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Ines-Paul Baumann, Interim-Pastor der MCC Köln, steht Rede und Antwort:
"Was unterscheidet die MCC von anderen Kirchen?"
Eigentlich finde ich ja, dass wir als Kirchen in Zeiten religiöser Spaltungen und Ausgrenzungen vor allem unsere Gemeinsamkeiten betonen sollten. Die MCC will andere Kirchen und Religionen nicht schlechtmachen oder auslöschen, sondern tritt ein für einen Umgang miteinander, der getragen ist von gegenseitigem Respekt und vom Willen zu einem friedvollen Zusammenleben aller Menschen. Wir können alle voneinander lernen und Seite an Seite für Gerechtigkeit und für die Menschenrechte eintreten! Mit den Kirchen der Ökumene ist sich die MCC außerdem in den grundsätzlichen Fragen der Lehre und des Sakramentsverständnisses – hierzu gehören die Sakramente der Taufe und des Abendmahls, sowie die Bindung an die grundlegenden Glaubensbekenntnisse des Christentums – einig.
Da hinter der Frage aber ein berechtigtes Anliegen steckt, nehme ich gerne dazu Stellung. Auch diese Antwort spiegelt natürlich vor allem meine sehr persönliche Sichtweise wider und ist nicht als offizielles Statement zu sehen.
1. Die MCC ist nicht entstanden als Abspaltung aufgrund theologisch-dogmatischer Differenzen zu bestehenden Kirchen.
Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen. Da wir nicht aufgrund einer neuen anderen eindeutigen Theologie entstanden sind, war auch von Anfang an nicht eine neue andere eindeutige Theologie die Basis unseres Zusammenhalts als Kirchenverband. Das hat Konsequenzen, die unsere Gemeindepraxis bis heute grundlegend prägen:
- Wertschätzung theologischer Vielfalt (Bsp: offenes Abendmahl, offenes Theologie-Team mit Raum zum Austausch statt Vorgaben, individuell gestaltete Liturgien in den Ortsgemeinden, ...)
- gelebte Ökumene innerhalb der Kirche mit einer Vielfalt an Traditionen und Kulturen
- große Offenheit zur Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Religionen
2. Fragen zu Leiblichkeit und Sexualität
Statt unseren Körper zu ignorieren oder als etwas Böses anzusehen, steht die MCC für die Integration der leiblichen Dimension unseres Daseins in unser Leben auch mit Gott. Da wir auf der anderen Seite den Körper nicht zum Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns machen, habe ich bisher aber nicht erlebt, dass das im praktischen Gemeindeleben Auswirkungen hätte, die verwunderlich wären ;)
(s.a. "Geht es bei euch immer um eure Sexualität?")
3. Kurze, aber bewegte Geschichte mit konkreten Bezügen zur und Folgen auf die Gesellschaft (siehe auch: "Schon gewusst?"):
- (70er Jahre und bis heute:) Kirche für Schwule und Lesben mit vielen Initiativen auf gesellschaftlich/politischer Ebene
- (kein beliebter Hit aus den 80ern und 90ern bis heute:) AIDS in der MCC, die MCC in einer Welt mit AIDS
- (von Anfang an und bis heute:) Die MCC engagiert sich als Menschenrechtskirche, auch über ökumenische und interreligiöse Grenzen hinweg
- Unsere Zukunft? ... Unsere Zukunft ist offen. Unsere Vergangenheit prägt uns natürlich, legt uns aber nicht fest. Das hat schlechte Seiten (Ungewissheiten, Auseinandersetzungen, Leben in absoluter Abhängigkeit von Gott), und das hat gute Seiten (Ungewissheiten, Auseinandersetzungen, Leben in absoluter Abhängigkeit von Gott).
4. Leben & Segen auch am Rand der Gesellschaft ("In the margins, we are blessed")
Immer wieder in der Bibel gewährt Gott gerade solchen Menschen besondere Begegnungen und Einsichten, die am Rand stehen. Diese Menschen stehen aus den unterschiedlichsten Gründen am Rand. Manche dieser Gründe verstehen und kennen wir bis heute, andere muten uns heute seltsam an. Manchmal geht es um konkrete, auf Einzelschicksale bezogene Gründe wie persönliche Schwächen (und Stärken) oder auch Gewalterfahrungen. Manchmal sorgen ganz gängige, als normal empfundene gesellschaftliche Umstände und Werte dafür, dass Menschen am Rand stehen. Und manche Menschen begeben sich auch ganz freiwillig an den Rand einer Gesellschaft, die sie als eindimensional und eingrenzend erleben. Auf allen diesen Ebenen gibt es in MCC-Gemeinden Menschen, die selbst Erfahrungen in dem einen oder anderen Bereich gemacht haben. Auch ihrer hat sich Gott oft auf besondere Weise angenommen. Jede/r von ihnen hat etwas zu erzählen, von dem andere lernen können. Außerdem öffnen solche Erfahrungen den Blick für andere in ähnlichen Situationen. Statt mit Wegschauen, Intoleranz oder Unsicherheit zu reagieren, können wir anderen Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde die Hände reichen und einander zum Segen werden.