[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Trost ohne Zynismus oder Moralin

Predigt MCC Köln 6. März 2016
Manfred Koschnick

2. Korinther 1,3-7: „Dank für Gottes Trost in Trübsal“

Während die griechischen Götter Menschen hintergingen und unberechenbar launische Scherze auf Kosten der Menschen trieben, entwarf Paulus in den Urgemeinden einen anderen antiken Mythos. „Gott liebt die Menschen so sehr, dass er seinen einzigen Sohn, quasi einen Halbgott, (später als Teil des Göttlichen definiert) für sie opferte und die Menschen verschonte“.

Dieser christliche Gegenentwurf zur antiken Götterwelt war revolutionär und unendlich tröstend. Stellt Euch einen Mörder vor, der denkt, dass er durch die Tat sein Lebensrecht verwirkt hat. Ein dauergrinsender Kuschelgott, wie er heute gern in ein paar etwas infantilen Gottesdienst- Schlagern oder christlichen Popsongs gelobpreist und verkündet wird, würde diesem menschlichen Drama nicht gerecht. Der Mörder fühlt seine Tat nicht geachtet und korrekt bewertet. Da muss schon eine tiefere Tragik bemüht werden, ein Bild, in dem sinnloser Tod einen Sinn bekommt. Dies geschieht in der Opfertheologie. Dem Gerechtigkeitssinn des Mörders entspricht, dass ein Mensch zur Strafe gekreuzigt werden könnte. Soweit so gut. Aber in diesem christlichen Mythos muss nicht der Mörder gekreuzigt werden, sondern Jesus lässt sich an seiner statt kreuzigen – für alle Sünden dieser Welt. Marianne hat dies in ihrer hervorragenden Predigt so erklärt, dass Jesus die Funktion eines Priesters innehat, der aufgrund seines hinreichen sündenfreien Lebens bei Gott einen Stein im Brett hat und daher besser für den Sünder Gnade erbeten und erwirken kann als der Sünder. Reicht dies den Göttern nicht, kann mit einem Opfer nachgeholfen werden- im schlimmsten Sündenfall mit einem Menschenopfer. Das ist so ungeheuer tröstend. Der Mörder darf weiterleben, denn Jesus hat für dessen Schuld gebüßt.

Paulus schreibt im vierten Kapitel des zweiten Korintherbriefes:

„Wir sind von allen Seiten bedrängt, – aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, – aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, – aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, – aber wir kommen nicht um.
Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.

Paulus behauptet, dass wir von Gott in Christus getröstet sind und den Trost einander weitergeben sollen. Es gäbe, so meint er, keinerlei Trübsal ohne Trost. So sollen wir in Geduld die Trübsal und den Trost hinnehmen, denn die Doppelgesichtigkeit des Lebens in Trübsal und Trost geschieht durch Christus zu unserem Heil:

Selig sind die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.

Nun gut, falls Paulus Recht hat, wie aber tröstet denn der unsichtbare Gott durch Jesus, diesen Menschensohn? Und wie können denn wir Christen einander trösten?

Jesus spricht im Evangelium nach Matthäus im Kapitel 5:

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.…

Matthäus 5,3-6

Der heilige Paulus, wie die katholische Kirche ihn nennt, bezog sich auf die Anfeindungen, denen Christen ausgesetzt sind. Neulich wurde Kardinal Marx heftig kritisiert, weil er getreu seinem Glauben behauptet hatte, auch in Flüchtlingen sähen wir das Angesicht Gottes. Ein CSU-Politiker behauptete, diese Behauptung sei eine politisch gemeinte moralische Erpressung. Nicht akzeptabel!

Christen sind in diesem 21. Jahrhundert ständig in der Beweisnot, nicht als ein (heute) sogenannter naiver Gutmensch identifiziert zu werden. Unter intelligenten Leuten müssen sie sich fast für ihren Glauben entschuldigen. Glaubende gelten vielerorts als ewig gestrige, bürgerliche konservative Trottel, herausgefallen aus der Gegenwart des 21. Jahrhunderts. Sich als schwul zu outen ist in liberalen Kreisen einfacher, als seinen (privaten) christlichen Glauben zu outen. Zumindest muss dann rasch ergänzt werden, dass man ja auch nicht alles richtig findet, was „die Kirche“ sagt und tut. Dabei bleibt meist offen ob die katholische oder evangelische Kirche gemeint ist. Wenn der (katholische) Papst einen Fehlermacht, treten regelmäßig viele aus der evangelischen Kirche aus. Aber wenn für Gegner der Kirchen der Vatikan die Hölle ist, ist der protestantische Rest für die Gegner ohnehin auch schon ein Vorhof zur Hölle. Christen sind heutzutage weltweit übrigens tatsächlich die am stärksten unterdrückten Gläubigen!

Zu Zeiten des Paulus war die Christenverfolgung besonders schlimm und gefährlich. Sie war Teil des christlichen Lebens. Daher brauchten die Menschen in ihrer „Bedrängnis um Christi Willen“ Trost in Bedrängnis und Verfolgung! Ich war es Paulus schuldig, die Hintergründe des biblischen Textes so ausführlich darzustellen.

Ich möchte heute den Begriff TROST jedoch ausweiten auf alles was einer Kummer bereiten könnte, sei es der Tod des Schoßhündchens, Kopfschmerzen oder die Versklavung muslimischer Frauen durch den IS, Stress im Büro, Impotenz oder die Tötung Homosexueller im Iran. Jeder braucht Trost, denn jeder erleidet Kummer irgendwo irgendwann. Es steht Christen nicht zu, den Kummer moralisch auf- oder abzuwerten. Das obliegt Gott.

Agnostiker lesen die Antworten z.B. in der Charta der Menschenrechte. Jens liest liest uns heute jedoch Verse der Bibel vor.
Es sind dies 3 Themen, auf die Jesus Antworten geben konnte:

Das 1. Thema: Würde,

denn ihnen gehört das Himmelreich.

Das 2. Thema: Lebenssinn

Gerechtigkeit

Das 3. Thema: Lebensqualität

sie werden das Erdreich besitzen.

Es reicht nicht, dass Menschen ihr Leben für sinnvoll halten, dass sie für Gerechtigkeit und eine humane Politik kämpfen, dass sie frei sind. Gerade jene, die sich sinnvoll und sinngebend für andere aufopfern, verzweifeln manchmal und brennen innerlich aus, sie verdursten geistig und hungern emotional. Es muss also auch die berechtigte Hoffnung geben, dass das Leben auch lebenswert, also angenehm, beglückend, sicher und relativ angstfrei sein kann. Darum sollten alle das Erdreich besitzen und keiner davon ausgeschlossen sein.

Bis zu einem Gehalt von 5000 Euro steigt das Glücksempfinden der Besitzenden. Ab 5000 Euro steigt es aufgrund des Geldes nicht mehr, sagt die Wissenschaft. Oxfam stellte fest: „Lange dauert es nicht mehr, dann gehört dem reichsten 1 Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des gesamten globalen Privatvermögens. Die übrigen 99 Prozent müssen sich dann mit dem Rest, (den 50%) begnügen – und der schrumpft weiter.“ Wenn dies nicht so wäre, besäße also jeder genug, um abgesichert zu sein, in Urlaub fahren zu können, gesund essen zu können, Kulturangebote nutzen zu können.

Dass es philosophisch fast unmöglich ist, in Gott den Sinn des Lebens zu finden, habe ich in einer früheren Predigt dargelegt. Dem Glücklichen ist der Sinn des Lebens jedoch „wurscht“! Darum singen wir jetzt das Lied „Lobe den Herren“. Es ist m. E. das Lied der Gesunden, der Wohlhabenden, der Erfolgreichen und Schönen, denen es an nichts mangelt, also z.B. der glücklichen gebildeten oberen Mittelschicht, die wesentlich die Kultur der evangelischen Kirchen geprägt hat. Von Geburt an Behinderte und Arme werden das Lied vielleicht nicht mitsingen wollen, weil ihre Lebenserfahrung eine andere ist, es sei denn, sie wollen sich mit den Besitzenden identifizieren.

LOBE DEN HERREN

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören.
Kommet zuhauf, / Psalter und Harfe, wacht auf,
lasset den Lobgesang hören!

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,
der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,
der dich erhält, / wie es dir selber gefällt;
hast du nicht dieses verspüret?

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
In wie viel Not / hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet!

Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet,
der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.
Denke daran, / was der Allmächtige kann,
der dir mit Liebe begegnet.

Die Sinnfindung hat zwei Drillingsschwestern, die gelungene beglückende Beziehung und die erkämpfte Freiheit. Sind alle Beziehungen abgebrochen, auch die zu uns selbst, beginnt die endlose quälende Einsamkeit, ein inneres Gefängnis ohne Freiheit und zeitgleich wie ein Zwilling die Frage ob das Leben überhaupt noch einen Sinn hat.

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach:„Siehe, ich mache alles neu!“

Offenbarung des Johannes 21,4-5

Beziehung in Freiheit bzw. Lebenssinn und Lebensqualität sind die Voraussetzungen dafür, dass wir die uns durch Gott zugesprochene Würde als Gotteskind auch spüren können. Beobachtet mal, wenn Leute Euch von ihren Problemen erzählen – immer geht es (tief geschaut) letztlich um ihre Würde bzw. darum, die Würde nicht zu verlieren. Würde ist „der Achtung gebietende innere Wert eines Menschen und die ihm deswegen zukommende Bedeutung“ (nach WIKIPEDIA). Jesus drückt es so aus:

Ihnen gehört das Himmelreich!

Unsere Kinder fragen wir niemals nach dem Sinn ihres Lebens. Wir schauen ihrem fröhlichen Spiel zu, schauen freundlich, barmherzig, hoffnungs- und liebevoll auf sie, und dann taucht die Frage nach dem Sinn des Lebens gar nicht auf.

„Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solche sind des Reiches Gottes“

Dies gilt auch für den Umgang mit Dir selbst und Deinem inneren Kind. Wenn Du barmherzig Dich selbst liebst, hört auch Deine Sinnkrise auf. Dies gilt sogar beim Sterben!

Paulus schreibt: „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?“
Und er fährt fort:
„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“

Brief an die Römer 8,35-38

Auch hier wird der Sinn in einer unvergänglichen Verbundenheit zweier Wesen erkannt, …
der Beziehung Gottes zu den Menschen. Diese Beziehung hilft, die eigene Würde zu entdecken und ehrt den Glaubenden.

Dagegen: Wenn der Seelsorger ein von der Gemeinschaft unerwünschtes Verhalten bloßlegt, und einer Familie zuordnet, selbst wenn das Gesagte fromm und theologisch richtig klingt, entehrt er diese. Dann ist da keine Liebe. Dann brauchen wir Trost. Mit Stecken und Stab vertreibt man die Wölfe von der Schafsherde.

Dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde…
(der 23. Psalm)

Dann braucht man wenigstens einen Helfer, der die Ehre wieder herstellt, verteidigt, den Seelsorger anklagt und die Familie oder den Einzelnen wegen mildernder Umstände freispricht, oder die Gesetze in Frage stellt, nach denen jemand verurteilt wird – oder sich selbst verurteilt.

Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!

Und wieder bückte er sich nieder und schrieb auf die Erde. 9 Als sie aber dies hörten, gingen sie, einer nach dem anderen, hinaus, angefangen von den Älteren; und er wurde allein gelassen mit der Frau, die in der Mitte stand (die man des Ehebruchs beschuldigt hatte). 10 Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: „Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt?“
11 Sie aber sprach: „Niemand, Herr“. Jesus aber sprach zu ihr: „Auch ich verurteile dich nicht“!

Dann brauchen wir besonders für die ganz großen Nöte vielleicht sogar solchen Gott, die in ihrer Menschwerdung, uns wahrer Mensch und wahrer Gott, also unvermischt und ungetrennt von beiden Wirklichkeiten in beiden zu Hause ist: Na, ich meine diesen „Jesus Christus“, der solidarisch den von allen verachteten korrupten jüdischen „Steuereintreiber der Römer“ einfach als Mensch, als Suchenden auf dem Baum sitzen sah und für alle hörbar rief:

„Zachäus – komm‘ vom Baum herunter. Ich muss heute Dein Gast sein!“

Unser Religionsstifter zeigt uns hier die zärtliche Göttlichkeit Gottes in der Menschlichkeit der Menschen. Wie auch immer Euch Gott begegnet ist, er hat Euch bereits in seinem Wort, in heilsamen Begegnungen mit anderen Menschen, in den Predigten und Kirchenliedern seine göttliche Antworten gegeben (auch auf die 3 wichtigsten Themen Begierde, Tod und Gewalt in ihren vielen Erscheinungsformen),
…jedem von Euch irgendwann mal –
ganz speziell! …
vielleicht als Trost in einem Weihnachtslied, z. B. einem Lied von Paul Gerhardt. Etwa so wie heute in Syrien sah es damals während des 30jährigen Krieges für Paul Gerhard in Deutschland aus. Angesichts des Terrors der Landsknechte wollte P. Gerhard trösten. Die Melodie ist noch älter. Sie geht auf Martin Luther zurück:

Ich lag in tiefster Todesnacht… Du wurdest meine Sonne, …die Sonne, die mir zugebracht: Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht‘, wie schön sind deine Strahlen!

Diese Worte können so trösten, dass Gott selbst in den alten Kirchenliedern zum Ausdruck kommt.
Ich möchte in diesem liturgischen Gottesdienst an Gottes tröstende Antwort

  • der Würde,
  • des Sinns und der
  • Verheißung eines erfüllenden Lebens

erinnern und lehren, sie einander zu zusprechen.

Wir singen gemeinsam ein Lied über gemeinsame Gefühle der Gefangenschaft, Einsamkeit, Sinnlosigkeit und den Trost.

Meine Zeit steht in deinen Händen
Nun kann ich ruhig sein, ruhig, Herr, in dir.
Du gibst Geborgenheit,
du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz,
mach es fest in Dir.

Sorgen quälen und werden mir zu groß
Mutlos frag ich: Was wird morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los
Vater, du wirst bei mir sein.

Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb
nehmen mich gefangen, jagen mich.
Herr, ich rufe: komm und mach mich frei!
Führe du mich Schritt für Schritt.

Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn.
Hilflos seh’ ich, wie die Zeit verrinnt.
Stunden, Tage, Jahre gehen hin,
und ich frag’, wo sie geblieben sind.

Predigten sind manchmal nur Worte, die nur den Verstand beschäftigen. Beherzigst und glaubst du aber diesen göttlichen Trost, entsteht die Auferstehung Christi in dir selbst.

„Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium.“

…aus dem 2. Brief des Paulus an Timotheus Kapitel1, Vers 10

Menschen brauchen Trost, doch manche haben das vergessen. Ob Menschen nach Trost suchen, hängt u.a. davon ab, wie bewusst ihnen der Schmerz oder die Verzweiflung ist und ob es noch Hoffnung gibt.

Seelischer Schmerz versteckt sich gern hinter Wut, Resignation, Hass, Klagen und Jammern, sportlicher Betätigung, betonter Heiterkeit, Clownerie, martialischem Machogehabe und Depression als Gefühl der Gefühllosigkeit.

Starker körperlicher Schmerz kann durch Ablenkung, Morphium, Psychotherapie, in den Hintergrund treten, ist aber meist noch terroristischer als seelischer Schmerz. Er tötet alles. Darum ist er bei Folter so effektiv.

Es soll Seelsorger geben, die nun sagen:

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben,
alle Dinge zum Besten dienen.

Dieser Vers aus dem Brief des Paulus an die Römer Kapitel 8, Vers 28 kann in der falschen Situation verdammt zynisch klingen. Er wird dann so missverstanden, dass, wer oder wen Gott liebt, nur gutes widerfahren wird. In Wahrheit waren die berühmten Gottliebenden der christlichen, aber auch der jüdischen und islamischen Geschichte immer Schmerz ausgesetzt. Manchmal bleibt uns der Trost im Halse stecken – und das ist auch gut so. Manchmal sind nämlich Morphium oder Cannabis wirksamer als der frömmste Trost!

Aber mit den Worten des Paulus an die Römer Kapitel 8, Vers 28 ist gemeint, dass Gott treu zu lieben auch über grausame Schicksalsschläge hinweghelfen kann „ like a bridge over troubeld water“, wie eine Brücke über dem Abgrund.

Was sind die Anlässe für Trauer und Schmerz:

Seelischer Schmerz und seelische Verzweiflung entstehen, wenn positive Erwartungen durchkreuzt werden. So sagten die Emmaus-Jünger:

Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.

Hört Ihr den Schmerz hinter den Worten?

Viele gerade unbewusste Erwartungen sind illusionär, z.B. die, dass mein Leben auf der Erde irgendwie immer weiter geht. Maria Furtwängler sagte im Interview:

„Das Alter ist eine permanente Kränkung. Eine einzige Demütigung! Eine große Unverschämtheit….“

Dass wir sterben müssen, empört viele im Innersten. Furtwängler fährt dann halb resigniert, halb trotzig fort:

„Und doch ist die einzige Chance, nicht alt zu werden, früh zu sterben. Dann doch lieber alt werden“

Dass Krankheiten Teil des Lebens sind, empfinden viele als beängstigend ungerecht.

Warum gerade ich?! Als Kind und Teenager hatte ich so viele Hoffnungen. Krankheit war doch gar kein Thema. Das Leben ist ein mieser Verräter!

Dass die meisten von uns nicht wegen ihrer selbst gemocht werden sondern wegen der Vorteile, die andere von ihnen haben, das kränkt. Man nennt es narzisstische Kränkung. Aber es ist leider normal, dass jemand aufgrund von Eigenschaften geliebt oder abgelehnt wird. Gott sei’s geklagt, sind die Gründe meistens sehr banal. Eigenschaften trennen oder verbinden uns. Dass ich nicht so reich oder glücklich wie die andere bin oder wenigstens so reich und glücklich wie ich es selbst für mich gerne hätte,

(schließlich hat doch jeder Mensch ein Recht auf Glück)

ist auch ein häufiger Grund für Schmerz, Trauer und Verzweiflung.
Körperliche Leiden werden als Übergriff auf unsere körperliche und seelische Integrität verstanden. Man protestiert gegen die Schmerzen aber erfolglos. Das tut weh. Hiob klagte:

6»Wenn ich rede, wird mein Schmerz nicht gelindert, und wenn ich’s unterlasse – um was werde ich erleichtert? (7 … 8) und mein Siechtum (oder: meine Verlassenheit) tritt gegen mich auf, klagt mich ins Angesicht an.

Die ständigen Niederlagen und die Ungewissheit, ob und wann der Schmerz zurückkommt, lassen verzweifeln. Es ist die Vergeblichkeit unter der Menschen leiden. Irgendwann kann eine Frau auch mit noch so viel Schminke ihr Alter nicht mehr verbergen. Nachweislich sinkt instinktgebunden ihre Anerkennung unter Männern und kulturell bedingt auch die auf dem Arbeitsmarkt und dann ist das häufig ganz vergebliche Liebesmüh.

Es ist traurig…, jugendliche Schönheit ist irgendwann für immer verloren. Ein bedeutsamer Teil der Frau ist schon gestorben, tot! lebt nur noch in der Erinnerung. Versuchte sie nun, um Anerkennung zu erheischen, durch sehr viel Botox und Schminke ein falsches Bild von sich zu entwerfen, ist der Ausdruck ihrer Würde in Gefahr.

Gemeinsam schauen wir uns die neuen Altersflecke genauer an, die pergamentene Haut, knitterich ohne Fettschicht. Gemeinsam spüren wir, dass diese Haut noch sensibel fühlen kann. Gemeinsam kann man es ertragen mit Respekt und in Sicherheit. So macht Freundschaft Sinn.
Deine Haut fühlt sich immer noch sehr gut an. Um zärtlich zu sein brauche ich kein faltenfreies Gesicht, sondern meine erfahrenen Hände. Nach der Menopause steigt anteilig der Testosteronspiegel. Das sollten die Männer dann aber mal erleben! Mit Dir möchte ich wirklich gerne alt werden. Wir werden dabei in einer Seniorenwohngemeinschaft oder einem Mehrgenerationenhaus viel Spaß und zu lachen haben.

Großes Herzeleid entsteht auch, wenn sich im Rahmen einer psychischen Erkrankung sich das Bewusstsein merklich verändert. Dann verändert sich die gewohnte Bedeutung der Menschen und Dinge um einen. Der Abstand zu Kollegen, Freunden und Familie erscheint z.B. sehr viel größer. Das Netz an Bezügen zwischen Menschen und Sachen lockert sich. Auch das Netz, das einzelne Gedanken miteinander verbindet und in eine logische Reihenfolge bringt, ändert sich. Dazu gehört das Zeitempfinden. Es herrscht große Unklarheit darüber, welcher Wochentag gerade ist, welche Jahreszeit und welches Jahr. Die Welt ist so kompliziert geworden, dass die zeitliche Orientierung ohnehin das geringste Problem ist. Tiefgreifender sind die Fragen:

„Spinne ich jetzt oder habe ich mir in der Vergangenheit etwas vorgemacht? Sehe ich in diesem beängstigenden Chaos die eigentliche Wirklichkeit? Träume ich jetzt oder habe ich bei meinem Normalbewusstsein immer nur geträumt? Waren meine Überzeugungen absolut subjektiv und willkürlich und mit keiner Realität verknüpft und habe ich auf diesen Träumen mein Weltbild aufgebaut, der jetzt zerplatzt wie eine Seifenblase?? Habe ich nur deshalb geglaubt, dass es mich als Individuum gibt oder dass die Welt Naturgesetzen unterliegt und dass es eine Raum-Zeit – Kontinuität gibt, weil das einfacher war, um gesund zu bleiben? Entbehren auch meine Hoffnung, mein Glaube und meine Liebe jeglicher echter Realität? Ist das alles nur Einbildung gewesen wie die Farben, die in Wahrheit nur unterschiedliche Lichtwellen sind?“

Wer dermaßen verunsichert ist, wie soll der getröstet werden? Auch Trost könnte doch Teil der großen Illusion sein! Die Trauer über den Verlust jeglichen Halts, jeglicher Erkenntnis und Überzeugung schmerzt bis in das letzte, das bis vor dem absoluten Wahnsinn noch bleibt. Und dennoch ist Trost in dieser Situation möglich!

„Ich verstehe, dass Du Angst hast, verrückt zu werden. Ich bin jetzt bei Dir und will Dir helfen. Was kann ich für Dich tun? Ich begleite Dich bis nach Hause. Dort kochen wir Deinen Lieblingstee wie immer und ich lasse Dich nicht allein mit deiner Angst!“

Die schmerzliche Frage des psychisch Kranken „Womit habe ich dieses Grauen verdient?“ ist genauso virulent wie beispielsweise bei der körperlichen Krankheit Krebs, nur dass evtl. in Frage steht, ob es das Ich, dem etwas widerfährt, überhaupt noch gibt.

Ist das eigentliche sogenannte Selbst in Wahrheit nicht nur die wabernde sich ständig verändernde Relativität in einem unübersichtlichen System von konstruierten Bezügen und Beziehungen?

So gibt es viele weitere Beispiele. Der Vortrag würde zu lang, wollte ich sie ergänzen!

Ich will Euch mit all den Beispielen zeigen, dass Eure Probleme und Kümmernisse wahrscheinlich nicht immer so originell sind, wie Ihr es empfindet, denn alle Menschen brauchen Trost aus häufig denselben Gründen. Die Gründe liegen auf der Hand, sie hängen damit zusammen, dass wir alle nur Menschen sind. Man muss nicht lange suchen, – auch nicht lange nach einem Anlass suchen, andere Christen und Nichtchristen zu trösten oder sich trösten zu lassen. Auch muss es nicht um intimste Geheimnisse und Schuldgefühle gehen, wenn Christen einander trösten, so wie Paulus dies wünschte.

Ich bin traurig über den Klimawandel. Ich bin traurig über den ungerechten Rauswurf von Dennis Müller im Djungelcamp. Ich bin traurig darüber, dass es regnet. Ich bin stinksauer darüber, dass schon wieder Herbstzeit wird. Ich bin traurig dass ich keinen Sex habe. Ich bin traurig, weil meine Lieblingsserie im Fernsehen nicht mehr läuft. Ich bin ängstlich, weil ich zu dick bin und verzweifelt, weil meine Oma gestorben ist….

Fürbittengebet:

Viele bedrückt das Asylthema in Deutschland. Gott wie Du uns mütterlich begegnest wie eine Göttin, tröste und, damit wir diese Welt ohne lähmende Angst aushalten und nach Deinem Willen gestalten.
Jesus wir bitten Dich!

Bitte verhindere durch Menschen aller Religionen, dass das Leidensgeschichte der Menschen in Kriegsgebieten und auf der Flucht nicht überdeckt wird von parteipolitischen Diskussionen um Obergrenzen und zu einer Zahl in der Statistik wird. Manchmal brauchen wir Trost, um nicht zu verzweifeln.
Jesus, wir bitten Dich!

Gott unsere Gesellschaft ist auch in ihrer Mitte tief gespalten in Willkommenskultur einerseits und Fremdenhass andererseits. Es droht eine Regierungskrise. Der demokratische Konsens ist bedroht. Hilf uns, die dahinterliegenden eigenen Ängste offen anzusprechen und nicht an den Asylsuchenden festzumachen. Manchmal brauchen wir Trost, um nicht zu verzweifeln.
Jesus, wir bitten Dich!

Lass die Politiker menschenwürdige Alternativen für Geflüchtete finden, falls Deutschland oder Europa seine Grenzen schließt. Christus erhöre uns!
Wo auf internationaler Ebene über die Konflikte im arabisch-persischen Raum, das Problem der Kurden mit der Türkei und die Bekämpfung des IS verhandelt wird, da lass den Heiligen Geist die Menschen zu vernünftigen Einsichten gelangen. Manchmal brauchen wir Trost, um nicht zu verzweifeln.
Jesus, wir bitten Dich!

Rette die christlichen Werte der Gerechtigkeit, der Nächstenliebe und individuellen Menschenwürde des christlichen Abendlandes vor denen, die sie angeblich zur Rettung des Christl. Abendlandes zugunsten von Nationalismus, Rassismus und autoritären Staatsformen abschaffen wollen. Manchmal brauchen wir Trost, um nicht zu verzweifeln.
Jesus, wir bitten Dich!

Zeige, wie und wo jeder seinen eigenen Beitrag zum Frieden tatsächlich leisten kann, Frieden für Homosexuelle im Iran und Saudi-Arabien, Schwarzafrika oder auf den Malediven, Frieden für Transgender besonders in Südamerika und Südafrika. Manchmal brauchen wir Trost, um nicht zu verzweifeln.
Jesus wir bitten Dich!

Immer wieder höre ich, dass der wichtigste Trost der ist, nicht allein zu sein und einen solidarischen, geduldigen Zuhörer zu erleben. Und wenn wir einen annehmenden fürsorglichen, geduldigen Zuhörer gefunden haben, vor dem wir unsere Zweifeln, Fragen und Irrtümer nicht rechtfertigen müssen, dann scheint durch diesen Zuhörer etwas größeres hindurch, nämlich Gott in unserem Bruder Jesus Christus, der mich so annimmt und will wie ich bin.

Jesus (nachts in Gethsemane) hatte nur den einen Wunsch:

Bleibt gemeinsam mit mir wach und betet, wie ich auch selbst bete und wache – tut es selbst dann, wenn ich mich in meiner Angst zurückziehe!

Ich habe in der Bilderbibel vor dem Altar die Seite aufgeschlagen, die den Blick Jesu in den menschenleeren Garten zeigt.

Ich glaube an einen Gott, der mich so will, wie ich bin, und wie ich werden möchte.
An einen mütterlichen Gott glaube ich,
die mich hervorgebracht hat, die will, dass ich zu meinem Recht komme zusammen mit allen meinen Schwestern und Brüdern und die mir in schwierigen Zeiten Trost spenden will.
An einen väterlichen Gott glaube ich,
der mich begleitet mit seiner Nähe und Wärme
und mir Mut zuspricht, weiterzugehen.
Ich glaube an einen elterlichen Gott,
der der Grund der wunderbaren Vielfältigkeit der Geschöpfe ist. In dieser Vielfältigkeit erkenne ich die Allmacht der Liebe.
Weil ich mein Leben von Gott gegeben und bejaht weiß, will ich es in Verantwortung vor ihr führen.
Zu diesem Glauben werde ich von Gott selbst begeistert. Er gibt mir immer wieder Mut,
wenn ich in Resignation zu verfallen drohe.
Ich erfahre, dass ich nicht alleine bin.
Ich glaube und hoffe, dass ich auch Irrwege in meinem Leben gehen kann, die Umkehr offen lassen.
Ich möchte die Liebe siegen sehen über alles, was Leben tötet.
Bis in alle Ewigkeit, so glaube ich, wird Gott das Leben bewahren.

Wir singen jetzt gemeinsam:

Keiner ist wie du! Wo auch immer ich noch suchte, o Gott, es bleibt: keiner ist wie du!

Erbarmen fließt wie ein weiter Strom,
und Heilung strömt aus deiner Hand.
Kinder mit Wunden sind sicher bei dir.
Keiner ist wie du!

Warum kann mir trotzdem keiner helfen?

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine Kreatur
kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Der Brief des Paulus an die Römer 8,38-39

Trotzdem! Viel Zeit und Kraft verwenden wir darauf, den Schmerz nicht zu spüren. Die Drogenabhängige, die Spielsüchtige, die Sexsüchtige oder Alkoholikerin riskiert lieber die eigene Existenz als den Schmerz zu fühlen. Menschen haben große Angst vor seelischem Schmerz. Die Opfer, die sie im Kampf gegen die Bewusstwerdung des Schmerzes erbringen, sind groß und subjektiv gesehen gewissermaßen heldenhaft, ein Eizelkämpferkampf zumeist.

Selig sind, die da Leid tragen,
denn sie sollen getröstet werden.

Das Evangelium nach Matthäus 5,4

Männer sind zunächst noch stolz darauf, nicht zu weinen und am Spielautomaten die Hoffnung nicht aufgegeben zu haben. Sie würden sich schämen, würden sie sich dem Schmerz stellen müssen und weinen. Dann wäre alles umsonst gewesen… das Geld am Spielautomaten und die Unterdrückung des Schmerzes, …vergeblich, verloren!

Wer einfühlsam trösten will, läuft Gefahr, gerade als Vertreter der „feindlichen Seite“, des Schmerzes, wahrgenommen zu werden. Wenn er aber sagt, es sei doch alles gar nicht so schlimm, missachtet er die schweren Opfer des Leidenden im Kampf gegen die Wahrheit. Äußert er Verständnis, klingt das wie Anmaßung und Einmischung.

„Tröstet, tröstet mein Volk“, spricht der Herr.

„Du darfst mich nicht verstehen, weil Du dadurch die einsame Einzigartigkeit und Größe meines Schmerzes und meiner Opfer verhöhnen würdest. Mein Leiden hütet außerdem ein wichtiges Geheimnis, das geschützt werden will!“.

Die schrittweise Vereinsamung und Trostlosigkeit ist ein sehr komplexer Vorgang, bestehend aus ineinandergreifenden Teufelskreisen, (sozial, hormonell, politisch, neurologisch, ideologisch, psychisch usw.) und abwärts gerichteten Spiralen, oft die einzige noch beständige Struktur, die im trostlosen Leben bleibt. Das ist bitter! Darum kann häufig keiner helfen. Wenn wir nach Gottes Heilsplan und des heutigen Bibeltextes einander trösten sollen, ist das also manchmal verdammt schwer,

…aber wenn wir uns entsprechend seines Heilsplans trösten lassen sollen (2. Korinther 1,3-7), ist das auch verdammt schwer und erfordert Mut!

Bibellesung: (2. Korinther 1,3-7)

3)Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
4)der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.
5)Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.
6)Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu
Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, der sich wirksam er-weist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.
7)Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben

Beherzigst und glaubst du diesen göttlichen Trost, entsteht die Auferstehung Christi in dir selbst! Amen.

 

Anmerkung zu “Trost ohne Zynismus oder Moralin

  • Manfred Koschnick sagt:

    Als Prediger in diesem Gottesdienst danke ich Ines-Paul Baumann, dass er in der digitalisierten Form für unsere MCC-Komepage einige kleine Präzisierungen und Vereinfachungen vorgenommen hat, die die schriftliche Form der Predigt für den Leser überschaubarer und verständlicher machen. Die in Rahmen gesetzten Beiträge, z.B. Bibelzitate, wurden von Gemeindemitgliedern gelesen. Alle Redner hatten keine festen Plätze (Standorte), sondern gingen teilweise während der Lesens durch die Kirche. Dafür waren die sonst gewohnten Stuhlreihen entfernt worden. Es gab nur so viele Stühle wie Gottesdienstbesucher im Raum. So entstand trotz des langen Textes ein wenig Abwechslung, um die Konzentrationskraft der Zuhörer zu unterstützen. Wenn man das weiß, kann man sich das sinnliche Erlebnis der Predigt besser vorstellen.MANFRED KOSCHNICK

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