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Gründung & Geschichte


MCC steht für "Metropolitan Community Church". Zur Gründung der MCC wird in der Biografie über Troy Perry berichtet: "Weil er schwul ist, war er als Pastor entlassen und aus seiner Kirche ausgeschlossen worden." Doch er sah sich dem Evangelium verpflichtet und wollte Gemeinde bauen, die offen ist für alle Menschen - ohne Ausnahme. So gründete er draußen vor der Tür der etablierten Kirchen die erste MCC-Gemeinde. Entgegen den Erwartungen, Vorurteilen und Widerständen der Mitmenschen und anderer Kirchen wuchs die neue Kirche sehr schnell. In vielen anderen Städten wurden weitere MCC-Gemeinden gegründet, zu denen bald Hunderte von Lesben und Schwulen, Frauen und Männern gehörten.

So unterschiedlich sich das Leben in den einzelnen Gemeinden auch gestaltete, waren sie sich doch alle gewiss, dass nichts und niemand sie von der Liebe Christi trennen konnte - auch nicht die Vorurteile ihrer Mitmenschen. Heute, 40 Jahre nach ihrer Gründung, gehören dem Weltbund der MCC-Gemeinden, der „Universal Fellowship of Metropolitan Community Churches (UFMCC)", ungefähr 40.000 Mitglieder und FreundInnen in 18 Ländern und ca. 300 Gemeinden an.

Gegenwind

Von Anfang an schlug der MCC geballte Aggression entgegen: Viele ihrer Kirchen wurden in Brand gesteckt, entweiht oder zerstört. MCC-PastorInnen und Mitglieder wurden bedroht und zusammengeschlagen, den Gemeinden wurde es verwehrt, Räume für ihre Gottesdienste anzumieten.

All das geschah oft im Namen Jesu Christi. Ursache dieser Angriffe ist offensichtlich die bejahende Haltung der MCC zur Sexualität und somit auch zur Homosexualität. Denn an der Form, wie Gottesdienst gefeiert wird, oder an den Organisationsstrukturen kann es nicht liegen: Die UFMCC ist eine ökumenische Freikirche. Die Lehre und das Sakramentsverständnis unterscheiden sich im Grundsatz nicht von denen anderer christlicher Kirchen. Der Glaube basiert auf den grundlegenden Bekenntnissen der christlichen Kirchen, dem Apostolikum und dem Glaubensbekenntnis von Nicäa. Die MCC ist jedoch davon überzeugt, dass die gängige, traditionelle Interpretation der Heiligen Schrift - in ihrer Verdammung der Homosexualität - unhaltbar ist. Genauso wurde die Bibel lange Zeit dazu benutzt, um z.B. die Versklavung und Ausbeutung der Schwarzen zu legitimieren.

Eine Theologie der Basis: Gleichberechtigung, Inklusivität und Barrierefreiheit auf allen Ebenen

Die theologischen Grundlagen der MCC haben sich von der Basis her in Diskussionen, Konferenzen und Hauskreisen gestaltet. Da diese theologischen Grundsätze nicht nur Theorie bleiben, sondern im aktiven Gemeindeleben in die Praxis umgesetzt werden, unterliegen sie ständiger Weiterentwicklung, wobei der zentrale Punkt ihrer Theologie bestehen bleibt: Menschliches Leben, einschließlich der Sexualität, muss seine Mitte finden in der Beziehung zu Gott, durch den Glauben an Jesus Christus, in dem Gott Mensch wurde.

Das Evangelium verstand die MCC von Anfang an jedoch nicht nur als Theologie, sondern im weitesten Sinne auch politisch und sozial. Gleiche Rechte für Lesben und Schwule, Abschaffung der Diskriminierung und Anerkennung der MCC von den etablierten Kirchen war das politische Hauptanliegen der MCC in den 60er und den 70er Jahren.

Mit Demonstrationen, Protestzügen und Hungerstreiks wurde versucht, diese Ziele umzusetzen. Während in anderen christlichen Konfessionen immer noch erbitterte Auseinandersetzungen über die Stellung von Frauen in der Kirche geführt wurden, arbeitete die MCC bereits intensiv daran, jegliche Form von Sexismus aus ihrer Theologie, ihren Strukturen und ihrer Sprache zu entfernen.

„Gerechte Sprache“ – also Sprachformen, die Gottes Einladung an Männer und Frauen wiedergeben oder die dem biblischen Zeugnis Rechnung tragen, dass Gott nicht einfach „männlich“ ist – hatten in der MCC schon Tradition lange bevor der Begriff erfunden war. In Deutschland hatte die MCC eine Vorreiterrolle bei Zusammenarbeit von Lesben und Schwulen.

Gleiche Zugangsmöglichkeiten und der Abbau von Barrieren sind der MCC wichtig.

Weltweit

Zu Anfang hätte es niemand für möglich gehalten, dass die MCC die Grenzen von Los Angeles überschreitet. Von dort kommt auch der Name, der an die Herkunft der MCC erinnert: „Metropolitan" für den Geburtsort der MCC, die „Metropolitan Area" von Los Angeles, und „Community" für den Ursprung der MCC in der „Gay Community", der Schwulen- und Lesbengemeinschaft in den USA.

Aber inzwischen ist die MCC längst keine amerikanische Besonderheit mehr. Es gibt heute Gemeinden in Australien, Neuseeland, Japan, Indonesien, auf den Philippinen, in Nigeria, Südafrika, Argentinien, der Dominikanischen Republik, in Mittel- und Südamerika , Kanada und Europa. Seitdem sich 1988 die schwullesbische Basisgemeinde in Hamburg dem Gemeindeverband anschloss, gibt es die MCC in Deutschland. Seitdem sind weitere Gemeinden in Köln und Stuttgart entstanden.

Im Laufe der Zeit erweiterte sich das Engagement der MCC über den Kampf für die Rechte von Lesben und Schwulen hinaus. So unterhält die MCC z.B. seit 1987 eine Klinik in Ezinachi, Nigeria. Eine ungeheure Herausforderung stellt die Immunschwächekrankheit AIDS für die MCC dar und wurde in den letzten Jahren ein zentraler Schwerpunkt ihrer Arbeit. Die Gemeinden tun, was sie können: Seelsorge, Einrichtung von Zentren für Betroffene, Betreuung Erkrankter, Selbsthilfegruppen, Benefizveranstaltungen, Aufklärungsarbeit und vieles mehr.

MCC ist mittlerweile die größte Organisation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender weltweit, ohne sich auf diese Gruppen von Menschen zu beschränken.

MCC hat den Gay Pride in den USA ins Leben gerufen (bei uns jährlich gefeiert als Christopher Street Day) und den Welt-AIDS-Tag initiiert. MCC war der Motor für die vollkommene rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen in Kanada - und das war nur der Anfang.

Immer wichtiger wurde es aber auch, unsere Augen vor den Entwicklungen in Osteuropa nicht zu verschließen. So hat sich die MCC in den letzten Jahren auch im Kampf für Menschenrechte der LGBT-Community zB in Rumänien, Bulgarien, Moldawien oder Litauen engagiert.

Von Moskau bis Jamaica, ob im Vatikan oder in Moscheen, ob im Fußball oder in Musik-Videos, ob auf dem Dorf oder mitten um den Kölner Dom herum: Wir leben in einer unvollendeten Welt - und haben eine unvollendete Aufgabe. Solange nicht alle Menschen die Freiheit haben, Gottesdienste zu feiern ohne Zurückweisung zu erleben für sich und ihre Liebe, ist unsere Arbeit nicht getan.