Sie sind hier: Im Keller verstecken?
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Ines-Paul Baumann, Interim-Pastor der MCC Köln, steht Rede und Antwort:
"Wieso müsst ihr euch in einem Keller verstecken?"
Der Keller, in dem wir zurzeit unsere Gottesdienste feiern, ist ein alter Gewölbekeller. Die Wände sind über vier Meter hoch, das alte Gemäuer ist zu sehen, die schmalen Fenster bringen ein wenig Licht herein, aber wenig Lärm. In diesem Raum können wir zur Ruhe kommen, können uns besinnen und können lauschen auf die Stimme Gottes. Den Gottesdienst feiern wir ja nicht, um uns auf einem Präsentationsteller vor der Öffentlichkeit zu produzieren - im Gottesdienst konzentrieren wir uns auf die Begegnung mit Gott, mit uns selbst und mit einander. Das hat etwas sehr Heiliges, etwas sehr Persönliches und auch etwas sehr Gemeinschaftliches. Unser Gottesdienstraum bietet für all dies einen sicheren, geschützten Rahmen.
Das heißt nicht, dass wir nicht gerne zeigen, dass und wie wir unseren Glauben leben und viele andere dazu mit einladen! Der Gewölbekeller im Filmhaus verbindet hervorragend Szene und Kirche, Sakrales und Lebens(t)räume, Homos und Heteros. Einerseits ist er vielen in der Szene noch bekannt von Parties, die dort früher stattgefunden haben (mit veranstaltet von CHECK-UP, der schwulen Gesundheitsagentur); und auch der Kulturschock, der einen Raum weiter sein "Unwesen treibt", lockt Woche für Woche sowohl bunte Vögel als auch graue Nachtschwärmer ins Filmhaus. Auf der anderen Seite ist das Filmhaus ein Ort, der völlig im heterosexuellen Umfeld agiert und stattfindet: Niemand, der das Filmhaus betritt, bekommt einen schwullesbischen Stempel auf die Stirn gedrückt.
Dass der Keller auch für Ausstellungen, Lesungen, atheistische Manifestationen und andere Feierlichkeiten genutzt wird, bedeutet für uns zwar immer wieder Aufregung und Arbeit. Aber MCC ist noch nie angetreten, um sich in eine abgeschiedene Frömmigkeit hinter hohe Mauern zurückzuziehen. Ein Gottesdienst, der so nah am Geschehen ist, ist eben kein Gottesdienst, der sich versteckt.