[MCC Köln]

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Dein Bild vom Himmel! Dein Spiegelbild von Gott! Deine Hoffnung?

Predigt MCC Köln 13. Nov. 2016
Daniel Großer

Römerbrief 8,18-25: „Die Hoffnung auf die Erlösung der Welt“

Unserer heutiger Predigttext und der Feiertag, den Deutschland an diesem Sonntag feiert, fallen nicht zufällig zusammen.
Am kommenden Sonntag feiert die Evangelische Kirche den Ewigkeitssonntag zum Gedenken der Toten, heute am Volkstrauertag richten sich die Gedanken hingegen auf die Opfer von Krieg und Gewalt. Von Leid und Vergänglichkeit handelt auch unser Predigttext. Er steht in der ersten Hälfte des Römerbriefes, in der Paulus seine Theologie in ganzer Schönheit ausbreitet. Um genauer zu werden: Unser Text steht kurz vor dem erlösenden Abschluss, in dem Paulus von der Ewigkeit und von Gottes Treue schreibt und davon, dass nichts uns von Gottes Liebe zu trennen vermag. Aber der Weg dahin führt zunächst durch Leid und Tod, wir hören aus dem Römerbrief Kapitel 8, die Verse 18 bis 25.

Ich bin aber davon überzeugt, dass unsere jetzigen Leiden bedeutungslos sind im Vergleich zu der Herrlichkeit, die er uns später schenken wird.

Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf jenen Tag, an dem Gott offenbar machen wird, wer wirklich zu seinen Kindern gehört.
Alles auf Erden wurde der Vergänglichkeit unterworfen. Dies geschah gegen ihren Willen durch den, der sie unterworfen hat. Aber die ganze Schöpfung hofft auf den Tag, an dem sie von Tod und Vergänglichkeit befreit wird zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt, wie unter den Schmerzen einer Geburt.
Und selbst wir, obwohl wir im Heiligen Geist einen Vorgeschmack der kommenden Herrlichkeit erhalten haben, seufzen und erwarten sehnsüchtig den Tag, an dem Gott uns in unsere vollen Rechte als seine Kinder einsetzen und uns den neuen Körper geben wird, den er uns versprochen hat.

Nachdem wir nun gerettet sind, hoffen und warten wir darauf. Denn wenn man etwas schon sieht, muss man nicht mehr darauf hoffen. Und was ist die Hoffnung auf etwas, das man schon sieht?
Aber wenn wir auf etwas hoffen, das wir noch nicht sehen, müssen wir mit Geduld und Zuversicht darauf warten.

Römerbrief 8,18-25 (Übersetzung: Neues Leben)

Wie stellst du dir den Himmel vor?

Die Antwort auf diese Frage hängt ganz davon ab, wen man sie wann fragt.
Für kleine Kinder ist der Himmel vielleicht ein Ort, an dem ihre Eltern immer Zeit haben und sich nie streiten.
Für Jugendliche ist der Himmel wahrscheinlich ein Ort ohne Eltern.
Für Eltern von Jugendlichen ist der Himmel eventuell ein Ort ohne Widerrede, und er ist voller aufgeräumter Zimmer.
Das mag jetzt lustig klingen, aber ich meine den Gedanken durchaus ernst! Für die Soldaten, die auf beiden Seiten des Kessels von Stalingrad ihr Leben im Eis verloren, war der Himmel eine geheizte Stube mit einem großen Teller voller heißem Gulasch darin. Für einen Flüchtling aus dem somalischen Bürgerkrieg ist der Himmel ein Ort, an dem sein Leben einen Wert hat. Für Jugendliche aus dem Regenbogenspektrum ist der Himmel ein Ort, an dem sie sich nicht erklären müssen, um wertgeschätzt zu werden. Für eine krebskranke Frau in schweren Schmerzen ist der Himmel ein fröhlicher Ort, an dem sie nichts mehr fühlen muss. Für meinen Großvater war der Himmel ein Ort, an dem er endlich seine verstorbene Frau wieder in die Arme schließen konnte. Für einen afghanischen Bauern ist der Himmel ein friedliches Feld, auf dem er nicht fürchten muss, dass seine Kinder zum Opfer eines Drohnenangriffs oder einer islamistischen Miliz werden. Für eine Obdachlose ist der Himmel ein Schallplattenspieler, auf dem man alles auf null zurückdrehen und nochmal frisch auflegen kann. Für einen streng-religiösen Christen ist der Himmel sehr sehr klein, damit er sich nicht mehr selbst so ausstrecken muss, um Gott noch zu erreichen.

Wie stellst du dir den Himmel vor?

Wenn es dir so geht, wie Paulus, ist dann ist dein Himmel dort am hellsten, wo deine Nacht am dunkelsten ist.

Für Paulus ist die größte Dunkelheit die Vergänglichkeit des Lebens, das Leiden und Sterben des Körpers unter Schmerzen: “Aber die ganze Schöpfung hofft auf den Tag, an dem sie von Tod und Vergänglichkeit befreit wird zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes […] und [Gott] uns den neuen Körper geben wird, den er uns versprochen hat.” (Röm. 8, 20b.21.23b)

Er wird seine Zeitgenossen damit am richtigen Punkt angesprochen haben, denn in einer Zeit, in der man an Karies, Erkältung und Nasenbluten ganz leicht sterben kann, in der viele Menschen gezeichnet sind von Krankheiten und schwerer Arbeit, und in der Menschen zur Belustigung von wilden Tieren getötet werden – in so einer Zeit weiß man, was Vergänglichkeit ist.

Der Gegenentwurf vom Himmel ohne Leiden und der kommenden Herrlichkeit der göttlichen Welt ist der Ort, wo aus Traum Wirklichkeit wird. Paulus schätzt die Kraft der Hoffnung auf diesen Himmel als so bedeutsam ein, dass er die Gemeinden in Rom energisch auffordert, diese Hoffnung auch zu behalten. O-Ton Paulus: “Wer ohnehin an einen unsichtbaren Gott glaubt, der kann genausogut auch die geduldige Hoffnung auf den Himmel haben, den er ja auch nicht sehen kann.” (Röm. 8, 24.25)

Wie stellst du dir den Himmel vor?

Paulus versteift sich nicht allzusehr darauf, wie der Himmel denn nun konkret aussieht, und letztlich ist das auch gar nicht ausschlaggebend für seine Theologie. Aber warum ist Paulus die Hoffnung auf den Himmel so wichtig? Warum sollen wir auf den Himmel hoffen?
Ich glaube, wir sollen auf den Himmel hoffen, weil unser Bild vom Himmel ein Spiegelbild dessen ist, was wir von Gott denken.

In einem guten Himmel wohnt auch ein guter Gott, die sich ebenso nach diesem Himmel sehnt, wie ihre Schöpfung. Ein Himmel, der dir gefällt, und von dem du glauben kannst, dass Gott ihn dir gönnt, so ein Himmel gibt dir eine Idee davon, dass Gott gut ist.

An diesem Punkt vereint sich deine Hoffnung mit dem Sehnen Gottes nach einem Ort ihres Wesens, einem wahrhaft guten Ort. Ein Ort der dem gerecht wird, wozu sie ihre Menschen geschaffen hat.

All das sagt doch viel aus über Gott.

Ein Gott, der sich wünscht, dass Menschen an einem wirklich guten Ort sind;
Ein Gott, für den der Himmel erst mit Menschen zum Himmel wird;
Ein Gott, der den Himmel öffnet und austeilt zur vollen Entfaltung seiner Schöpfung.

Wenn deine Hoffnung auf den Himmel auch nur ein winziges Körnchen der Vorahnung von diesem Gott in sich trägt, dann ist sie es wert, dass du an dieser Hoffnung festhältst! Darum geht es Paulus.

Hoffe auf den Himmel, der ein besserer Ort für dich ist!
Hoffe auf den Himmel, der mit dir zum Himmel wird!
Hoffe auf den Himmel, in dem Gott die Türen öffnet!

Denn darin hältst du etwas von Gott in den Händen, was dich tragen und halten wird auch dann, wenn alle Lichter verlöschen.

Dir und mir wünsche ich, dass unsere Träume vom Himmel uns die Geschichten zuflüstern von der Sanftheit und Zugewandtheit unseres unsichtbaren und doch gegenwärtigen Gottes. AMEN.

Fürbitten

Gott, wir bitten dich um ein Stück vom Himmel für die die, die unter Krankheit und Schmerzen leiden, damit sie sich nicht in den Händen der Hilflosigkeit wähnen müssen, sondern in deinen Händen.
Christus, erhöre uns.

Gott, wir bitten dich um ein Stück vom Himmel für die, die einen Menschen verloren haben, sei es durch Tod oder Trennung, durch eigene oder fremde Schuld, damit sie sich nicht in den Händen der Hoffnungslosigkeit wähnen müssen, sondern in deinen Händen.
Christus, erhöre uns.

Gott, wir bitten dich um ein Stück vom Himmel für die, die darunter leiden, nie gut genug zu sein, für die Geringgeschätzten, Verachteten, Ausgegrenzten, damit sie sich nicht in den Händen der Wertlosigkeit wähnen müssen, sondern in deinen Händen.
Christus, erhöre uns.

Gott, wir bitten dich um ein Stück vom Himmel für die, die wegen Armut oder Kriegen ihre Heimat, ihre Arbeit, ihre Lebensgrundlage verloren haben und auf der Flucht sind, damit sie sich nicht in den Händen der Zufluchtslosigkeit wähnen müssen, sondern in deinen Händen.
Christus, erhöre uns.

Gott, wir bitten dich um ein Stück vom Himmel für die, die anderen und sich selbst Gewalt antun mit Worten, Waffen oder durch ihre Passivität, damit sie sich nicht in den Händen der Gefühlslosigkeit wähnen müssen, sondern in deinen Händen.
Christus, erhöre uns.

Gott, wir bitten dich um ein Stück vom Himmel für die, deren Leben im Griff von Perspektivlosigkeit, Alkohol, Drogen, Obdachlosigkeit, Geltungsdrang oder Körperkult gefangen ist, damit sie sich nicht in den Händen der Ausweglosigkeit wähnen müssen, sondern in deinen Händen.
Christus, erhöre uns.

Christus, wir bitten dich um ein Stück vom Himmel für die, die leicht und hart im Urteil über andere sind, sei es aus religiösen, moralistischen, nationalistischen, rassistischen oder sonstigen Motiven, damit sie sich nicht in den Händen der Hartherzigkeit wähnen müssen, sondern in deinen Händen.
Christus, erhöre uns.

Denn du, Herr Jesus, bist der Freund der Menschen, und wo deine Hand tätig wird, da lass auch unsere Hände nicht ruhen. Deswegen bitten wir dich, bewirke deinen Frieden und lass uns Werkzeuge des Friedens sein. Bei dir ist die Quelle des Lebens, darum loben und preisen wir dich mit dem Vater und dem Heiligen Geist.
AMEN.

Gehen mit einem Gedicht

Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Wo meine Zeit an Gottes Ewigkeit zerbricht,
sei dies die letzte Zärtlichkeit, der letzte Seelengruß.

Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
In Worten falten Bilder, Trug und Wahrheit sich,
und durch die Reime wandert noch einmal die Lebenslust.

Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Es soll die Lebensfäden lösen. dass ich nicht
verwoben bleibe mit dem Hier und dem Verlust.

Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
In einem dunklen Wort durch einen Spiegel geb ich dem Gesicht,
das mich mit Liebe ansieht, dann den ersten Kuss.

Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Sie findet meine letzten Worte, sie, durch deren erstes Wort das Licht ins Dunkel bricht,
und wird sie reimen aus der Fülle ihrer Lebensworte Überfluss.

Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Wo mir kein Wort mehr bleiben wird, erneuert jener Gott, der das Ich-bin-Wort spricht,
für eine neue Ewigkeit den treuen Bundesschluss.

Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Es soll mich trösten, denn das Leben endet nicht
am Tag, an dem ich gehen muss.

 

 

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