ich danke meinem Vater dafür. Er war übrigens Theologe.

Dass Menschen ihre „Daseinsberechtigung als Kinder Gottes“ an Bedingungen knüpfen, ist verständlich. Alle höher entwickelten Säugetiere überleben nur, wenn sie jene Regeln der Herde, des Rudels, der Eltern lernen und beherzigen, die just in der Familie und Situation nach der Geburt das Überleben, die Daseinsberechtigung sichern und damit das Überleben der Art, der christlichen Religion oder des Volkes. Ansonsten sind sie zum Sterben verdammt. Psychotherapie und Philosophie mag helfen, die Anpassung an eine längst vergangene Lebenssituation in Frage zu stellen, aber allein die Religion kann diese Muster der Verdammnis radikal durchbrechen, auflösen und Menschen existentiell befreien. So komme ich nun auf die 2 Merksätze vom Anfang der Predigt zurück und mehr als diesen Zuspruch und Anspruch des Gleichnisses brauchten die Pharisäer und braucht Ihr Euch nicht zu merken:

Zu glauben, dass Gott uns bedingungslos liebt, macht Dich reich, ermöglicht Dir und verpflichtet Dich zugleich, andere an den reichlichen Früchten dieses Glaubens bedingungslos und gleichberechtigt teilhaben zu lassen.

AMEN

 

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