[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

Relativiert das alles die Bergpredigt?

Predigt MCC Köln 16. Okt. 2016
Manfred Koschnick

Epheser 6,10-17: „Die geistliche Waffenrüstung“

Und nun zu dem sehr alten Bibeltext dieses Gottesdienstes, der leider aktuell bleibt, solange es Gewalt unter Menschen geben wird. Der Satan ist ja nicht von gestern. Er globalisiert das Böse in der Welt – auch und wieder durch die Dummheit der Menschen (m.E. ein Teil der Erbsünde), welche ihre sündige Verstrickung in globale Zusammenhänge nicht verstehen und nicht glauben können. Und mit welcher Arroganz kommen die Dummen daher. Hitler war einfach dumm, als er gegen alle Erfahrung des  1. Weltkrieges  einen 2-Fronten-Krieg führte, dumm trotz der Erfahrung Napoleons Rußland erobern zu wollen. Und mit welcher Arroganz verachten viele die zeitgenössische Kunst, die sie nicht verstehen. Frauke Petri bestreitet öffentlich, dass Menschen Einfluß auf den Klimawandel haben und viele glauben ihr weil sie so dumm sind, dass sie sich für klüger halten als die Mehrheit der Wissenschaftler. Mit Gewalt meine ich z.B. die  Verschleppung und Versklavung liberal-muslimischer, jesidischer und christlicher Mädchen und Frauen (in seinem bösen, menschenverachtenden Geist und Sinn) durch die Terrorgruppe IS in Syrien und die Boku Haram – Sekte in Nigeria und im Norden Malis. Unter gläubigen Christen der westlichen Welt herrscht Einigkeit darüber, dass man diese teuflischen Terrorgruppen bekämpfen muss. Die verfolgten Christinnen und Jesidinnen bitten die rechtsstaatlichen Demokratien der westlichen Welt flehentlich darum. Noch immer sind 3200 Jesiden und Jesidinnen in der Gewalt des IS.  Also schicken wir Soldaten z.B. in die Dörfer im Norden Malis und kämpfen mit Gewehren und Panzern darum, die Frauen und Männer (unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit) zu befreien. Und sie werden ja wirklich frei – obgleich innerlich tief traumatisiert!

Zu biblischer Zeit gab es natürlich keine Gewehre und Granaten. Daher wirkt der folgende biblische Text altmodisch, obwohl er doch so aktuell ist. Ich lese ihn passend in einem lauten, veralteten, dennoch leider vertrautem  Sprechstil:

Brief an die Epheser, Kapitel 6, Verse 10–17

: „Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.  Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.  Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit  und an den Beinen gestiefelt, bereit einzutreten für das Evangelium des Friedens.  Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen,  und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.  Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen  und für mich, dass mir das Wort gegeben werde, wenn ich meinen Mund auftue, freimütig das Geheimnis des Evangeliums zu verkündigen, dessen Bote ich bin in Ketten, dass ich mit Freimut davon rede, wie ich es muss.“

Was für eine martialische Ansprache eines „christlichen Führers“, der seine Soldaten auf den Kampf einschwört. Fast kann man überhören, dass es ihm nicht um eiserne Schwerter, lederne Stiefel und antike Rüstungen geht, sondern um die Waffen: Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden. Der Weg zum Frieden ist der Friede. Gerechtigkeit schafft Gerechtigkeit.

Wir heutigen Christen singen in der MCC den schönen Liedvers „Kinder mit Wunden sind sicher bei Dir…“ Martin Luther sang auch damals ein tröstliches Lied: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Gemeint ist das Gleiche!  . „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“.  Martin Luther singt:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt-böse Feind – mit Ernst er’s jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, …auf Erd‘ ist nicht seins gleichen.

Luther will also genau wie der Bibelvers sagen, dass wir z.B. die Terrorgruppe IS oder andere gewalttätige Menschen nicht verteufeln sollen. Sie sind nicht der Teufel !,sondern sie werden von ihm benutzt. Ebenfalls sollen wir uns nicht für Götter halten, die den ewigen Frieden bringen. Das kann nur Gott in seinem Sohn Jesus Christus, der über den Kampf sagte (wie Luther es formulierte): „ Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Auge um Auge, Zahn um Zahn. « Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. (Dies war übrigens von den Römern verboten worden, weil es eine den Römern gefährliche Solidarisierung der Unterdrückten bedeutet hätte.) Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will. Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen.  Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,  damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel, denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

[Prediger:] Das nenne ich aber mal „subversiv“! Kann es etwas subtil gemeineres im Kampf gegen die Gewalt geben, als den Frieden?! Vor langer Zeit, war ich einmal Teil einer speziellen spirituellen Gruppe, was für meine eigene Entwicklung entscheidend war. Wir nannten uns die „Partisanen der Liebe“ in einer lieblosen Welt. Ich habe dort tatsächlich eine bestimmte altruistische Art der Liebe gelernt…
… leider nicht die “andere” Art *g*

[Bibel:] Wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?  Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Vollkommen wollen auch die Terroristen sein. Darum sprengen sich einige sogar als Attentäter in die Luft. In diesem Schwarzweißdenken soll Luther für einige Protestanten  möglichst als ein evangelischer Heiliger erscheinen wahlweise im Kampf gegen den katholischen Erzfeind Frankreich oder die Türken, die Wien erobern wollten oder die Juden als Sündenböcke für alles.

In Wahrheit war er nicht unähnlich den islamistischen Terroristen ein von  Hass getriebener Antisemit. Brüder und Schwester! Brauchen wir solche Superhelden, um zu verstehen, was wirklich zählt? Lasst Euch doch nicht mit dieser Heldenverehrung für die angebliche Lichtgestallt Jesus und die angeblich  lupenreine Heiligen und Antiifaschisten für dumm verkaufen. Der mutige Widerstandskämpfer Graf Staufenberg hielt die Polen für Untermenschen. Der pazifistische Jesus der Bergpredigt, empfiehlt ein paar Verse später, Hände abzuhacken, die Böses getan – also in die Tat umgesetzt haben. Jesus irrte, als er den baldigen Untergang der Welt glaubte und sagte, dass einige Jünger seinen Auftritt beim JÜNGSTEN GERICHT noch erleben werden. Und doch glaubt mancher, dass der Prediger der Bergpredigt nicht irren konnte.  Die nun heiliggesprochene Mutter Theresa (ein Symbol der Nächstenliebe) verbot in ihrem Hospiz starke Schmerzmittel, weil nach ihrer eigenen menschenverachtenden Theologie der Schmerz ein Teil der von Gott gewollten Menschlichkeit und Frömmigkeit sei. Abraham zerstörte für immer sein Vertrauensverhältnis zu Sarah und seinem Sohn, weil er diesen Gott, der dieses Menschenopfer forderte mehr liebte als seine Frau, seinen Sohn und alle, die ggf. von der Opferung an höhere Werte so grausam betroffen gewesen wären.  So ging es im 3. Reich auch Demokraten, die ihre Familie in Gefahr, sogar ins KZ brachten im Kampf für ihre eigenen Ideale. Wann wird Jesus von dem Anspruch befreit, für uns vollkommen und im schlechtesten verlogenen Sinne heilig sein zu sollen?

Relativiert das alles die Bergpredigt, den Aufruf zur Feindesliebe, zur Großzügigkeit und Vergebung? Ist Feindesliebe naiv? Hilft es den versklavten Mädchen und Frauen, wenn wir die Terroristen lieben? Kann uns die Berpredigt diese Fragen überhaupt beantworten? Viele Bücher sind darüber geschrieben worden, aber ich weiß es nicht. Ich glaube aber, dass eine Geschichte, Vorstellung und Geisteshaltung heilig sein können – unabhängig davon, wer sie erzählt oder aufzeigt. Ob sie heilig ist, entscheidet sich im Zuhörer oder Zuschauer. Als Christ und Prediger  weiß ich vieles nicht und vieles glaube ich nicht. Aber ich kann Euch eine wahre Geschichte erzählen, in der für mich ein Kern dieser christlichen Botschaft verborgen ist:

Ich habe einen Freund, über 70 Jahre alt, graues Haar, dies aber immer noch wie die Tolle von Elvis Presley gekämmt. Er heißt Armin. Er war ein erfolgreicher Autohändler mit großer Villa im Bergischen Land – und einer schönen Frau. Sein Beruf brachte es mit sich, dass er manchmal schwierige Verhandlungen mit Banken führte und Gerichtsprozesse führte, – (bei denen er übrigens nie einen Rechtsanwalt engagierte ) . Vor den Verhandlungen und Prozessen legte Armin alle Angst und Feindseligkeit ab. Er betete für  profitgierige Banker und  unfaire Prozessgegner, die mit fadenscheinigen Unterstellungen und Ausreden Ihre Rechnungen nicht bezahlen wollten. Er bat Gott, er möge sie segnen in wirklich jederlei Hinsicht. Danach ging er in großem inneren Frieden in die Geschäftsverhandlungen und vor Gericht.  Er kämpfte mit den Mitteln der selbstkritischen Wahrheit, der Liebe zur Gerechtigkeit und dem Wunsch nach einer friedlichen Lösung für alle.  Er hat (soweit ich weiß) nie einen Prozess verloren – und das Geld, das er von den Bankern brauchte, hat er immer erhalten – bis einmal eine Wirtschaftskrise kam und viele Autohändler gerade der Marke NISSAN Pleite gingen. Seine schärfste Waffe war seine sich selbst gegenüber schonungslose Ehrlichkeit vor Gericht und bei den Bankern.  Zu seiner schonungslosen Offenheit gehörte immer auch, dass er bekannte, ein Christ zu sein.

Viel Geld hat Armin an Leute verschenkt, die es nötig hatten.  Die allermeisten gehörten nicht zu seinem Freundeskreis. Er bat sie, es ihm nicht zurückzuzahlen (!), sondern, wenn sie wieder genug hätten, es an andere zu verschenken, die finanziell in so misslicher Lage sind, wie sie selbst es einst waren. Er wurde dabei nicht arm, weil er auf manchmal geradezu  wundersame Weise immer wieder neu zu Geld kam, … bis – wie gesagt – eine Wirtschaftskrise eintrat.

Wie es mit Armin weiterging? Heute arbeitet er als freier Unternehmensberater gut bezahlt für große Firmen, (wie der Lufthansa) die den „Teufel in  den Details“ der Buchhaltung, Organisation und Personalführung ohne ihn (das bescheidene „Mädchen für alles“)  anscheinend nicht finden.

Vielleicht öffnet sich Euer Herz für ein einziges wahres Wort oder einen hilfreichen Gedanken dieser Predigt. Das liegt nicht in meiner Hand und vermutlich auch nicht in Eurer.  AMEN

Fürbitten

(von Daniel Großer)

Barmherziger Gott, kein Sperling fällt vom Himmel, ohne dass du es siehst (Mt 10, 29), und so geschieht im großen und im kleinen kein Leid, um das du nicht weißt.
Du hast uns Augen gegeben, dass wir sehen, und Ohren, dass wir hören. Groß ist sie, die Not, die unsere Augen sehen und unsere Ohren hören. Groß ist die Not von der wir wissen, doch wie klein muss sie sein gegen alles, wovon du darüber hinaus weißt.
Du hast uns Augen gegeben, dass wir sehen, und Ohren, dass wir hören. Du gabst uns ein Herz, das für diese Welt bangt und hofft. Mit unseren Fürbitten wollen wir unsere Hoffnung verbinden mit deiner Hoffnung, guter Gott, damit aus unseren Bitten deine Gnade werde.

Wir bitten dich für unsere Kirche, sowohl die MCC Köln als auch die UFMCC und alle, die sich zu ihr zählen. Wo wir belastet sind von den Verfehlungen der Vergangenheit, öffne uns die Augen. Hilf uns, ein Leib und eine Gemeinde zu sein, treu in großen und in kleinen Dingen, aufrichtig und sanftmütig, dir und deinen Menschen zugewandt. Hilf der MCC, deinen Ruf ins Leben zu hören und zu erkennen, was er bedeutet. Segne Reverend Rachelle Brown in ihrem Dienst für die MCC als Interim-Moderatorin mit Weisheit, Kraft des Glaubens, Einfallsreichtum und Demut. Segne Ines-Paul nach dem Reichtum deiner Gnade und uns als Gemeinde mit der Lebendigkeit deines Geistes. Sei du die Triebkraft deiner Kirche. Wir bitten dich:
Christus, erhöre uns.

Wir bitten dich für die, die des Lebens oder des Glaubens müde geworden sind, die keine Hoffnung mehr haben, die erschöpft sind und mutlos, die deine Schönheit und die schönen Seiten deiner Welt nicht mehr sehen können. Viele Gründe mag es geben, warum sie an diesen Punkt stehen, aber unsere Hoffnung ist diese, dass du ihnen zur Seite stehst, ihnen neuen Mut und neue Hoffnung gibst, dich so um sie sorgst wie der gute Hirte. Wir bitten dich:
Christus, erhöre uns.

Wir bitten dich für die Menschen, deren Welt geprägt ist von Unterdrückung, Gewalt, Gehirnwäsche, Armut und Krieg, wohlwissend, dass auch wir unfrei sind. Wir bitten dich für deine Menschen in Nordkorea, in China, im Kongo, im mittleren Osten und seinen Bürgerkriegen, in Afghanistan, im Sudan und vielen vielen anderen Orten auf der Welt. Soviel Hass ist gesät, und Hass werden alle ernten. Aber du kannst wenden, was verloren scheint, kannst Licht dahin bringen, wo die Nacht am finstersten ist. Gott, unser Friedefürst, schenke deinen Frieden. Wir bitten dich:
Christus, erhöre uns.

Wir bitten dich für unsere Kultur und ihre Doppelgesichtigkeit. Wir sind es, die Waffen und Hilfsgüter exportieren, die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben und Entwicklungshilfe leisten, die Kinderarmut verdammen aber Vernachlässigung, Gewalt und Zukunftslosigkeit von Kindern zulassen. Hilf uns, unseren Mitbürgern und Mitbürgerinnen, unseren Politikern und unserer Kultur, dass wir den Balken im eigenen Auge erkennen, damit wir Gerechtigkeit lernen. Wir bitten dich:
Christus, erhöre uns.

Wir bitten dich für die, die klein und mundtot gemacht wurden. Wir bitten dich für Migrantinnen und Migranten, für Menschen mit körperlichen, seelischen oder psychischen Behinderungen, für jene, die wegen ihrer sexuellen Identität oder Sexualität verunglimpft werden, für die Armen am Rande der Konsumwelt. Auch aus dem noch so kleinen Senfkorn wächst ein großer Baum, darum rufe diese Menschen zu dir und mach sie stark, damit diese Welt mit ihnen zu einer helleren Welt wird. Wir bitten dich:
Christus, erhöre uns.

Im Stillen tragen wir vor dich, was deiner Hilfe bedarf:
(…)
Christus, erhöre uns.

Denn du, Jesus Christus, bist der Freund der Menschen. Du verwandelst uns, die wir beten. Du wandelst die, für die wir bitten. Du wandelst die Welt, in der wir leben. Weil du die Quelle der Hoffnung und die Liebe selbst bist, loben und preisen wir dich mit dem barmherzigen Gott und dem Heiligen Geist.

AMEN.

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