[MCC Köln]

Menschen – Christus – Community

„Ist die MCC Köln was für mich?“

Ines-Paul Baumann, Pastor der MCC Köln, steht Rede und Antwort:

MCC Köln: Kirche für „eigentlich“ alle

Wie gerne wären wir tatsächlich KIRCHE FÜR ALLE! Aber nicht jeder Mensch fühlt sich in jeder Kirche wohl. Das trifft natürlich auch auf die MCC Köln zu.

Hier ein paar Dinge, anhand derer du prüfen kannst, ob sich ein Besuch bei uns für dich lohnt:

Die MCC Köln ist nix für dich, wenn…

… du beim Besuch einer Kirche gerne in der Masse untertauchst.

Wie gerne wäre mensch manchmal unsichtbar! Insbsondere beim ersten Mal – alles ist neu, man kennt sich nicht aus, und dann gucken auch noch alle. Furchtbar! Wie gut tut dann eine große Menschenmasse, in der man sich verstecken kann. Oder wenigstens eine Kirchenbank in der letzten Reihe, 40 Meter vom Altar entfernt – ein guter Beobachtunsgposten. Können wir leider beides nicht bieten. Eine letzte Reihe gibt es aber auch bei uns immer. Du musst also wenigstens nicht erst den ganzen Raum durchqueren… (Damit du vorher schon mal ein bisschen schnuppern kannst, was dich bei uns erwartet, haben wir eine bebilderte Wegbeschreibung online gestellt.)

… du gerne auswendig Liturgien mitsingst, die vorher nicht erklärt werden.
(Bzw. wenn du das Gefühl genießt, als einzige_r nicht zu wissen, wo’s gerade langgeht.)

Der Pfarrer sagt: „X“, und die gesamte Gemeinde antwortet mit „YZ“. Toll für alle, die das Drehbuch kennen. Die anderen stehen daneben und kramen den Sherlock Holmes in sich hervor: Jetzt heißt es Beobachten! „Alle anderen stehen auf? Alle anderen setzen sich? OK, das schaffe ich. Jetzt singen sie. Aber was? Naja, ich bewege mal die Lippen ein bisschen mit… ‚Kyrie‘? Was soll das denn bitte schön heißen? Oh, jetzt sind wir beim ‚Vater unser‘, ein paar Fetzen bekomme ich sogar noch hin, wie cool!“

Natürlich haben auch wir in der MCC unsere Marotten, die Neuen komisch vorkommen und bei den „Insidern“ ein Gefühl von Vertrautheit erzeugen. Aber zumindest versuchen wir, deine Teilnahme am Gottesdienst nicht davon abhängig zu machen, ob du „das Programm“ schon kennst oder nicht. Zum Beispiel erklären wir vorher, was wir tun. Wir haben Texte abgedruckt (und verraten auch, wo). Wir möchten nämlich, dass du möglichst alles mitmachen kannst. Das heißt natürlich nicht, dass du alles mitmachen MUSST. Aber was du mitmachst und was nicht, soll DEINE Entscheidung sein – und nicht eine Frage von Wissen und Nichtwissen.

… du nur mit Orgel, Glöckchen, Talaren und Chor in die richtige Stimmung kommst.

Macht gar nix; es gibt genug wunderbare Gottesdienste in Köln (und in der MCC weltweit), bei denen du auf deine Kosten kommst. In der MCC Köln wirst du aber schon mal mit einem tätowierten Gitarristen, einem rotierenden CD-Player, einer fröhlich (wenn auch nicht immer richtig) singenden Gemeinde und normal gekleideten Menschen in Altarnähe rechnen müssen.

… du einen Pfarrer erwartest, der den Laden schmeißt, den du nicht bezahlst und der dir trotzdem rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Kirche ist eine Gemeinschaft. Und was diese Kirche macht, ist der Ergebnis dessen, was diese Gemeinschaft zusammen macht. Wenn diese Gemeinschaft Geld zusammenlegt, um jemanden zu bezahlen, der/die alles bestimmt und organisiert und durchführt: OK, so kann es gehen. Wenn diese Gemeinschaft gemeinsam Ziele festlegt und organisiert und durchführt: OK, so kann es auch gehen. Wenn diese Gemeinschaft ein bisschen Geld zusammenlegt, damit eine/r ein bisschen mehr tun kann und die anderen ein bisschen mitmachen: OK, so kann es auch gehen.
Aber niemanden bezahlen UND nichts machen – das geht natürlich nicht.

In der MCC Köln haben wir vereinbart, dass ich als Pastor der Gemeinde 12-20 Wochen pro Woche zur Verfügung stehen soll. Wie viel Geld den Einzelnen meine Arbeit wert ist, entscheiden alle selber; als Minimum hat sich die Gemeinde bereit erklärt, 50,- EUR pro Monat zusammenzutragen. Die Gemeinde hat sich also bewusst dafür entschieden, dass wir das Gemeindeleben zusammen gestalten (statt eine einzelne Person dafür zu bezahlen und für verantwortlich zu erklären) und dass alle ehrenamtlich mitarbeiten.

Das hat seine Nachteile (kein Pfarrer, der rund um die Uhr zur Verfügung steht und den Laden schmeißt, wenn sonst niemand was machen will), aber es hat auch seine Vorteile: gelebte Priesterschaft aller Gläubigen; wir stehen alle mitten im normalen Leben (naja, was man halt so „normal“ nennt in unserer Gesellschaft…); Alltag und Glaube sind keine getrennten Welten; und verschiedene Menschen mit verschiedenen Gaben machen das Miteinander abwechslungsreich und bunt.

… du findest, dass im Gottesdienst nicht gelacht werden darf.

Gottesdienste sind heilig. Auch uns. Gott ist gegenwärtig. Gott selbst lädt uns ein. Wenn Gott uns einlädt, nehmen wir diese Einladung an – und zwar nicht nur ein bisschen. Weder geben wir den Verstand an der Garderobe ab noch unsere Gefühle, Erfahrungen, Fragen, Hintergründe, Hoffnungen, Probleme, Liebeskummer, Langeweile, Leere, Stress, Sehnsüchte, … Wir kommen mit allem, was uns ausmacht, mit allem, wie Gott uns geschaffen hat. Warum sollten wir „nur den ernsten Gläubigen in uns“ auf der Kirchenbank Platz nehmen lassen? Gott interessiert unser gesamtes Leben! Gott kennt uns! Gott begegnet uns, weil sie uns liebt! Nicht weil wir perfekt sind oder einen fehlerlosen Gottesdienstablauf zelebrieren. Und wo Gott und Menschen in aller Fülle zusammen feiern, da darf nicht nur gelobt, gesungen, gebetet, getröstet und geschwiegen werden, sondern eben auch mal geweint … und gelacht. Schließlich ist Gott auch nicht „der ernste Opa mit Bart im Himmel“ oder ein abstraktes Energie-Gleichgewicht, sondern ist lebendig und kennt ebenfalls Klage und Freude. (Glaube und Humor – da gibt es eine Menge weise Zusammenhänge…!) Keine Angst, es geht nicht darum, dass wir die ganze Zeit erlöst-selig vor uns hin kichern müssen, damit alle Welt uns unsere Erlösung auch ansieht: Das ist Unsinn. Auch Christen ist nicht immer zum Lachen zumute. Aber dass wir authentisch sind und auch mal spontan auf eine Situation reagieren, das kann schon passieren.

… du als Frau keine Männer erträgst / du als Mann keine Frauen erträgst
… du als Evangelischer keine Katholiken erträgst / du als Katholische keine Evangelen erträgst
… du als autonome Linke keine Anhänger konservativer Parteipolitik erträgst / du als Anhängerin konservativer Parteipolitik keine autonomen Linken erträgst
… du findest, in einer Gesellschaft, die Mauern aufrichtet zwischen Menschen, ist alles in Ordnung.

Menschen sind einfach gerne unter ihresgleichen. Oft geht es dabei um mehr als nur um das Sprichwort: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“ Wenn ich als Frau Erfahrungen mit Männern gemacht habe, die Grenzen überschritten haben und die mir mit Worten und/oder Taten Gewalt angetan haben, tut es gut, in männerfreien Räumen zu sich kommen zu können. Wenn ich überzeugt bin von (m)einer Art Politik oder Kirche, dann umgebe ich mich gerne mit Menschen, die genau so denken und leben wie ich. Es gibt viel, was in unserer Gesellschaft Gräben aufwirft zwischen Menschen: vom Geschlecht über den sozialen Status bis hin zur Herkunft/Kultur.

Wenn wir als Gemeinde zusammenkommen, bringen wir unsere Erfahrungen und Prägungen natürlich mit. Wenn wir als Gemeinde zusammenkommen, begegnen wir einander aber nicht nur als Menschen mit unserer Vergangenheit, sondern auch als Menschen mit unserer Gegenwart und als Menschen mit Zukunft – und als Christen sehen wir nicht nur unsere Vergangenheit, sondern auch unsere Gegenwart und unsere Zukunft im Lichte Gottes. Gott verschafft uns Gerechtigkeit. Was uns aus der Vergangenheit lähmt, wird erlöst werden. Was uns aus der Vergangenheit krank macht, wird geheilt werden. Nicht immer sofort und umfassend, viel öfter langsam und Stück für Stück. Und die Wunden bleiben trotzdem in uns eingeschrieben.

Was unseren Blick für Menschen in unserer Gesellschaft prägt, verstellt uns aber auch oft den Blick aufeinander: Wir bewerten einander und wir be- und verurteilen einander. Wir hegen und pflegen Machtgefälle. Wir positionieren uns. Nicht so vor Gott! Vor Gott sind wir alle gleich wichtig und gleich wertvoll. Das freut uns für uns selbst, ärgert uns aber oft für den/die andere/n. Manchmal ist es schwer auszuhalten, dass ein Mensch, der „falsche Ansichten“ vertritt und auf der „falschen Seite“ steht, von Gott genau so geliebt seim soll wie ich mit meinen „richtigen Ansichten“ und meine Freunde, die meine Ansichten teilen.

Das heißt nicht, dass wir in der MCC der Ansicht sind, es sei egal, was wir denken und tun. Im Gegenteil! Von Anfang an kämpfte die MCC für gleiche Rechte für alle und stand an der Seite von denjenigen, die gesellschaftlich am Rand stehen. Sei es wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihres Geschlechts, ihrer geschlechtlichen Identität, ihres Körpers oder aus vielerlei anderen Gründen. Wo die Gesellschaft Mauern aufrichtet zwischen Menschen, setzen wir uns als MCC dafür ein, diese Mauern einzureißen!

Dies ist nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern darf vor unserer Gemeinschaft als Christen keinen Halt machen. Im Neuen Testament ist beschrieben, dass uns unser Geschlecht, unser sozialer Status und unsere Herkunft/Kultur in der Gemeinde eben nicht mehr voneinander trennen (Gal 3,28). Das passiert natürlich nicht einfach so und wird (ähnlich wie die Aufforderung, unsere Feinde zu lieben) auf rein menschlicher Ebene leider oft verwechselt mit Selbstaufgabe. Was uns verbindet, ist aber nicht, dass wir uns selbst auflösen, sondern wir finden zusammen in Jesus Christus. Wir alle sind Kinder Gottes. Und damit stehen wir nicht mehr gegeneinander, sondern neben- und beieinander.

(Weitere Gedanken zum Miteinander in Vielfalt findest du in den FAQs unter dem Punkt „Was soll ich als heterosexueller Mensch bei der MCC?“.)

… du erwartest, dass in unserer Kirche nur Heilige auf dich warten, die immer nett zu dir sind und nie Fehler machen.

Dass wir als getaufte Christen nicht nur aufgenommen sind in irgendeine Kirche, sondern in die Gemeinschaft der Heiligen, das ist schon wahr. Dass uns das aber nicht immer anzumerken ist, ist leider auch wahr. Und dass wir Fehler machen, uns blöd verhalten, Signale übersehen, selber mal Angst haben und komisch sind, ist leider nicht zu leugnen. Dennoch glauben wir, dass Gott keinen Fehler gemacht hat, als es ganz normale Menschen waren, die Jesus in die Nachfolge gerufen hat. Und dass wirklich genau diese ganz normalen Menschen gemeint waren und sind, die nun als Leib Christi zur Kirche auf Erden dazugehören. Ging es denn unter den Jüngern immer so vollkommen und fehlerfrei zu? Da gab es Machtgerangel, Angst, Zweifel, Fragen, Verrat, Neid, Ratlosigkeit, Stolz – eine Menge Dinge, die in den neutestamenlichen Briefen auch in den ersten Gemeinden immer wieder angeprangert werden mussten. Und ja, auch die MCC Köln muss sich hier einreihen. Und immer wieder um Vergebung bitten – und versuchen, es nächstes Mal besser zu machen. Mit Gottes Hilfe.

Also, wenn du dich nun noch traust und mal vorbeischauen magst: Du bist herzlich willkommen!


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