[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.

Predigt MCC Köln
Ines-Paul Baumann

Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.

Sie hatten gute Gründe dafür.

Zu lange haben zornige Männer aus Gott einen zornigen Mann gemacht.

Zu lange sollten die Schwachen die Starken fürchten, die mit Zorn drohen, statt Gott zu fürchten und anderen Menschen aufrecht gegenüber zustehen.
Zu lange sollten Menschen sich vor sich selbst fürchten.
Zu lange sollten Menschen sich nichts mehr trauen, statt sich und Gott und ihren Mitmenschen etwas zuzutrauen,
sollten sie sich misstrauen, statt sich und Gott und ihren Mitmenschen zu vertrauen.
… Zu lange regierte fremde Wut über jeglichen eigenen Mut.

Zu lange war zu viel heiliger Zorn eine Ausrede für zu viel unheiligen Zorn.

Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.


Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.

Jetzt ist Gott die Liebe, reine sanfte geduldige Liebe.
Gott meint es ja nur noch gut-mütig mit allen Menschen.

Wer stellt sich denen entgegen, die sich dieser Liebe in den Weg stellen?
Wer oder was bleibt jetzt gegen die, die es nicht gut meinen?

„Dein Reich komme, dein Wille geschehe“- ist das jetzt nur eine Floskel? Ein frommer Wunsch? Hat Gott jetzt nur noch einen Willen, aber keinen Durchsetzungswillen mehr?

Na gut, aber dafür braucht es vielleicht keinen Zorn. dafür reicht doch auch Ärger. Oder noch besser, sachlicher Gerechtigkeitssinn. Besser keine Urteile im Zorn sprechen! Wie die Richter im Gericht: Sachlich, nüchern und gerecht. Ganz nach den Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten. Der Gang der Dinge. Die Folgen deines Tuns. Unausweichlich. Karma. Der Zwang des Fluchs. Alles ist miteinander vernetzt. Kein Entkommen, nur Logik und Abfolgen. Kein Zorn und keine Gnade. Keine Gefühlsduseleien.

Mit wem soll ich sie jetzt teilen, meine Wut, meine Angst, meinen Zorn, meine Klagen, mein Sehnen nach Gerechtigkeit?

Wer teilt die Verzweiflung des Kindes, das mit ansehen muss, wie seine Mutter vom betrunkenen Vater vergewaltigt wird?
Wer teilt die Angst der Frau auf dem Gehweg im Dunkel der Nacht?
Wer teilt das Entsetzen über Kirchenmänner, die sich an Gotteskindern vergreifen?
Wer teilt den Schmerz beim Anblick vor Hunger sterbender Kinder?
Wer teilt die Qual beim Anblick des hängenden Kopfes des wegen Schwulsein erhängten Jugendlichen im Iran?
Wer sorgt dafür, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist?
Wer stellt sich ihren Klagen, ihren Schmerzen, ihrer Verzweiflung, ihrer Wortlosigkeit, ihren Fragen, ihrer Resignation? Der Gott, den die Täter erst zum Einschüchtern benutzt haben, und dem sie jetzt nur noch den Aufruf zur Vergebung erlauben? Kein Wunder, dass die Opfer an so einem Gott kein Interesse haben. Sie haben ihnen Gott selbst genommen.

Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.


Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.

Zum Schweigen gebracht. Erst die Opfer.
Zum Schweigen gebracht, jetzt auch die Anklage.
Zum Schweigen gebracht, der Ruf nach Gerechtigkeit.
Zum Schweigen gebracht.
Mundtot gemacht.
Den Menschen im Leib tot gemacht.
Und dann: das Vergessen.

Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.


Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.

Gewalt hinterlässt ihre Opfer in Scham, Einsamkeit, Not.
Jetzt führt auch noch der Zorn auf die Gewalt zu Scham, Einsamkeit und Not.
„Du bist ein schlechter Christ! Du bist ein schlechter Mensch! Das darfst du nicht!“
Dürfen DIE jetzt alles?

Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.


Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.

Wer nimmt mir jetzt meinen Zorn weg?
Mein Zorn ist bei mir nicht in guten Händen.
Zu viel Schaden richte ich damit an. Reiße Wunden. Verletze diejenigen, die ich liebe – und diejenigen, die ich hasse, erst recht.

Wer nimmt mich in Schutz vor meinen Feinden?, das ist nur die eine Seite.
Wer nimmt meine Feinde vor mir in Schutz?

Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.


Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.

Mit wem soll ich meinen Zorn über mich nun teilen?
Meinen Zorn über meinen Zorn, über meine Fehler, meine Verstrickungen, meine Verlogenheit, meine Selbstgefälligkeit?
Wer vergibt mir jetzt, wenn niemand mehr meine Schuld begreift und ergreift?

Sie haben meinem Gott seinen Zorn weggenommen.


„Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“
(Röm 1,18)

So spricht Gott:
Ich will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben; und denen, die da Leid tragen, will ich Frucht der Lippen schaffen.
Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.
(Jes 57)

Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.
Ez 11,19 (36,19)

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